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Libanon : Mehr als 70 Tote und 3000 Verletzte bei Explosion in Beirut

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„Ich war in der Küche und kochte, als ich plötzlich ins Wohnzimmer geworfen wurde“, sagte eine Frau namens Aida. Auch ihre beiden Kinder seien verletzt worden. Ein älterer blutüberströmter Mann saß weinend vor einem Krankenhaus und wartete auf Behandlung. Ein neun Jahre alter Junge sagte, die Erschütterung habe sich angefühlt, als sei er gegen die Tür geworfen und auf den Kopf geschlagen worden.

Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. An diesem Freitag will das UN-Libanon-Sondertribunal in Den Haag sein Urteil gegen vier Angeklagte in dem Fall von 2005 verkünden. Viele im Libanon machen die Führung des Nachbarlandes Syrien für den Anschlag auf Hariri verantwortlich. Er hatte vor seinem Tod den Abzug der damals im Libanon stationierten syrischen Truppen verlangt.

Der Regierungspalast, die finnische Botschaft und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri wurden ebenfalls beschädigt. Am Suk Beirut, eine moderne Einkaufsgegend im Zentrum, zerbarsten Fensterscheiben vieler Geschäfte. Ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (Unifil) wurde ebenfalls beschädigt. Es seien mehrere Blauhelm-Marinesoldaten verletzt worden, einige von ihnen schwer, teilte die Mission mit. „Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Menschen im Libanon“, sagte ein UN-Sprecher in New York.

Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. Präsident Michel Aoun berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein. Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

Regierungen anderer Länder zeigten sich betroffen und stellten rasche Unterstützung in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich „erschüttert“, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer die Kanzlerin bei Twitter zitierte. „Wir werden dem Libanon unsere Unterstützung anbieten.“ Deutschland stehe dem Libanon in der „schweren Stunde zur Seite“, twitterte Außenminister Heiko Maas. Auch die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Frankreich – frühere Mandatsmacht des Libanon – stellten Unterstützung in Aussicht.

Trump spricht von Bombe

Selbst Israel, das mit dem benachbarten Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, bot über ausländische Kanäle „medizinische humanitäre Hilfe“ an. Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. Spekulationen, dass Israel hinter der Explosion stecken könnte, räumte Außenminister Gabi Aschkenasi aus.

UN-Generalsekretär António Guterres hat mit Bestürzung auf die Explosion reagiert. „Der Generalsekretär drückt den Familien der Opfer sein tiefstes Beileid aus, genauso wie dem Volk und der Regierung“, erklärte ein Sprecher in New York. Guterres wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung, darunter seien auch einige Mitarbeiter der UN, die in dem Land arbeiten.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat im Zusammenhang mit der schweren Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut von einem Bombenangriff gesprochen. Seine Generäle würden aufgrund der Art der Detonation nicht von einem Unfall ausgehen. „Sie denken es sieht wie ein Angriff aus. Als sei es eine Art Bombe“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

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