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Überlebende der Loveparade : „Ich spüre noch die Füße auf dem Rücken“

Bild: FAZ.NET / EPA

Rosalinda Barbasola war mit ihrer Schwester auf der Loveparade und brach im Gedränge zusammen. Nur durch eine Reanimation überlebte sie die Katastrophe. Bis heute leidet sie unter den Folgen. Ein Gespräch über das Leben mit dem Trauma.

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          Vor zehn Jahren kamen bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen ums Leben. Vor dem Zu- und Abgang des Geländes am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof drängten sich in einem Tunnel tausende Technofans. Mehr als 650 Besucher wurden verletzt, viele haben noch heute mit den Erinnerungen an den 24. Juli 2010 zu kämpfen.

          Kathrin Jakob
          Videoredakteurin bei FAZ.NET.
          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.
          Daniel Blum
          Videoredakteur bei FAZ.NET.

          Die Verantwortung wollte weder der Veranstalter Lopavent noch die Stadt noch das für die Einsatzkräfte zuständige Innenministerium übernehmen. Im Mai 2020 ging das Gerichtsverfahren ohne ein Urteil zu Ende. Nach langwierigen Ermittlungen hatten sich seit Dezember 2017 Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters vor Gericht verantworten müssen. Viele der 42 noch von den Ereignissen traumatisierten Nebenkläger blieben, über den juristischen Abschluss des Unglücks entsetzt, auf ihren Gerichtskosten sitzen.

          Eine von ihnen ist Rosalinda Barbasola aus Duisburg. Sie kam mit ihrer Schwester auf die Loveparade und wurde, als sie im Gedränge auf der Rampe zusammenbrach, schwer verletzt. Nur durch eine Reanimation überlebte sie die Katastrophe. Im Video der F.A.Z.-INTERVIEWSERIE zum Gedenken an das Unglück spricht Barbasola über ihre Erinnerung an den 24. Juli 2010. Noch heute gebe es Momente, die sie in die Menschenmenge auf dem Gelände zurückbefördern. An der Treppe neben ihr starb ein Mädchen. Die Erinnerung an sie lässt sie nicht los. „Ich habe sehr lange gebraucht, wieder im Hier und Jetzt zu sein“, sagt Barbasola.

          Als Nebenklägerin musste sie das Erlebte im Gerichtssaal rekapitulieren. Mit 12.000 Euro Schulden ging sie aus dem Prozess – und bereut heute, überhaupt geklagt zu haben. Ihre Familie und andere Betroffene geben ihr Kraft. Seit vier Jahren arbeitet sie als Pflegerin im Krankenhaus. „Ich möchte da weitermachen, wo ich aufgehört habe“, sagt Barbasola. „Das ist es wert.“

          Teil 1: Sehen Sie hier das Gespräch mit Duisburgs früherem Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

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