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Nach Brand in Ludwigshafen : Türkei schickt Ermittler: „Wir wollen kein zweites Solingen“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach dem Feuer in einem Wohnhaus in Ludwigshafen, bei dem neun Türken starben, prüft die Polizei die Aussagen eines Mädchens, wonach es sich um Brandstiftung handeln könnte. Für die Türkei ist dies der Anlass, selbst in dem Fall zu ermitteln.

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          Nach der Feuerkatastrophe in Ludwigshafen gibt es einen ersten Hinweis auf Brandstiftung. Ein türkisches Mädchen, das sich bei Ausbruch des Brandes in dem betroffenen Gebäude aufhielt, berichtete am Dienstag einem RTL-Reporter, sie habe einen fremden Mann gesehen: „Der hat mit einem Feuerzeug ein Stöckchen angezündet und das dann neben dem Kinderwagen in den Flur geworfen.“ Der türkische Ministerpräsident Erdogan forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks.

          Zugleich beschloss die türkische Regierung, eigene Ermittler nach Ludwigshafen zu entsenden. Erdogan sagte in Ankara, Staatsminister Yazicioglu werde noch am Dienstag nach Ludwigshafen reisen. Der Minister werde begleitet von vier türkischen Polizeiexperten, um die Brandursache zu untersuchen. „Wir wollen, dass der Vorfall so schnell wie möglich aufgeklärt wird“, sagte Erdogan.

          Der Ministerpräsident erwägt nach eigenen Angaben, selbst am kommenden Donnerstag nach Ludwigshafen zu reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erdogan äußerte seine Sorge, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. „Wir wollen kein zweites Solingen erleben“, sagte der türkische Politiker: „Wir hoffen, dass der Vorfall nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun hat.“ In Solingen war 1993 ein von Türken bewohntes Haus von Jugendlichen angezündet worden. Fünf Mädchen und Frauen starben.

          Doch Brandstiftung in Ludwigshafen?

          Polizei überprüft Hinweis

          Die Polizei erklärte dazu, die zuständige Sonderkommission überprüfe den Hinweis. Die Aussage des Mädchens könne derzeit noch nicht bewertet werden. Klarheit über die Brandursache könnte die Arbeit der Spurensicherung bringen. Nach Polizeiangaben ist derzeit aber noch völlig offen, wann die Brandexperten das einsturzgefährdete Gebäude betreten können. Bei dem Brand waren am Sonntag neun Menschen getötet und 60 verletzt worden. Am Dienstag befanden sich noch immer elf Menschen in Krankenhäusern, vier davon mit schwersten Verletzungen, wie die Polizei berichtete.

          Die Feuerwehr erklärte, das Feuer sei vermutlich im weitgehend aus Holz gefertigten Treppenhaus des Gebäudes ausgebrochen und habe sich von dort aus innerhalb weniger Minuten über das komplette Haus ausgebreitet. Polizeisprecher Michael Lindner schloss nicht aus, dass es noch weitere Opfer geben könnte: „Wir hoffen aber, dass wir nicht noch mehr Tote finden.“ Die Feuerwehr setzte am Dienstag einen Kran ein, um das Dach des Hauses abzutragen und ins Innere vorzustoßen.

          Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, machte sich am Dienstag persönlich ein Bild vom Brandort. Kolat dankte anschließend für die Hilfsbereitschaft zahlreicher Menschen aus ganz Deutschland. Dies sei ein großer Trost für die Hinterbliebenen.

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