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Magnetbahn-Katastrophe : Ermittler: Fahrdienstleiter sind schuld am Transrapid-Unglück

  • Aktualisiert am

Zerstörter Transrapid: Werkstattwagen schlicht vergessen Bild: dpa

„Es ist vergessen worden, das Sonderfahrzeug von der Strecke wegzurangieren.“ In diesen wenig spektakulären Worten aus der Leitstelle steckt die Ursache für das Transrapid-Unglück. Zwei Fahrdienstleiter gelten nun offiziell als Beschuldigte.

          Zwölf Tage nach dem Transrapid-Unglück im Emsland mit 23 Toten haben die Ermittler die beiden zuständigen Fahrdienstleiter für den Unfall verantwortlich gemacht. Die Männer seien Beschuldigte in einem Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung, sagte Alexander Retemeyer von der Osnabrücker Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Ursache des Unfalls ist den bisherigen Ermittlungen zufolge menschliches Versagen. Hinweise auf technisches Versagen seien nicht erkennbar.

          Zu dieser Erkenntnis kamen die Ermittler nach Auswertung des Funkverkehrs zwischen Leitstand, Transrapid und dem Werkstattwagen, mit dem der Zug zusammenstieß. Vom Leitstand sei dem Transrapid eine Fahrtfreigabe erteilt worden, obwohl sich noch der Werkstattwagen auf der Strecke befand, sagte Retemeyer. Warum dieser Wagen vergessen wurde, habe man noch nicht feststellen können. Die beiden Männer hätten noch nicht vernommen werden können, weil sie nach wie vor unter Schock stünden. Unklar sei auch noch der jeweilige Anteil an dem Unglück.

          Wer stellte die entscheidende Frage?

          Aus den rund 20 Stunden Funkaufzeichnungen gehe hervor, daß der Werkstattwagen zur späteren Unfallstelle auf der Trasse fuhr und dort auf weitere Anweisungen wartete. Seine Position sei von der Leitstelle etwa 20 bis 25 Minuten vor dem Unfall an den Transrapid durchgegeben wurde, hieß es. Nun sei der Transrapid auf das Gleis rangiert worden. Dann sei die Fahrtfreigabe zu hören.

          Nach dem Zusammenstoß höre man die Frage: „Was ist passiert?“ Diese Frage habe man noch nicht einer Person zuordnen können. Aus dem Leitstand komme die Antwort: „Es ist vergessen worden, das Sonderfahrzeug von der Strecke wegzurangieren.“

          Toter Zugführer wäre ebenfalls Beschuldigter

          Auch der Zugführer im vorderen Fahrstand des Transrapid würde zu den Beschuldigten zählen, wenn er nicht bei dem Unglück gestorben wäre, sagte Retemeyer. Es sei inzwischen klar, daß er sich im vorderen Fahrstand befunden habe. Der Mann galt als sehr gewissenhaft und erfahren und habe das Personal des Transrapid in Schanghai angelernt. Warum er den Zug trotz des Hindernisses vor sich in Bewegung gesetzt habe, sei ungewiß. Laut einem Wettergutachten sei die Sicht bestens gewesen. Relativiert habe sich inzwischen die Aussage, der Zuführer habe noch einen Nothalteknopf gedrückt. Der Notstopp hätte auch erst nach dem Aufprall technisch ausgelöst worden sein können.

          Der Transrapid war am 22. September in einen Werkstattwagen auf der Trasse gerast. Bei dem Unglück wurden 23 Menschen getötet und zehn verletzt. Neun davon konnten laut Angaben inzwischen das Krankenhaus verlassen. Hinweise auf eine Mitschuld der Betreibergesellschaft an dem Unglück hätten sich bislang nicht ergeben, sagte Retemeyer.

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