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Nach dem Erbeben : Schlimmer als der Tsunami

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Erdbeben-Überlebende im betroffenen indischen Teil Kaschmirs Bild: REUTERS

Die Vereinten Nationen rufen eindringlich dazu auf, die Hilfsbemühungen für die Erdbebenopfer in Kaschmir zu verstärken. „Das ist schlimmer als der Tsunami“, sagte UN-Hilfskoordinator Egeland.

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          Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan hat die Weltgemeinschaft eindringlich um mehr Erdbebenhilfe für Pakistan gebeten und vor einer „zweiten massiven Todeswelle“ gewarnt. Geschätzte seien etwa drei Millionen Menschen obdachlos, sagte Annan in New York. „Viele von ihnen haben keine Decken oder Zelte, um sich vor dem gnadenlosen Winter im Himalaya zu schützen“. Er betonte: „Es wird zu einer zweiten massiven Todeswelle kommen, wenn wir unsere Anstrengungen jetzt nicht verstärken.“

          Das UN-Koordinationsbüro für humanitäre Hilfe (Ocha) sprach von schlimmeren logistischen Problemen als bei der Tsunami-Katastrophe. Ocha-Leiter Jan Egeland sagte am Donnerstag in Genf, die Zahl der in Pakistan offiziell bestätigten knapp 48.000 Toten könne sich noch verdoppeln. Der Winter stehe vor der Tür oder sei schon eingetroffen, und es bestehe kaum noch Infrastruktur. 67.000 Menschen seien schwer verletzt. „Das Leben Zehntausender steht auf dem Spiel. Sie können in den nächsten Tagen sterben.“ Die bislang nach dem Erdbeben vom 8. Oktober geleistete Hilfe sei einfach nicht ausreichend.

          Ein logistischer Alptraum

          Egeland forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung der Internationalen Gemeinschaft. „Wir brauchen eine zweite Berliner Luftbrücke“, sagte er. „Wenn man das Ende der vierziger Jahre fertig gebracht hat, dann sollten wir das 2005 auch schaffen.“ Die Probleme seien gigantisch. „Wir haben noch niemals so einen logistischen Albtraum gehabt“, sagte Egeland. „Wir dachten, der Tsunami wäre das schlimmste, was passieren könnte. Das ist schlimmer.“ Bei der Tsunami-Katastrophe Ende vergangenen Jahres waren in Asien rund 200.000 Menschen ums Leben gekommen.

          Egeland: „Ein logistischer Alptraum”

          Annan betonte, nötig sei ein „sofortiger und außergewöhnlicher Anstieg der weltweiten Hilfeanstrengungen, um die Arbeit der Regierung Pakistans zu unterstützen.“ Elf Tage nach dem Beben lägen feste Zusagen nur für zwölf Prozent der von den UN erbetenen 312 Millionen amerikanischer Dollar (260 Millionen Euro) Hilfsgelder zu. Nach der Tsunami-Katastrophe seien dagegen binnen zehn Tagen 80 Prozent der erbetenen Mittel zugesagt worden. Die Vereinigten Staaten schickten am Donnerstag weitere 20 Hubschrauber ins Krisengebiet.

          „Wir erwarten Ergebnisse“

          Annan kündigte an, in der kommenden Woche an der Geberkonferenz der Vereinten Nationen in Genf teilzunehmen. „Wir erwarten Ergebnisse“, sagte der Generalsekretär. Er bitte Regierungen und andere Organisationen dringend darum, auf höchster Ebene Vertreter zu dem Treffen zu entsenden. Die offiziell bestätigte Todeszahl in Pakistan liegt bei 47.700. Im indischen Teil Kaschmirs kamen mindestens 1600 Menschen ums Leben. Ein weiterer Anstieg der Opferzahl wird befürchtet.

          Knapp zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben in Pakistan will die Kindernothilfe in der stark zerstörten Stadt Balakot ein Kinderzentrum für die jungen Opfer einrichten. Die Ärzteteams des Kindernothilfe-Partners Humedica International versuchten vor allem die medizinische Erstversorgung der Kinder zu gewährleisten, berichtete die Organisation in Duisburg.

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