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Merkel besucht die Flutregion : Im Angesicht der Naturgewalt

Angela Merkel und Malu Dreyer am Sonntag in Schuld Bild: AFP

Bei ihrem Besuch im Katastrophengebiet richtet Kanzlerin Merkel den Blick auf die Folgen des Klimawandels. Die deutsche Sprache kenne „kaum Worte“, um eine derartige Verwüstung zu beschreiben. Bei allen Rufen nach Wiederaufbau steht aktuell die Rettung von Vermissten im Vordergrund.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Im Kreis Ahrweiler gibt es viele schwer gezeichnete Orte, wohl nirgendwo aber wüteten die Fluten so wie in Schuld: Sechs Häuser rissen die Wassermassen fort, viele weitere beschädigten sie schwer. Am Sonntagmorgen sind viele der Bewohner schon aktiv, schippen den braunen Schlamm aus ihren Häusern und kippen ihn mit Schubkarren die Böschung hinab. Auf einer Brücke, die nur noch in Bruchstücken steht, wird gehämmert; ein Gerüst auf der Brücke soll die zwei Ortsteile wieder provisorisch verbinden. Allerorten sind Rettungskräfte zu sehen, vielleicht auch, weil Schuld im Unterschied zu vielen anderen Ortschaften entlang der Ahr im Norden von Rheinland-Pfalz gut erreichbar ist: Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes sind da, Räumpanzer der Bundeswehr, Feuerwehr und Polizei.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Am Sonntagmittag trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel ein, um sich, wie es vorab heißt, ein Bild der Lage zu machen. Empfangen wird sie unter anderem von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, von Landesinnenminister Roger Lewentz sowie dem Ortsbürgermeister von Schuld, Helmut Lussi. Immerhin, sagt dieser zu Beginn des Gangs durch das Dorf zu Merkel, habe es wie durch ein Wunder im Ort keine Toten und keine Vermissten gegeben.

          Insgesamt aber steigt die Zahl der vermeldeten Todesopfer in der Region unablässig. Bei 112 beziffert sie Dreyer Sonntag. Rund 670 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Zahlreiche Personen werden weiterhin vermisst. Insgesamt sind bei der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands mindestens 150 Menschen ums Leben gekommen.

          Die Suche nach Vermissten geht weiter

          Im Landkreis Ahrweiler ist die Lage auch am Sonntag angespannt; Hubschrauber fliegen Einsätze, immer wieder sind Sirenen zu hören, auch unmittelbar an der Gruppe der Politikerinnen und Politiker fahren Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht vorbei. Immer noch aber steht bei allen Rufen nach einem Wiederaufbau auch am Sonntag die Rettung von Personen im Vordergrund; nach Angaben der Polizei wurden zuletzt aus der Luft Aufnahmen des betroffenen Gebiets gemacht, mit Hilfe der Fotos suchen die Rettungskräfte am Boden nun systematisch das Flussgebiet ab.

          Merkel geht mit Dreyer durch den Ort, vorbei an den von der Flut gezeichneten Häusern. Beide sprechen mit Bewohnern, danken den Rettungskräften. Der Schaden sei „immens“, es gebe Probleme mit Gastanks, die ausgegraben würden, berichten Feuerwehrleute. Die meisten Orte entlang der Ahr sind weiterhin von Strom, Gas und Wasser abgeschnitten. Aus dem Schlamm entlang des Flusses ragen immer wieder Stromkabel heraus, Stromkästen liegen zerstört am Boden, vor Stromschlägen wird gewarnt. Zumindest teilweise kam am Sonntag das Mobilfunknetz zurück. Die Rettungskräfte berichten Merkel und Dreyer, dass das Technische Hilfswerk eine Wasseraufbereitungsanlage baue. Die Wasserversorgung sei ein zentrales Problem. Der Wiederaufbau der Leitungen dauere. Dreyer sagt dazu, es werde, „Monate“ dauern, bis das „wieder lebbar hier“ werde.

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