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Jetzt ein tropischer Sturm : Mindestens zehn Tote auf Kuba wegen „Irma“

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

„Irma“ ist zum tropischen Sturm herabgestuft worden. Trotzdem richten sich bange Blicke an die Ostküste Floridas und die weiter nördlich gelegenen Küsten der Staaten Georgia und South Carolina. Auf Kuba ist die Zerstörung immens.

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          Hurrikan „Irma“ hat auf Kuba zehn Menschen in den Tod gerissen. Sieben Menschen seien in der Provinz Havanna ums Leben gekommen, wie der Zivilschutz am Montag mitteilte. Drei weitere Menschen wurden demnach in Matanzas, Ciego de Ávila und Camagüey getötet. Im Norden Kubas richtete der Tropensturm erhebliche Schäden an. „Irma“ war in der Nacht zum Samstag mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 Kilometern pro Stunde auf Kuba getroffen. Tausende Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht. Die Regierung rief Hurrikan-Warnungen für mehrere Provinzen aus. Die Gesamtzahl der Todesopfer durch „Irma“ in der Karibik und den Vereinigten Staaten stieg damit laut der Nachrichtenagentur AFP auf mindestens 40. Derzeit zieht „Irma“ über den Bundesstaat Florida.

          Die Deutschlandtochter des weltgrößten Reisekonzerns Tui fliegt rund 600 ihrer Kunden „so schnell wie möglich“ aus der vom Hurrikan verwüsteten kubanischen Nordküste aus. Vor allem rund um Varadero, dem wichtigsten Touristenzentrum der Insel, habe es teilweise schwere Schäden gegeben, teilte das Krisenzentrum des Konzerns am Montag in Hannover mit. Reisen nach Varadero mit Anreisedatum bis 18. September wurden abgesagt. Keine Schadensmeldungen liegen aus der weniger betroffenen Provinz Holguin vor. Unübersichtlich sei die Lage in der Hauptstadt Havanna.

          Unterdessen wurde der verheerende Hurrikan am Montag zum tropischen Sturm herabgestuft. Das amerikanische Hurrikanzentrum berichtete, „Irma“ werde vom nördlichen Florida mit 30 Kilometern pro Stunde Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort wird sich der Sturm weiter abschwächen.

          Es richteten sich einmal mehr bange Blicke an die Ostküste Floridas und die weiter nördlich gelegenen Küsten der Staaten Georgia und South Carolina. Fernsehbilder zeigten, wie „Irma“ Wassermassen hüfthoch in die Stadt Jacksonville in Florida drückte. Den Angaben zufolge müssen auch Küstenorte Orte wie Savannah oder Charleston mit Fluten rechnen.

          Über Festland schwächen sich Hurrikane ab, weil sie keine neue Energie mehr ziehen können. Das Hurrikanzentrum stuft den Sturm dann offiziell herunter. Die niedrigere Einstufung gilt vor allem für Windgeschwindigkeiten, der Sturm bleibt aber allein wegen der Wassermaßen potenziell weiter gefährlich.

          Berichte über Plünderungen und Einbrüche

          Der Sturm riss in Florida Dächer von Häusern, überflutete Straßen und kappte Stromleitungen. Es gab Berichte über Plünderungen und Einbrüche. Fast 4,3 Millionen Haushalte in Florida und dem nördlich angrenzenden Bundesstaat Georgia waren ohne Strom. Mehr als 12.000 Flüge wurden abgesagt. Mindestens vier Menschen kamen bislang ums Leben. Wie groß die Schäden am Ende sein werden, ist noch völlig unklar. In der Nacht zum Montag (Ortszeit) wurde der Hurrikan, der zuvor Kuba und andere Teile der Karibik heimgesucht hatte, auf die niedrigste Kategorie eins herabgestuft.

          Amerikanische Medien schilderten aus mehreren Städten an der Ostküste des Bundesstaats Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen von mutmaßlichen Plünderern. Zudem verhängte der umliegende Landkreis eine Ausgangssperre bis 7 Uhr (Ortszeit, 13 Uhr MESZ). In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

          Tropensturm „Irma“: Zur Ansicht der Prognose starten Sie das Video unten links, oder klicken Sie unten auf die Zeitleiste. Per Klick auf die Karte sehen Sie die örtliche Windstärke.

          Durch die Altstadt und das Bankenviertel von Miami wälzten sich Wassermassen. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass heftige Stürme das Wasser in die Stadt drückten und große Straßen zu reißenden Flüssen machten. Auch in der zentral gelegenen Großstadt Orlando berichteten Augenzeugen auf Twitter von hüfthohem Wasser.

          Das Wasser wird zurückkommen

          Der Wirbelsturm hat sich über dem Festland abgeschwächt, die Lage bleibt aber angespannt. Zuletzt wurden noch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer gemessen. Zuvor waren Böen von bis zu 229 Stundenkilometern gemessen worden. Bereits Am Montagmorgen (Ortszeit) änderte das Hurrikanzentrum einen Teil der Einstufungen von Hurrikan- in Tropensturm-Warnungen.

          Während „Irma“ an der Atlantikküste für Überschwemmungen sorgte, ging das Wasser an der Golfküste im Westen zunächst zurück. Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser zurückkommen werde, nachdem das Augen des Wirbelsturms durchgezogen sei. „Natürlich kommt das Wasser nicht langsam zurück, sondern als Welle“, sagte der Klimaexperte Anders Levermann im ZDF.

          Die verbliebenen Menschen am Golf bereiteten sich auf Sturmfluten von bis zu 4,5 Metern Höhe vor. „Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt“, sagte der Bürgermeister von Tampa, einem Zentrum der Golfküste, am Sonntag (Ortszeit) der „New York Times“ zufolge. „Nun, wir kriegen demnächst einen Schlag ins Gesicht.“

          Der Sender ABC berichtete von fünf Toten, die bei Autounfällen starben oder tot in ihren Häusern gefunden wurden. Die „New York Times“ schrieb von vier Toten. Die Zahlen könnten noch steigen. Zuvor waren mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Weit über 100.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.

          „Weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen“

          Auch mehr als 600 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt sorgt „Irma“ noch für tropensturmartige Winde, wie es vom Hurrikan-Warnzentrum hieß. In benachbarten Bundesstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen. Im Süden von Georgia galten Sturmwarnungen, auch dort waren rund 10.000 Haushalte ohne Strom.

          Umgestürzter Laster in Miami Bilderstrecke

          Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Bereits bevor „Irma“ aufs Festland getroffen war, hatte Trump eine Notfall-Deklaration erlassen, welche Florida finanzielle Hilfen der Bundesregierung ermöglicht.

          „Irma“ hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Sturm nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es auf den Jungferninseln, sowie auf Barbuda und Saint-Bartélémy.

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die ebenfalls schwer betroffene Insel Saint-Martin am Dienstag zu besuchen. Bereits am Sonntag (Ortszeit) hatte der niederländische König Willem-Alexander auf der Insel Curacao mit Opfern gesprochen.

          Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte angesichts von „Irma“ vor verheerenden Folgen auch für Europa. „Das Jahr 2017 zeigt uns auf bitterste Weise, warum die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor dem Klima-Chaos warnt: Die Elemente Feuer, Wasser und Luft wenden sich nun gegen uns, weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen“, erklärte er am Montag in Potsdam.

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