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Mount Everest nach dem Beben : Der Berg ruft nicht mehr

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Die Saison am Mount Everest fand durch das Erbeben vor einer Woche ein jähes Ende, als eine Lawine 19 Menschen in den Tod riss. Nur wenige hoffen jetzt noch auf eine Besteigung.

          Dominik Müller kann mit der Entscheidung der chinesischen Behörden leben, dass es in diesem Jahr keine Expeditionen mehr auf den höchsten Berg der Erde geben wird. Müller steht im Basislager des Mount Everest, vor ihm der höchste Berg der Welt, hinter ihm die tibetische Hochebene, über ihm der prächtige Sternhimmel, und telefoniert mit der Heimat. Irgendwann im Mai sollte der Traum seiner Kunden wahr werden: Einmal in ihrem Leben auf 8848 Metern stehen. Doch das Erdbeben vom vergangenen Samstag, das die Himalaja-Region erschütterte, löste auf der Südseite das Mount Everest eine Lawine aus, riss 19 Menschen in den Tod – und brachte auch die Pläne von Müllers Kunden ins Wanken.

          „Ich habe jedem Teilnehmer die Entscheidung überlassen: Will er noch? Kann er noch?“, sagt der Geschäftsführer von Amical alpin, einem Expeditionsveranstalter mit Sitz in Oberstdorf. Am Dienstag wurde die Expedition auf den einstimmigen Wunsch der Teilnehmer hin abgebrochen. Einen Tag vorher hatte auch schon das Bergsteiger-Ehepaar Alix von Melle und Luis Stitzinger seine Expedition für beendet erklärt – denn es ist bei so vielen Todesopfern in Nepal auch eine moralische Frage, am Berg zu bleiben oder abzureisen. Auch die Achttausender Makalu, Dhaulagiri und Annapurna haben erst einmal Ruhe von Expeditionen.

          Bleibt nur die Hoffnung auf den Monsun

          Am Mittwoch nahmen die chinesischen Behörden allen Zweiflern die Entscheidung ab. Sämtlichen Bergsteigern haben sie verboten, auf der Nordseite des Mount Everest über das vorgeschobene Basislager in 6400 Metern hinaus aufzusteigen. Dieses Verbot gilt bis zum nächsten Vor-Monsun auch für die anderen Achttausender, die von Tibet aus bestiegen werden: den Cho Oyu und die Shisha Pangma. Wegen Sicherheitsbedenken wurde so entschieden. Es werden weitere Nachbeben erwartet. Täglich wird aus Nepal und Tibet über Erschütterungen berichtet. Niemand weiß, wie sicher die Gletscher sind. Haben sich Spalten gebildet? Gibt es Seracs, also Türme aus Gletschereis, die in die Tiefe donnern könnten?

          Nun hofft man auf den Monsun. Niederschläge sollen Risse im Eis schließen. Was durch das Erdbeben instabil geworden ist, könnte sich durch Gefrorenes verfestigen.

          Nach dem Lawinenunglück im vergangenen Jahr, bei dem 16 einheimische Bergführer und Hochträger den Tod fanden, scheiterte die Fortsetzung der Expeditionen am Widerstand einiger Sherpas. In diesem Jahr haben die meisten Bergsteiger, nachdem die im Western Cwm Eingeschlossenen mit 150 Hubschrauberflügen über den Eisbruch transportiert worden waren, das Basislager fluchtartig verlassen. Nur der neuseeländische Expeditionsveranstalter Russell Brice will mit seiner Gruppe noch einige Tage im Basislager bleiben und dann entscheiden. Ein Team soll sogar im Hochtal oberhalb des Eisbruchs ausharren. Gefahr bestand für die Bergsteiger dort oben nicht. Auch genug Lebensmittel und Zelte sind vorhanden.

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