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Nach dem Beben und dem Tsunami : Das Meer spült seine Opfer an den Strand

Schneefall behindert die Aufräumarbeiten im Nordosten Japans Bild: AFP

Kaum Wasser und Lebensmittel, kein Dach mehr über dem Kopf und bittere Kälte: Während die Welt auf die Bedrohung durch das Atomkraftwerk Fukushima schaut, leiden die Menschen an der Nordostküste Japans an den Folgen von Erdbeben und Tsunami.

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          Alle Welt verfolgt in diesen Tagen den Kampf der etwa 50 verbliebenen Arbeiter in der Atomanlage von Fukushima, die mit der Kühlung der Reaktoren eine atomare Katastrophe verhindern wollen. Die Dramatik dieser Rettungsaktion und die Angst vor einer Kernschmelze haben die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im Nordosten Japans fast in Vergessenheit geraten lassen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dabei bieten sich den Rettern an der vom Tsunami zerstörten Küste weiter Tag für Tag Bilder des Schreckens. Zu allem Überfluss ist nun auch der Winter zurückgekehrt. Die Temperaturen sanken unter Null, während Hunderttausende kein Dach mehr über dem Kopf haben und in provisorischen Notunterkünften leben müssen. Auch die Versorgungslage bleibt angespannt. Lebensmittel und Wasser sind weiter knapp.

          Die Zahl der von den Behörden registrierten Toten ist am Mittwoch auf 4255 gestiegen. Etwa 10.000 Personen gelten offiziell als vermisst. Die Behörden nehmen aber an, dass die Zahl der Todesopfer noch beträchtlich steigen wird. Nachdem die Tsunami-Warnungen, die es wegen der starken Nachbeben in den vergangenen Tagen immer wieder gab, am Mittwoch aufgehoben worden waren, entdeckten die Rettungskräfte an den Stränden der Unglücksprovinzen immer mehr Tote, die aus dem Pazifik angespült wurden.

          Mehr als 450.000 Menschen sind in Notunterkünften untergekommen, Millionen ohne Wasser, Heizung und Strom

          80.000 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, um die Trümmer zu beseitigen und die Toten zu bergen. Um die ums Leben gekommenen Ausländer identifizieren zu können, haben die Einwanderungsbehörden den Rettungskräften die Fingerabdrücke von Ausländern übermittelt, die in Japan leben; die Behörden nehmen jedem Ausländer, der ins Land einreist, bei der Passkontrolle Fingerabdrücke ab.

          Mehr als 430.000 Menschen leben immer noch in mehr als 2600 Notunterkünften. Die Provinzregierungen der von den Zerstörungen besonders stark getroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima haben die japanische Bauindustrie aufgefordert, so schnell wie möglich 32.800 provisorische Unterkünfte zu bauen.

          Zerstörungen noch weit größer als bislang angenommen

          Die Bauindustrie will den vielen Menschen, die ihr Heim verloren haben, schnell helfen. „Wir werden Anstrengungen unternehmen, die über unsere Branche hinausgehen“, sagte Verbandschef Takeo Higuchi dem japanischen Infrastrukturminister Akihiro Oohata zu, der wiederum die Unternehmen aufforderte, in den kommenden zwei Monaten mindestens 30.000 Wohnungen fertigzustellen.

          Higuchi richtete dazu ein Hauptquartier ein, in dem die örtlichen Behörden und die Bauindustrie zusammenarbeiten. Sie sollen festlegen, wo der Bedarf an Behelfswohnungen besonders groß ist. Je mehr Informationen aus den verwüsteten Landstrichen kommen, desto deutlicher wird aber, dass die Zerstörungen noch weit größer sein dürften als bislang angenommen. Mit der Reparatur beschädigter Fabriken und überlebensnotwendiger Infrastruktur ist neben den anhaltenden Rettungsbemühungen bereits begonnen worden.

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