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Australischer Suchtrupp-Chef : „Die Suche nach MH370 ist wirklich ohne Beispiel“

Straßenkunst im malaysischen Shah Alam Bild: dpa

Das Australische Verkehrssicherheitsbüro ist mit der Suche nach MH370 betraut. Ein Jahr nach dem Unglück spricht Leiter Martin Dolan im Interview über die einzigartige Suche, die fehlenden Wrackteile und die harte Arbeit der Suchtrupps.

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          Herr Dolan, welches sind die größten Herausforderungen bei der Suche nach MH370 in dieser Phase?

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es gibt viele Herausforderungen für alle, die an der Operation beteiligt sind. Aber ich denke am aufreibendsten sind die, vor denen die Besatzungsmannschaften auf den Schiffen stehen. Das Suchgebiet befindet sich in erheblicher Entfernung vom Festland – mindestens sechs Tage Fahrt vom nächsten Hafen. Die Besatzung an Bord arbeitet normalerweise zwölf Stunden am Tag, bis zu 42 Tage am Stück, was natürlich eine sehr lange Zeit auf See ist, weit weg von ihren Familien. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen teilweise sehr schwierig. Das Wetter im südlichen Indischen Ozean kann sehr wechselhaft sein, wir haben viele unterschiedliche Arten von Seegängen erlebt. Sogar während der relativ ruhigen Sommermonate mussten die Sucharbeiten wegen tropischer Zyklone unterbrochen werden.

          Wie schwierig ist diese Suche im Vergleich zu anderen?

          In vielerlei Hinsicht ist die Suche nach MH370 wirklich ohne Beispiel. Es sind schon früher Flugzeuge ins Meer gestürzt, aber in den meisten Fällen wurden sie in der Nähe ihrer letzten bekannten Position gefunden. Nach dem tragischen Absturz des Air-France-Flugzeugs im Atlantik wurden sehr früh Trümmer gefunden, die auf dem Wasser trieben. Es dauerte aber viele, viele Monate, bevor sie den Ort fanden, an dem das Flugzeug lag. Aufgrund der Trümmer wussten sie aber immerhin, dass sie in der richtigen Gegend suchten. Wir sind auf Erkenntnisse angewiesen, die auf Satellitensignalen beruhen. Diese wurden zwar von Spezialisten aus aller Welt erhoben und analysiert, aber wir können nicht vollkommen sicher sein.

          Wie sicher sind Sie, dass Sie überhaupt an der richtigen Stelle suchen?

          Wir sind immer noch zuversichtlich, dass wir in dem richtigen Gebiet suchen. Das derzeitige Prioritäts-Suchgebiet wurde nach vielen Monaten der Arbeit durch das internationale Team in der „Search Strategy Working Group“ (SSWG) identifiziert. Ihre Arbeit wurde von unabhängigen Fachleuten geprüft und die Prüfung verschiedener Annahmen in der Analyse geht auch noch weiter. Die verschiedenen unabhängigen Expertengruppen, die unabhängig von der SSWG die Flugroutenanalyse durchgeführt haben, haben ebenfalls Punkte innerhalb des jetzigen Suchgebiets identifiziert, an denen MH370 im Wasser gelandet sein könnte. Wir haben sehr fähige Leute auf den Schiffen, die extrem hoch entwickelte und effektive Technologie benutzen. Wir sind sicher, dass wir das Flugzeug finden, wenn es sich dort befindet.

          Einige Angehörige bezweifeln, dass das Flugzeug überhaupt in einem Meeresgebiet sein kann, weil noch nicht ein einziges Wrackteil an der Wasseroberfläche oder an der Küste gefunden wurde. Was bedeutet dieses Fehlen der Trümmer? Wir wird die Suche davon beeinflusst?

          Ich verstehe, dass es sie frustriert, dass noch keine Wrackteile gefunden werden konnten. Es ist aber wichtig zu wissen, dass Trümmer auf dem Ozean nicht einfach an einem Ort bleiben. Sie werden vom Wind und von der Strömung bewegt, sie könnten mit Wasser gefüllt und untergegangen sein. Im Fall des Air-France-Unfalls haben sie sehr früh Trümmer gefunden, aber nach zehn Tagen haben sie erst einmal nichts mehr gefunden. Im Fall von MH370 begann die Suche an der Wasseroberfläche entlang des siebten Bogens [Anmerkung der Redaktion: des Anhand der Satellitendaten errechneten möglichen Flugkorridors] erst nach mehr als zehn Tagen. Wenn es treibende Trümmer gegeben hat, können diese bis dahin schon verteilt und versunken sein. Wenn treibende Wrackteile gefunden werden, hilft das bei der Identifizierung des Suchgebiets, aber wir sind nicht darauf angewiesen. Das Wichtigste an einem solchen Fund wäre wohl, dass die Angehörigen ein paar Antworten bekämen.

          Die Prüfung des primären Suchgebiets ist bis zum Mai geplant. Was passiert danach?

          Falls keine Trümmer von Flug MH370 im Suchgebiet gefunden werden, werden die Regierungen Australiens, Malaysias und Chinas weitere Schritte überlegen. In den kommenden Wochen wird es Gespräche von Offiziellen aus den drei Ländern geben.

          Es heißt, dass im Verlauf der Suche einige vom Menschen gemachte Objekte gefunden wurden. Was sind das für Objekte?

          Derzeit sind vier Schiffe mit der Unterwassersuche im südlichen Indischen Ozean beschäftigt. Sie erfassen detaillierte Sonardaten über dem Meeresboden. Zwar hat die Suche verschiedene Objekte identifiziert, die vom Menschen gemacht wurden. Die Analyse weist aber darauf hin, dass diese keine Ähnlichkeit mit dem Trümmerfeld eines Flugzeugs haben. Ein paar einzelne Objekte haben die Ausmaße von Schiffscontainern.

          Flug MH370 : Angehörige können sich nicht abfinden

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