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Lawinenunglück in Italien : „Tonnen von Schnee und Trümmern überall“

  • -Aktualisiert am

Eine Rettungskraft steht am Donnerstag auf Skiern vor dem eingestürzten Hotel. Bild: Reuters

Rund 30 Menschen hielten sich in dem von einer Lawine verschütteten Hotel auf. Drei wurden bisher tot geborgen. Die Rettungskräfte kämpfen mit den Schneemassen.

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          Unermüdlich arbeiteten sich die Sicherheitskräfte durch den Schnee und das Geröll des verschütteten Hotels Rigopiano am Abhang des 2900 Meter hohen Gran Sasso in den Abruzzen. Bis zum Donnerstagnachmittag wurden drei Opfer des jüngsten Lawinenunglücks in Italien geborgen. Aber beim Personal der Vier-Sterne-Herberge hieß es, wohl 30 Personen hätten sich in dem vierstöckigen Gebäude aufgehalten, als die Lawine aus Schnee, Baumstämmen und Geröll das Hotel in Trümmer riss. Das war am späten Mittwochnachmittag gewesen.

          Nur Stunden zuvor hatten vier Erdstöße in der Stärke von 5,3 bis 5,7 die Region in den Abruzzen erschüttert, in der seit dem schweren Beben Ende August, bei dem in Amatrice fast 300 Menschen ums Leben kamen, gut 4500 Erschütterungen gemessen worden waren. Bis Mittwochabend hieß es noch, durch die jüngsten Beben sei niemand gestorben.

          Dann aber wurde am späteren Abend deutlich, dass im Krisengebiet der Regionen Umbrien, Marken und Abruzzen mehr als 130.000 Haushalte von der Außenwelt abgeschnitten sind. Womöglich sind Menschen mithin noch verschüttet – niemand wusste das zunächst genau. Allemal müssen viele tausend Menschen noch an diesem Freitag ohne Strom und Gas auskommen. Auch per Mobiltelefon sind manche Orte nicht erreichbar gewesen.

          „Hilfe, Hilfe, wir erfrieren hier“

          Das traf auch für das in einem Wäldchen versteckte Hotel Rigopiano zu, das dem Vernehmen nach erst vor wenigen Jahren gegen Erdbeben gesichert und renoviert worden war. Auf seiner Internetseite weist der Ferienhof darauf hin, im Winter könne man ihn bisweilen nur mit Schneeketten erreichen. Nach den Beben hatten dort die meisten Gäste ihre Rechnungen bezahlt und wollten aus Furcht vor weiteren Erderschütterungen das Hotel verlassen.

          Doch weil es gerade stark schneite, verzögerte sich die Abreise, berichtet einer der Überlebenden, ein Gast und Feuerwehrmann, der gerade auf dem Weg zum Auto auf dem Parkplatz war, als die zerstörerische Lawine das Hotel hinter ihm zum Einsturz brachte. Später hieß es, das sei um 17.30 Uhr gewesen. Der Gast Giampiero Parate habe sich freikämpfen können, in den Wagen gerettet und einen Feuerwehrkollegen um Hilfe gerufen. Wenig später drangen auch Twitter-Nachrichten nach außen: „Hilfe, Hilfe, wir erfrieren hier“, „Wir rufen, aber niemand antwortet“. Erst um 20.30 Uhr sei ein erster Hilfstrupp ausgerückt.

          Eine Rettungsmann am Hotel: Die Schneemassen seien „ungeheuer“, sagen die Bergungskräfte.

          Mittlerweile war aber so viel Schnee gefallen, dass die Straße zum Hotel nicht mehr passierbar war. So bahnten sich die Hilfskräfte auf Ski neun Kilometer lang einen Weg durch den Schnee, bis sie am frühen Morgen gegen vier Uhr, bei Dunkelheit, die verschüttete Hotelruine erreichten. Man habe ein „tragisches Gemisch aus Erdbeben und Lawine“ vorgefunden. Die Schneemassen seien „ungeheuer“, sagen die Bergungskräfte. Es gebe „Tonnen von Schnee, Stämmen und Trümmer überall“.

          Straße bis zum Hotel noch immer nicht passierbar

          Ihre Videofilme zeigen die Sicherheitskräfte im Schneetreiben und geben erste Bilder aus dem Hotel wider. Dort drücken sich Wandstücke, Holzverkleidungen und Geröll von einem höheren Geschoss hinunter ins Hallenschwimmbad. Aus der Perspektive eines Hubschraubers ist dort, wo gerade noch ein vierstöckiges Gebäude mit Schwimmbad und Tennisplatz stand, nur ein von stakenden Holzstämmen unterbrochener Schneeberg zu erkennen. Bis zum Donnerstagnachmittag war die Straße bis zum Hotel noch immer nicht passierbar. Allein schwere Kettenfahrzeuge hielten die Verbindung mit dem nächsten Ort Penne und seiner Rot-Kreuz-Station aufrecht.

          Der Augenzeuge hat das Lawinenunglück überlebt; aber noch am Donnerstagnachmittag wurde in den Trümmern nach seiner Frau und seinen beiden Kindern gesucht. Mittlerweile werden im Fernsehen zwei vermisste Familien genannt. Aber in dem Hotel konnten die Sicherheitskräfte bis zum späten Nachmittag trotz ihrer Spezialhunde, Sonden und Geophone keine weiteren Opfer finden.

          Auch andere Gebäude als das Hotel wurden durch Erdbeben und Schneemassen schwer beschädigt: eine Aufnahme von Amatrice am Donnerstag

          Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni rief zur Solidarität mit den Opfern der Katastrophe auf. „Diese Erdbeben und nie gesehenen Schneefälle bilden eine beispiellose Zange, die zusammen zu einem noch größeren Unglück geführt haben“, sagte der Regierungschef im Krisengebiet von Rieti.

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