https://www.faz.net/-gum-9z2vj

21 Tote und 650 Verletzte : Gericht stellt Prozess um Unglück bei Love Parade ein

  • -Aktualisiert am

Holzkreuze mit den Namen der Opfer stehen an der Gedenkstelle für die Opfer der Love Parade 2010. Bild: dpa

Der Prozess um das Unglück bei der Love Parade ist eingestellt worden, dort waren vor zehn Jahren 21 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Nebenkläger hatten sich zuvor vehement gegen die Einstellung des Verfahrens ausgesprochen.

          1 Min.

          Das Landgericht Duisburg hat am Montag den Prozess um das Unglück bei der Love Parade 2010 mit 21 Toten eingestellt. Das Verfahren ging damit nach knapp zweieinhalb Jahren am 184. Verhandlungstag ohne ein Urteil zu Ende.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bei der Love Parade auf dem ehemaligen Duisburger Güterbahnhof waren am 24. Juli 2010 im Gedränge auf dem Zu- und Abgang zum Festgelände 21 Personen getötet und mehr als 650 verletzt worden. Der Prozess hatte nach langwierigen Ermittlungen und diversen verfahrenstechnischen Plänkeleien zwischen Anklage und Gericht schließlich im Dezember 2017 gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des privaten Veranstalters Lopavent begonnen. Anfang 2019 war der Prozess gegen sieben der Angeklagten bereits ohne Auflage eingestellt worden. Gleichwohl ging die Hauptverhandlung zunächst weiter, da drei Angeklagte eine Einstellung nicht nur deshalb ablehnten, weil sie eine Geldauflage hätten zahlen müssen, sondern auch, weil sie darauf gesetzt hatten, vom Gericht freigesprochen zu werden.

          Die Kammer hatte Anfang April 2020 die Einstellung des Verfahrens auch für die drei verbliebenen Angeklagten vorgeschlagen. Sie hatte diesen Vorstoß unter anderem mit zu erwartenden Corona-Einschränkungen und der drohenden absoluten Verjährung Ende Juli begründet.

          Die Staatsanwaltschaft und die verbliebenen drei Angeklagten hatten dem Vorschlag zugestimmt. Mehrere der 42 Nebenkläger hatten sich vehement dagegen ausgesprochen. Ihre Zustimmung war für die Einstellung rechtlich nicht erforderlich. Der Einstellungsbeschluss ist unanfechtbar.

          Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung wäre ohnehin Ende Juli verjährt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein hatte schon bei der Verfahrenseinstellung gegen sieben Angeklagte Anfang 2019 den Vorwurf zurückgewiesen, das Gericht sehe keine Schuldigen. Ganz im Gegenteil trügen sehr viele Leute Schuld an der Love-Parade-Katastrophe. Seine Kammer werde ihrer Aufklärungspflicht weiter nachkommen, versprach der Richter damals. Egal, wie das Verfahren 2020 ende, ob doch noch durch ein Urteil oder durch Einstellung wegen Verjährung, die Kammer werde auf jeden Fall „eine ausführliche Darstellung“ der Causa vorlegen, versprach Richter Plein damals. Am Montagmorgen begann Plein anhand diverser Schaubilder mit der Darlegung dieser Darstellung.

          Topmeldungen

          Nach Tod von George Floyd : Die Wut wächst

          Tausende Menschen sind in London, Berlin und Kopenhagen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd auf die Straße gegangen. In Amerika eskaliert die Lage weiter. Donald Trump macht die Antifa verantwortlich – und will sie als Terrororganisation einstufen lassen.

          Öffnung der Gastronomie : Als das Krisengefühl verschwand

          Früher galten die Deutschen als Stubenhocker. Doch in der Krise zeigt sich, was sonst nicht ins Bewusstsein dringt: Die Gastronomie ist systemrelevant. Seit wann ist das eigentlich so? Über die erstaunliche Bedeutung einer Leitbranche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.