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Unglück in Italien : Mindestens 35 Tote nach Einsturz von Autobahnbrücke in Genua

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

In der italienischen Stadt Genua ist eine Autobahnbrücke auf einer Länge von mehr als 100 Metern eingebrochen. Autos und Lastwagen stürzten in die Tiefe. Mindestens 35 Menschen starben.

          In der italienischen Hafenstadt Genua ist eine vierspurige Autobahnbrücke eingestürzt. Wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete, starben mindestens 35 Menschen. Zuvor hatte der italienische Innenminister Matteo Salvini am Nachmittag mitgeteilt, dass mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen seien. Die Bergungsarbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen. Auf Twitter berichtet der Zivilschutz zudem von 13 Verletzten. Fünf von ihnen seien ein „Code Rot“, also in akuter Lebensgefahr. Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach auf Twitter von einer „entsetzlichen Tragödie“. Die 40 Meter hohe Brücke brach auf einem Stück von 100 bis 200 Metern ein. Der Einsturz habe sich während eines gewaltigen Unwetters ereignet, teilte die Polizei auf Twitter mit.

          Mehr als 300 Rettungskräfte waren nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz. Rettungskräfte hätten mindestens vier Überlebende aus den Trümmern gezogen, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“ am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe. Unter den Toten soll auch ein neuen Jahre altes Kind sein. Mehrere Lastwagen seien im Fluss Polcevera gelandet, über den die Brücke der A10 ebenfalls führt. In der Nähe der Brücke seien nach dem Einsturz vorsichtshalber Häuser evakuiert worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

          Beim Einsturz einer vierspurigen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua sind am Dienstag zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Die Retter gingen ein hohes Risiko ein. Bilderstrecke

          Der Feuerwehr zufolge ereignete sich der Einsturz des Ponte Morandi, der auch als Polcevera-Viadukt bezeichnet wird, am Dienstag gegen 12.00 Uhr. Sie veröffentlichte ein dramatisches Bild: Ein Lastwagen steht auf der Brücke, die direkt vor ihm eingestürzt ist. Die Brücke führt unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet.

          Innenminister Matteo Salvini twitterte aus der Nationalen Operationszentrale der Feuerwehr. Er verfolge die Situation und danke den „200 Feuerwehrmännern (und den anderen Helden) die vor Ort sind und Leben retten“.

          Augenzeugen berichten von einem Blitzeinschlag

          Augenzeugen berichten von einem Blitzeinschlag zum Zeitpunkt des Einsturzes. „Es war kurz nach 11:30 Uhr, als wir den Blitz in die Brücke haben einschlagen sehen – und wir haben gesehen, wie die Brücke zusammenfiel“, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Augenzeugen Pietro M. Auch auf Videos vom Einsturz, die in den Sozialen Netzwerken gepostet wurden, ist ein Aufblitzen zu sehen.

          Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach von einer „entsetzlichen Tragödie“. Er schloss in einem Radio-Interview aus, dass Bauarbeiten an der Brücke Grund für den Einsturz seien. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sagte, der Staat werde alles unternehmen, um den Familien der Opfer zu helfen.

          Das Unternehmen Autostrade per l'Italia, das in Italien mehr als 3000 Kilometer des Straßennetzes betreibt, versicherte laut „Repubblica“, die Gründe für den Einsturz genau zu untersuchen, „sobald es möglich sein wird, den Unfallort sicher zu betreten“. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren nach Angaben der Betreibergesellschaft Bauarbeiten im Gange. Wie das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polcevera-Viadukts gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden. Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden.

          Der „Viadotto Polcevera“ war nach vierjähriger Bauzeit 1967 vom damaligen Staatspräsidenten Giuseppe Saragat eröffnet worden. Der  Viadukt mit einer Gesamtlänge von 1182 Metern überquert ein Industriegebiet stützt sich auf drei Betonpfeiler. Das längste Teilstück ist 210 Meter lang.

          Der Einsturz der Brücke machte sich auch schnell an der Börse bemerkbar: Die Aktien des italienischen Mautstrecken-Betreibers Atlantia drehten am Dienstag nach Bekanntwerden des Unglücks ins Minus und verloren binnen Minuten um bis zu 4,6. Prozent. Sie steuerten damit auf den größten Tagesverlust seit zwei Jahren zu. Daraufhin wurde der Handel mit den Papieren an der Mailänder Börse vorübergehend gestoppt.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte betroffen auf das Unglück. „Nach dem schrecklichen Brückeneinsturz sende ich den Menschen in Genua und in Italien meine Anteilnahme“, erklärte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag. „Zusammen mit vielen Deutschen bin ich in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.“

          Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bot Italien Hilfe an. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und dem ganzen italienischen Volk“, teilte Macron am Dienstag auf Twitter mit. „Frankreich steht in dieser Tragödie an der Seite Italiens und hält sich bereit, jegliche nötige Unterstützung zu leisten.“

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