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Brückeneinsturz in Genua : „Sie mussten sterben, weil profitgierige Leute Kosten sparen wollten“

Im Zelt: Richter Paolo Lepri (Mitte) bei der ersten Anhörung Bild: AP

In Genua hat der Prozess zum Einsturz der Morandi-Brücke begonnen. Mit 59 Angeklagten, mehr als 200 Anwälten, mindestens 180 Zeugen und Gutachtern ein Mammutverfahren. Rechtskräftige Urteile könnte es erst zehn Jahre nach der Katastrophe geben.

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          Bei einem Mammutverfahren mit Dutzenden Angeklagten, Hunderten Zeugen und Tausenden Seiten Beweismaterial spricht man in Italien von einem „maxiprocesso“. Gewöhnlich finden solche Prozesse im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen statt. Legendär wurde der erste „maxiprocesso“ in Palermo gegen die sizilianische Mafiaorganisation Cosa Nostra von 1986 bis 1992, für den eigens ein Gerichtsbunker direkt neben dem Ge­fängnis Ucciardone errichtet wurde. Und seit Februar 2021 wird in Catanzaro ein „maxiprocesso“ gegen die kalabrische Mafia ’ndrangheta abgehalten.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch in Genua ist dieser Tage nun von einem „maxiprocesso“ die Rede. Das ist nicht ganz falsch, denn auch in diesem Prozess geht es nach Überzeugung der Strafverfolger um eine Art organisiertes Ver­brechen. Das Verfahren begann am Donnerstagvormittag mit einer ersten An­hörung und prozeduralen Scharmützeln zwischen Anwälten und Richtern. Und wurde sogleich für die Ferienmonate Juli und August unterbrochen. Im September soll es mit bis zu drei Verhandlungstagen pro Woche dann richtig losgehen.

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