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Nach seinem Autounfall : Muss Prinz Philip nun vor Gericht?

Prinz Philip soll ein leidenschaftlicher Autofahrer sein. (Archivbild) Bild: dpa

Viele Details über den Autounfall des Herzogs von Edinburgh sind noch unklar. Die Briten debattieren aber bereits über eine Altersbeschränkung für Autofahrer.

          Noch weiß niemand, mit welchem Tempo der Geländewagen fuhr und was genau zu dem Unfall auf der Schnellstraße in Norfolk führte – sicher ist nur, dass Prinz Philip am Steuer saß, der in diesem Jahr 98 Jahre alt wird. Sein Range Rover überschlug sich, bis er auf der Seite landete. Und wenn die „Daily Mail“ richtig recherchiert hat, wurde der Herzog von Edinburgh danach von einem Passanten aus dem Schiebedach des Wagens gezogen. Nach einem kurzen Schütteln soll er dann auf den anderen Wagen zugegangen sein, der in den Unfall verwickelt war. Dort habe der Prinz gefragt: „Alles in Ordnung bei Ihnen?“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Just about. Die Fahrerin hatte Schnittwunden am Bein und die Beifahrerin ein gebrochenes Handgelenk. Der neun Monate alte Junge, der auf dem Rücksitz festgeschnallt war, kam mit dem Schrecken davon. Der Prinz, sagte sein Befreier, habe „sehr geschockt“ gewirkt. Verletzungen hat er laut Königspalast nicht erlitten. Die Hofberichterstatterin Ingrid Seward vermutete allerdings am Freitag, dass der Prinz wohl etwas später, nach seiner Rückkehr in den Palast von Sandringham, etwas abbekommen haben dürfte. Die Königin sei sicher „sehr verärgert“ gewesen, sagte sie.

          Die Windsors sind schon länger besorgt, dass ihr stures Familienoberhaupt an seinen Freiheiten festhält. An öffentlichen Auftritten nimmt Philip kaum noch teil, aber das Steuer – und auch die Zügel – will er nicht aus der Hand geben. Zuletzt war Philip auf einem Kutschbock gesehen worden. Sein Gesichtsausdruck auf dem Foto legte den Eindruck nah, dass er die Pferde mit beachtlicher Geschwindigkeit antrieb.

          In Großbritannien gibt es Fahrtauglichkeitsuntersuchungen

          In einer ersten Reaktion senkte der „Council“ von Norfolk die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Unfallstraße von 60 Meilen auf 50, also von ungefähr 96 Kilometer pro Stunde auf etwa 80. Aber damit dürfte die Sache nicht erledigt sein. In einigen Zeitungen hob eine Diskussion über Altersbeschränkungen für die Fahrerlaubnis an. Edmund King vom „AA“, einer Art britischem ADAC, teilte am Freitag mit, dass im Königreich etwa fünf Millionen Autofahrer älter als 75 Jahre seien. 250 britische Fahrer hätten sogar den 100. Geburtstag hinter sich gebracht. Das finden einige besorgniserregend, auch wenn sich jeder Fahrer nach seinem 70. Geburtstag alle drei Jahre einer Fahrtauglichkeitsuntersuchung unterziehen muss.

          Der Prominenten-Verkehrsanwalt Nick Freeman, auch bekannt als „Mr. Loophole“ („Mister Gesetzeslücke“), sagte am Freitag in der BBC, es weise nichts darauf hin, dass Philips Alter oder Gesundheitszustand etwas mit dem Unfall zu tun haben. Die Untersuchungen könnten sehr gut zutage fördern, dass die schwierigen Sichtverhältnisse an diesem sonnig-gleißenden Wintertag die Ursache gewesen seien. „Das absolute Alter des Herzogs ist nicht relevant“, sagte Freeman.

          Gerätselt wurde am Freitag, ob der Herzog von Edinburgh bald in einem Gerichtsprozess aussagen muss. Das würde im Buckingham-Palast vermutlich wenige amüsieren. Aber Rechtsfachleute bringen für diesen Fall eine offenbar erprobte Gentleman-Lösung ins Spiel: Prinz Philip könnte die Unannehmlichkeit erspart werden, würde er freiwillig seinen Führerschein abgeben.

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