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Busunglück auf Madeira : Die meisten Opfer buchten bei Frankfurter Unternehmen

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Bei dem Busunglück auf Madeira kamen am Mittwochabend 29 Menschen ums Leben. Bild: AP

51 Feriengäste eines Frankfurter Reiseunternehmens befanden sich in dem auf Madeira verunglückten Busses. Das Unternehmen hat ein Unterstützungsteam auf die Insel geschickt. Überlebende bezeichneten ein Bremsversagen als mögliche Unfallursache.

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          Die meisten Opfer des Busunglücks auf Madeira hatten ihre Reise bei dem hessischen Unternehmen Trendtours Touristik aus Frankfurt am Main gebucht. 51 Feriengäste in dem Bus waren Kunden des Unternehmens, wie der Reiseveranstalter am Donnerstag mitteilte. In einer Stellungnahme kündigte das Unternehmen Unterstützung für die Opfer und ihre Angehörigen an. Zwei weitere Betroffene waren Kunden des Anbieters Schauinsland-Reisen.

          Die Reisegruppe sei mit einem gecharterten Bus auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung in Funchal gewesen, „als der Bus aus noch ungeklärter Ursache von der Straße abkam und eine Böschung hinabstürzte“, erklärte Trendtours. Das Unternehmen habe bereits ein Unterstützungsteam nach Madeira geschickt. Der Reiseveranstalter sei „zutiefst erschüttert“ über den Unfall und spreche allen Opfern und Angehörigen sein Beileid aus. „Wir werden den Betroffenen im Rahmen des uns Möglichen jede Unterstützung in diesen schweren Stunden leisten“, kündigte das Unternehmen an. Trendtours Touristik gehört nach eigenen Angaben zu den führenden deutschen Direktreiseveranstaltern.

          Nach Ansicht eines Versicherungsexperten bringen sich Buspassagiere oft unnötig in Gefahr, indem sie sich nicht anschnallen. „Leider nutzen viel zu wenige Passagiere den Gurt. Der Busfahrer kontrolliert das nicht und kann es während der Fahrt auch gar nicht. Gurte sind aber überlebenswichtig“, sagte der Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, am Donnerstag nach dem schweren Busunglück auf Madeira.

          Medienberichten zufolge soll ein deutsches Paar, das den Unfall überlebte, angegeben haben, angeschnallt gewesen zu sein – während andere Passagiere um sie herumflogen. Ob diese nicht angeschnallt waren, ist jedoch nicht bekannt.

          Der Unfall habe sich „Sekunden“ nach Abfahrt des Busses ereignet, sagte eine Passagierin dem portugiesischen Sender „TVI“. Die Menschen seien „durch die Fenster geflogen“.

          Weitere Überlebende des Busunglücks haben ein Bremsversagen als wahrscheinliche Unfallursache bezeichnet. „Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einigen Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich“, erzählte ein leicht verletzter Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung „Observador“.

          Der Mann hatte sich demzufolge bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte „Observador“ nicht. Die Frau erzählte, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. „Im Flugzeug erklärten sie uns, was zu tun war. Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück“, sagte sie.

          Gurte seien nicht nur bei einem Frontalaufprall überlebenswichtig, sondern gerade auch beim Überschlag, sagte Versicherungsfachmann Brockmann. „Viele schwere Verletzungen kommen daher, dass die Passagiere durch den Innenraum geschleudert werden“, so Brockmann. Wichtig sei auch die Stabilität der Fahrgastzelle, dazu gebe es eine „ganz gute Norm“. Die meisten Busunfälle seien Frontalkollisionen, entweder als Auffahrunfall oder mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Dass sich ein Bus überschlage, wie auf Madeira, mache weniger als zehn Prozent der Unfälle aus.

          Die nordrhein-westfälische Landesregierung vermutet unter den Opfern auch Menschen aus NRW. „Wir müssen davon ausgehen, dass bei diesem schweren Unglück auch Menschen aus Nordrhein-Westfalen zu Schaden gekommen sind“, teilte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag mit.

          „Unser besonderes Mitgefühl gilt all denen, in deren Familien oder Freundeskreis Opfer zu beklagen sind, oder die noch in Sorge um verletzte Angehörige sind. Sie können sicher sein: Unsere Gedanken und Gebete sind in diesen schweren Stunden bei ihnen, die Menschen in Nordrhein-Westfalen stehen an ihrer Seite“, sagte Laschet.

          Bei dem Unfall am Mittwoch waren nach portugiesischen Angaben 29 Menschen getötet und 27 verletzt worden. Die Unfallursache ist noch unklar. Brockmann bezeichnete Reisebusse als „relativ sicher“. Solche verheerenden Unfälle seien „sehr selten“.

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