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Minenunglück in Neuseeland : Der schwärzeste Tag an der grünen Küste

  • -Aktualisiert am

Tiefe Trauer bei den Angehörigen Bild: dpa

Die Neuseeländer hatten auf ein zweites „Wunder von Chile“ gehofft. Doch die Grube war voller Methangas, die 29 vermissten Männer wurden für tot erklärt. Die Pike-River-Kohlemine hatte den Aufschwung für die wirtschaftlich schwache Region bedeutet. Der ist vorbei, die Mine wird stillgelegt.

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          Fünf Tage hatten die Familien gehofft und immer wieder gefragt: „Warum werden unsere Jungs nicht herausgeholt?“ 29 Bergleute wurden seit Freitag in der neuseeländischen Pike-River-Kohlemine vermisst. Am Mittwoch machte eine zweite Gasexplosion in der Tiefe alle Hoffnungen zunichte, die Männer wurden für tot erklärt. Die Explosion zeigte auch, warum Rettungsversuche nicht möglich gewesen waren: Die Grube ist voller Methangas.

          Seit dem Flugzeugunglück vor 31 Jahren am Mt. Erebus in der Antarktis ist dies das schlimmste Unglück in Neuseeland. Premierminister John Key ließ Staatstrauer ausrufen. Nach dem Unglück hatten die Neuseeländer auf ein zweites „Wunder von Chile“ gehofft. Doch die Kohlemine war anders als die chilenische Kupfermine voller gefährlicher Gase. Peter Whittall, dem Chef der Minengesellschaft, blieb nicht anderes übrig, als immer wieder zu sagen: „Ich kann die Rettungstrupps nicht in den Tod schicken.“

          Am Sonntag wurde damit begonnen, ein 162 Meter tiefes Loch von 15 Zentimeter Durchmesser zu bohren, um Luftproben zu entnehmen sowie Richtmikrofone und Kameras hinabzulassen. Statt einen Tag dauerte die Bohrung drei Tage, weil das Gestein härter war als angenommen und weil am Ende wegen der Explosionsgefahr nur noch feine Diamantbohrköpfe verwendet werden konnten. Die Bohrung brachte nichts außer der Gewissheit, dass die Stollen voller explosiver Gase waren.

          Die Pike-River-Kohlemine war voller gefährlicher Gase

          Am Dienstag wurde ein Roboter in den Eingangsstollen geschickt, der jedoch nach zwei Stunden und 500 Metern Strecke versagte. Die Luftwaffe flog ein neues Gerät aus Australien ein, das es tiefer in den Tunnel schaffte und einen Hoffnungsschimmer brachte: Die Kamera nahm eine Grubenlampe auf, die auch nach fünf Tagen noch brannte – ein Hinweis darauf, dass auch die Vermissten vielleicht noch Licht hatten. Die Lampe stammte vom Helm eines der beiden Männer, die zur Unglückszeit in der Nähe des Minenausgangs gearbeitet und sich hatten retten können. Während die Roboterdaten am Dienstagnachmittag auf die Möglichkeit eines Rettungsversuchs überprüft wurden, erschütterte die zweite Explosion die Mine.

          „Hier stehen Existenzen auf dem Spiel“

          „Es ist der schwärzeste Tag der Westküste“, sagte der sichtlich erschütterte Bürgermeister der kleinen Küstenstadt Greymouth, Tony Kokshoorn. Seit fünf Tagen hatte er rund um die Uhr den Angehörigen Beistand geleistet und bis zuletzt an ein Wunder geglaubt. Das jüngste Opfer war erst 17 Jahre alt und auf seiner ersten Schicht. Ein 25 Jahre alter Bergmann wollte im Dezember heiraten. Trauer legte sich über die Dörfer an der immergrünen, spärlich besiedelten und rauhen Westküste der Südinsel, wo Regenwald auf wilde Brandung trifft, wo die Nachfahren von Goldwäschern und Pionieren leben und wo jeder jeden kennt. Pike River Coal hatte einen Aufschwung für die wirtschaftlich schwache Region gebracht. Der ist vorbei. Die Mine, erst seit 2009 in Betrieb, wird stillgelegt. „Damit stehen hier Existenzen auf dem Spiel“, sagt Ralf Krüger, ein eingewanderter Makler, der in dem historischen Bergarbeiterort Blackball lebt. Dort wurde einst Neuseelands erste Gewerkschaft gegründet.

          Ob die 29 toten Bergleute Mine jemals aus der Mine geborgen werden können, ist noch ungewiss. „Ich will meinen Jungen wenigstens zu Grabe tragen können“, sagte die Mutter des jüngsten Opfers, des 17 Jahre alten Joseph Dunbar, am Dienstag, als der Tod ihres Sohnes zur Gewissheit geworden war.

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