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Malaysia-Airlines-Flug : Wie kann ein Flugzeug einfach verschwinden?

  • -Aktualisiert am

Wie kann ein Flugzeug einfach verschwinden? Die malaysische Luftwaffe sucht weiter nach Flug MH370. Bild: AFP

Die verschollene Maschine der Malaysia Airlines stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Viele Menschen fragen sich, wie ein Flugzeug einfach verschwinden kann. Aber welche Daten sendet ein modernes Verkehrsflugzeug überhaupt, und wer kann sie empfangen?

          3 Min.

          Moderne Verkehrsflugzeuge wie die verschollene Boeing 777 der Malaysia Airlines sind mit hoch spezialisierter Technik ausgestattet (Transponder, ACARS, Signalfeuer, GPS und Computer-Systeme), was das Verschwinden noch mysteriöser macht. Wichtige Fragen zum besseren Verständnis des Sachverhalts:

          Welche Daten sendet ein Flugzeug? Können die Systeme ausgeschaltet werden?

          1. Der Transponder

          Der Transponder ist ein Funksender im Cockpit, der über ein Bodenradar mit der Flugsicherung kommuniziert. Empfängt der Transponder ein Radarsignal, sendet er Daten zurück, die unter anderem die Kennung des Flugzeugs, seine Geschwindigkeit, Flughöhe und Position enthalten. Der Transponder wurde bei Flug MH370 offenbar gezielt ausgeschaltet. Das geht leicht über einen Knopf im Cockpit. Obwohl Transponder sehr zuverlässig sind, funktionieren sie manchmal nicht richtig, daher gibt es einen zweiten Transponder an Bord, der allerdings erst aktiviert werden muss. Sind beide Transponder deaktiviert, verschwindet die Kennung der Maschine vom Radar der Flugsicherung.

          2. Das Aircraft Communications Addressing and Reporting System (ACARS)

          Das ACARS sendet über drei Frequenzbereiche Informationen zum Boden: über Ultrakurzwellen, Höchstfrequenzwellen und Satellitenkommunikation (SATCOM). Das System sendet normalerweise Routine-Informationen zur Fluggesellschaft, beispielsweise wann die Maschine gestartet oder gelandet ist, die Außentemperatur, den Zustand des Motors, wie viel Kerosin noch im Tank ist oder ob es ungewöhnliche Wettererscheinungen gegeben hat. Alle Maschinen von Malaysia Airlines haben ein ACARS an Bord, sagte die Fluggesellschaft.

          Ohne umfassende Kenntnisse lässt sich das ACARS nicht ausschalten. Selbst erfahrene Piloten müssten sich durch viele Checklisten arbeiten, um das ACARS vorsätzlich zu deaktivieren. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob die Deaktivierung des ACARS in der Maschine vollständig möglich gewesen ist.

          Das ACARS der verschwundenen Maschine sendete sogenannte Pings fünf bis sieben Stunden, nachdem der Transponder zuletzt einen Code sendete. Die Pings enthielten keine Informationen – außer, dass das Flugzeug offenbar zumindest genug Energie besaß, um das ACARS am Leben zu halten. Satelliten erkundigen sich regelmäßig über Signale nach dem Flugzeug. Das Flugzeug meldet dann, dass es noch da ist. Warum keine weiteren Informationen gemeldet wurden, ist unklar. Eine Theorie ist, dass Malaysia Airlines den Satellitenbetreibern keine Gebühr entrichtet hatte, sodass keine weiteren Informationen auf die Anfrage des Satelliten übermittelt werden konnten. Diese Pings zusammen mit dem letzten bekannten Kurswechsel führen zur Theorie, dass das Flugzeug mehrere Stunden in Richtung des indischen Ozeans geflogen ist. Fliegt ein Flugzeug nicht über Land, sondern über einen Ozean, kann es nicht mittels UKW oder Höchstfrequenzwellen kommunizieren, sondern nur über SATCOM.

          Welche Rolle spielt der Flugschreiber?

          An Bord jedes Verkehrsflugzeugs befindet sich der Flugschreiber, die sogenannte Blackbox. Sie besteht aus einem Flugdatenschreiber und einem Stimmenrecorder.

          • Der Flugdatenschreiber speichert während des gesamten Flugs mehrere Hundert Parameter. Darunter die Flughöhe, die Geschwindigkeit, den Kurs und den Neigungswinkel der Maschine.
          • Auf dem Stimmenrecorder (CVR) sind stets die jeweils letzten 30 Gesprächsminuten aus dem Cockpit aufgezeichnet. Die Aufzeichnung beginnt noch vor der ersten Bewegung bis zum Zeitpunkt, an dem die Piloten das Flugzeug verlassen.

          Die Daten, die in einer Blackbox gespeichert werden, werden nicht nach außen gesandt. Kommt es allerdings zu einem Aufprall auf Wasser, schaltet sich ein Signalfeuer ein, das ein Schallsignal aussendet. Die Batterie hierfür hält 30 Tage. Das Signalfeuer hat unter Wasser eine maximale Reichweite von zwei bis drei Kilometern. In den durchsuchten Regionen hat das Wasser eine durchschnittliche Tiefe von etwa 3900 Metern.

          Ein Notsender, der sogenannte Emergency Locator Transmitter (ELT), aktiviert sich nach einem Unglück. Die Lebensdauer der Batterie beschränkt sich allerdings auf 24 Stunden, und ein ELT funktioniert nur über Wasser.

          Kann jemand in die Systeme eines Flugzeugs eindringen und es fernsteuern?

          Über diese Fragen scheiden sich die Geister. Einige Luftfahrtexperten halten das für möglich, andere verweisen auf die autarken Systeme des Flugzeugs, die eine Steuerung vom Boden aus unmöglich machten.

          Ist es möglich, dass eine Boeing 777 irgendwo landet, ohne dass jemand Kenntnis davon nimmt?

          Es ist möglich, dass jemand das Flugzeug in einer abgelegenen Region auf einem Rollfeld gelandet hat. Theoretisch. Praktisch braucht eine 777 mindestens anderthalb Kilometer, um zum Stillstand zu kommen. Und es ist unwahrscheinlich, dass ein Flugzeug ohne auch nur eine Spur auf Überwachungssystemen zu hinterlassen, irgendwo landet.

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