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Tod im Jade-Schlamm : Das Unglück in Burma wirft ein Licht auf ein blutiges Geschäft

Mühsame Bergung: Die Verschütteten werden in Planen und an Bambusstangen weggetragen. Bild: AP

Nach einem Erdrutsch in einer Jade-Mine in Burma sind 126 Leichen geborgen worden. Der Unglücksort ist eines der wichtigsten Jade-Abbaugebiete. Die Profiteure von dem gefährlichen Geschäft sind das Militär, Drogenkartelle und Rebellenarmeen.

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          Ein starker Monsun, der die Erde durchnässt, prekäre Arbeitsbedingungen und fehlende Sicherheitsvorkehrungen: Das sind die Voraussetzungen, die am Donnerstag zu einem der schwersten Minenunglücke in Burma seit Jahren geführt haben. Die Angaben über die Zahl der Toten war vom Morgen, als eine Schlammlawine einen Abhang hinabgerollt war, über die folgenden Stunden rasant gestiegen. Am Abend teilten die Behörden mit, sie hätten 126 Leichen geborgen. Es wird erwartet, dass weitere Menschen unter der Erde begraben liegen. Aufgrund der starken Regenfälle mussten die Rettungskräfte die Bergungsarbeiten zwischenzeitlich einstellen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Im Internet kursierten Videos, die den Moment des Unglücks zeigen. Darauf war zu sehen, wie sich ein Strom aus Erde von einem Abhang in das mit Wasser gefüllte Tal ergoss und dort Wellen auslöste. Ein 38 Jahre alter Minenarbeiter mit dem Namen Maung Khaing sagte der Agentur Reuters, die Menschen hätten „lauft, lauft“ gerufen. „In einer Minute waren die Menschen unter uns sofort verschwunden. ... Einige Leute steckten im Schlamm und riefen um Hilfe, aber niemand konnte ihnen helfen.“ Fotos von der Unglücksstelle zeigen in Planen eingewickelte Leichen, auf anderen sind Rettungskräfte zu sehen, die eingepackte Körper an Bambusstangen wegtragen.

          Die Mitarbeiterin einer örtlichen Nichtregierungsorganisation bestätigte, dass es sich bei den Toten nicht um reguläre Minenarbeiter handelt, sondern um Menschen, die auf eigene Faust den Abraum der Mine nach Überresten von Jade durchsuchen. Es sind zumeist arme Binnenmigranten aus anderen Gegenden Burmas. Sie sind auf der Jagd nach den Krümeln, die von dem Kuchen abfallen, den sich die großen Minenunternehmen einverleiben. Diese holen das „grüne Gold“ mit Dynamit und riesigen Baggern aus den Hügeln. Das Geröll wird dann mit riesigen Kippladern an Abhängen abgeladen. Immer wieder sterben Menschen, weil sie von herabfallendem Gestein erschlagen oder vom Schlamm erstickt werden. Im November 2015 waren bei einem ähnlichen Unglück mindestens 116 Personen ums Leben gekommen.

          Die Familien der Opfer haben keine Aussicht auf Kompensation. „Ich sehe nicht, wie man diesem Kreislauf entkommen kann“, sagte Than Hlaing, die NGO-Mitarbeiterin. „Die Menschen gehen auf die Abraumhalde, weil sie keine andere Wahl haben.“ Sie wollen der Armut entfliehen, doch viele versinken stattdessen im Elend. Im Umfeld der Minen blüht das illegale Geschäft mit Rauschgift und Prostitution. Unter den Migranten sind Heroinsucht und HIV-Infektionen verbreitet. Die Zivilregierung hat versprochen, die Missstände zu beseitigen. Doch bisher ist nicht viel in dieser Richtung geschehen.

          Der Unglücksort Hpakant im nordburmesischen Bundesstaat Kachin ist eines der wichtigsten Jade-Abbaugebiete. Laut Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Global Witness bringt das Geschäft pro Jahr mehr als 30 Milliarden Dollar ein, fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts Burmas. Die Profiteure sind das Militär und seine „Cronies“, sowie Drogenkartelle und Rebellenarmeen. Im Hintergrund sollen es letztlich aber mächtige chinesische Unternehmen sein, die den Handel kontrollieren. Global Witness bezeichnet das Jade-Geschäft als „größten Raub natürlicher Ressourcen in der modernen Geschichte“. Das Riesengeschäft mit den Bodenschätzen gilt denn auch eher als Hindernis in der Transformation Burmas von der Militärdiktatur zu einem Land mit mehr demokratischer Teilhabe.

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