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Fracht von der MS Weserland : Schatz an Bord

Sonderbare Kisten: Fracht von der MS Weserland Bild: picture alliance/dpa/Limpurb

Sonderbare Kisten trieben im Nordosten Brasiliens an die Küste. Laut Forschern stammen sie von der MS Weserland, die sich 1944 auf dem Weg nach Deutschland befand.

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          Der deutsche Blockadebrecher MS Weserland befand sich im Januar 1944 auf dem Weg nach Deutschland, als er vor der brasilianischen Küste von einem amerikanischen Zerstörer abgefangen und versenkt wurde. 77 Jahre danach hat sich das versenkte Schiff wieder bemerkbar gemacht: Im August trieben sonderbare „Kisten“ an die Küste im Nordosten Brasiliens, die von Forschern als Kautschukballen aus Japan identifiziert wurden. Die Fracht hat Deutschland nie erreicht. Stattdessen tröpfelt sie nun Stück für Stück an die brasilianische ­Küste.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Forscher waren zunächst davon aus­gegangen, dass es sich um die Fracht eines anderen deutschen Schiffes handelte, der MS Rio Grande, das ebenfalls im Januar 1944 im Südatlantik vor Brasilien versenkt worden war und dessen Fracht – ebenfalls Kautschukballen – schon seit 2018 an die Küste gespült wird. Zwei Dinge weckten allerdings Zweifel bei den Forschern: die große Menge des angeschwemmten Frachtgutes, die nicht von einem einzigen Schiff stammen konnte, und die japanischen Schriftzeichen der „neuen“ Kautschukballen. Eine mathematische Modellierung lieferte schließlich die Gewissheit, dass die angeschwemmte Fracht von zwei verschiedenen Schiffswracks stammen musste.

          Versorgung mit Kautschuk

          Blockadebrecher wie die MS Weserland und die MS Rio Grande waren während des Zweiten Weltkrieges von großer Bedeutung, um die Versorgung der deutschen Kriegswirtschaft mit Kautschuk zu gewährleisten. Eine ganze Reihe von Frachtschiffen verkehrten damals zwischen Japan und Deutschland. Der Kautschuk diente vor allem zur Herstellung von Gummireifen sowie von Isolationsmaterial und Bestandteilen von Uniformen. Neben Kautschuk transportierten die Schiffe auch edlere Materialien. An Bord der MS Rio Grande soll sich auch eine Ladung Kobalt befunden haben, während die MS Weserland neben dem Kautschuk auch Zinn transportierte.

          Dieser Teil der Fracht könnte auch der Grund sein, warum sich der Frachtraum der MS Weserland öffnete und die Kautschukballen entweichen ließ. Der Preis für Zinn hat seit Mitte 2020 einen Anstieg von rund 15.000 auf mehr als 35.000 Dollar pro Tonne erlebt, Zinn zählt an den Rohstoffbörsen zu den vielversprechendsten Waren. Laut dem britischen Spezialisten David Mearns gibt es handfeste Hinweise darauf, dass „Schatzsucher“ sich in den vergangenen Monaten über das Wrack der MS Weserland am Meeresgrund hergemacht haben, um die wertvolle Fracht zu bergen.

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