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„Costa Concordia“ : Abschied vom gefallenen Riesen

  • -Aktualisiert am

Auf den letzten Metern: Schwarzer Rauch steigt auf, als die „Costa Concordia“ angehoben wird. Bild: REUTERS

Die letzte Reise der „Costa Concordia“ kann beginnen. Die blaue Flagge wurde gehisst, das Kreuzfahrtschiff ist für die Fahrt nach Genua bereit. Wir zeigen vier Menschen, die mit der „Costa Concordia“ verbunden sind.

          Bei der Havarie der „Costa Concordia“ sind im Januar vor zwei Jahren 32 Menschen ums Leben gekommen. In einer 1,5 Milliarden Euro teuren Bergungsaktion war das Schiff anschließend nach und nach wieder aufgerichtet und in Position gebracht worden. Letzte Woche hatten die Ingenieure es schließlich wieder zum Schwimmen gebracht und um mehrere Meter angehoben.

          Am Mittwoch zur Mittagszeit macht sich die „Costa Concordia“ auf ihre letzte Reise. Am Sonntag soll sie die 350 Kilometer lange Route nach Genua geschafft haben. Dort, wo sie auch gebaut wurde, wird sie anschließend verschrottet. Die letzte Reise wird von vielen Menschen begleitet, tatkräftig von den einen, gedanklich von den anderen. Wir stellen vier Menschen vor, deren Leben mit der „Costa Concordia“ eng verwoben ist.

          Am Mittwochmittag wird das Schiff seine letzte Reise antreten.

          Der Trauernde

          Elio Vincenzi steht an der Mole und sieht ein letztes Mal auf das Wrack der „Costa Concordia“. Der 67 Jahre alte Mathematiklehrer aus Syrakus auf Sizilien nimmt wieder einmal Abschied von seiner Frau Maria Grazia. Sie gehörte zu den 32 Passagieren, die im Januar 2012 bei der Havarie des Kreuzfahrtriesen vor der toskanischen Insel Giglio ihr Leben verloren. Der Mann mit dem schütteren Haar hält seine rechte Hand auf dem Herzen, wo er ein Foto seiner Frau auf das T-Shirt geklebt hat: Sie lacht lebensfroh; ihre schwarzen Haare wehen im Wind. Elio Vincenzi sieht auf den schmutzigen Kreuzfahrtriesen, der zum Abschleppen bereit ist. Maria hatte gerade eine Krebskrankheit überstanden und war mit einer Freundin, der Tochter und ihrem Verlobten auf die Reise gegangen, um die neue Gesundheit zu feiern, sagt Vincenzi. „Mitten in der Schulzeit, also ohne mich.“ Sie und ihre Freundin kamen nicht wieder. Er werde nun jedes Jahr einmal nach Giglio zurückkehren, sagt Vincenzi, und an der Stelle ins Meer tauchen, wo der Felsen liegt, an dem die „Costa Concordia“ leckschlug. „Dort werde ich jedes Jahr Blumen niederlegen.“

          Die Biologin

          Daniela Pace kann ihr Forscherglück kaum fassen. Die 48 Jahre alte Meeresbiologin aus Neapel wird mit dem Segelschiff „Kidan“ den Konvoi anführen, der mit vier Schleppern – zwei ziehen, zwei sind in Reserve – sowie weiteren neun Schiffen das Wrack nach Norden begleiten soll. Nicht mehr als gut zwei Knoten schnell soll das Wrack gezogen werden; damit wird die Reise etwa 100 Stunden dauern. Am Sonntag soll das Wrack den 350 Kilometer entfernten Hafen von Genua zum Abwracken erreichen. „Wir fahren einen Kilometer voraus und möchten die Meeressäugetiere, Wale und Delphine vor einer Kollision bewahren und sie im Umkreis von vier Kilometern optisch und akustisch beobachten“, sagt Daniela Pace im Hafen von Giglio. Durch das Wrack und seinen Konvoi komme eine besondere Belastung auf die Tiere zu. „Wir durchfahren zudem ein Naturschutzgebiet. Grund genug, die einmalige Chance zur Beobachtung der Meeressäuger zu nutzen.“ Eigentlich müsse der Konvoi mit dem Wrack seine Geschwindigkeit drosseln, wenn Meeressäuger in Sicht kämen. „Aber wenn sich die Tiere gestört fühlen, werden sie wegschwimmen; und wenn sie näher kommen und gucken wollen, werden wir sie nicht davon abhalten können“, sagt die Biologin mit langen schwarzen Haaren und einem silbernen Walfisch-Anhänger. „Mit dem Abschleppen der ,Costa Concordia‘ bringen wir die Meeressäuger in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.“

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