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Lawinenunglück am Mount Everest : Suche nach Vermissten eingestellt

  • -Aktualisiert am

Ein Bergsteiger hielt am Freitag die Lawine im Bild fest, die am höchsten Berg der Welt niederging Bild: AFP

Nach dem bislang schwersten Lawinenunglück in der Geschichte des Alpinismus haben die Suchmannschaften aufgegeben. Das Unglück am Mount Everest zeigt, wie gefährlich die Arbeit der Sherpas ist.

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          Zwei Tage nach dem schweren  Lawinenunglück am Mount Everest ist die Suche nach drei vermissten  Bergführern endgültig eingestellt worden. Ihre Leichen könnten im  Schnee kaum noch gefunden werden, teilte das Tourismusministerium  in Kathmandu am Sonntag mit. „Wir haben entschieden, die Suche nach den Vermissten  einzustellen“, sagte der Ministeriumsvertreter Dipendra Paudel. Die  Leichen seien bisher nicht lokalisiert worden und es sei  „schwierig“, sie im Schnee noch zu finden. Die Rettungskräfte  hatten schon seit Samstag keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu  finden. Außerdem machte ihnen zuletzt schlechtes Wetter zu schaffen.

          Die Einheimischen waren am Freitag beim Aufstieg zum Lager 1 von einer Eislawine verschüttet worden. So genannte Seracs, Türme aus Gletschereis, waren an der Westschulter des Mount Everest zusammengebrochen und in die Tiefe gestürzt. Nach den umgehend eingeleiteten Rettungsmaßnahmen konnten noch am Freitag zehn Sherpas und zwei Nepali anderer ethnischer Gruppen und am Samstag ein weiterer Sherpa tot geborgen werden. Sechs Männer wurden verletzt, vier von ihnen so schwer, dass sie noch am Freitag zur Behandlung nach Kathmandu geflogen wurden. Es ist das bisher größte Unglück am Mount Everest.

          Rückgrat der Everest-Expeditionen

          Sherpas bilden das Rückgrat der Everestexpeditionen. Schon Erstbesteiger Edmund Hillary gelangte 1953 mit Hilfe des Sherpas Tenzing Norgay auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt. Seit der massiven Kommerzialisierung des Everest-Bergsteigens in den 1990er-Jahren haben die Sherpas an Bedeutung gewonnen. Sie bereiten nicht nur die Route vor und machen sie so auch für die oft bergsteigerisch unerfahrenen Everest-Aspiranten begehbar. Sherpas bringen auch Zelte, Schlafsäcke und Sauerstoffflaschen in die Hochlager, schmelzen Wasser und kochen für die zahlenden Bergsteiger.

          Ein Rettungsteam am Freitag bei der Bergung eines verletzten Bergsteigers
          Ein Rettungsteam am Freitag bei der Bergung eines verletzten Bergsteigers : Bild: dpa

          In Nepal, wo das durchschnittliche Jahreseinkommen bei nicht einmal 500 Euro liegt, können Sherpas pro Saison bis zu 4000 Euro verdienen. Angesichts der horrenden Summen, die Bergsteiger aus der ganzen Welt aber bezahlen, um einmal auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt stehen zu können – manche Veranstalter verlangen dafür bis zu 70.000 Euro –, ist das Einkommen der Sherpas aber kaum mehr als ein Taschengeld.

          Jedes Jahr sterben Einheimische

          Die Arbeit der Sherpas ist mit erheblichen Risiken behaftet. Jedes Jahr sterben Einheimische dabei oder verletzen sich schwer. Anfang April war einer der so genannten Icefall-Doctors – Spezialisten, die den Weg durch den Khumbu-Eisbruch präparieren – in eine Spalte gestürzt und hatte sich ein Bein gebrochen. Ein anderer Sherpa war an einem Höhenlungenödem gestorben. Bei den so genannten Climbing-Sherpas, die Ausländer auf ihrem Weg bis hinauf zum Gipfel begleiten, machen sich erste Nachwuchsprobleme bemerkbar. Schon heute arbeiten deshalb neben den Sherpas, dem Volksstamm, der in der Everest-Region beheimatet ist, immer mehr Nepali anderer ethnischer Gruppen am höchsten Berg der Welt.

          In Nepals Hauptstadt Kathmandu drehen Angehörige Gebetsmühlen in einem Tempel, um den Toten und Verletzten des Lawinenunglücks zu gedenken
          In Nepals Hauptstadt Kathmandu drehen Angehörige Gebetsmühlen in einem Tempel, um den Toten und Verletzten des Lawinenunglücks zu gedenken : Bild: AFP

          Schon werden erste Stimmen laut, die nepalesische Regierung müsse sich bei Katastrophen wie dem Unglück vom Freitag mehr für die Nepali einsetzen, die am Mount Everest arbeiten. Immerhin würde allein in dieser Saison die Everest-Lizenz für die 31 Expeditionen, die derzeit im Basislager auf ihre Gipfel-Chance warten, mehr als 2 Millionen Euro in die Staatskasse spülen, erklärte Minmga Sherpa, der erste Nepali, dem die Besteigung der 14 Achttausender gelungen ist.

          334 Bergsteiger warten im Basislager

          Das Lawinenunglück von Freitag macht aber nicht nur die Risiken deutlich, denen die Einheimischen bei der Vorbereitung der Aufstiegsroute ausgesetzt sind. Weil ein Unglück wie dieses nicht vorhergesehen werden kann, ist jede Everest-Besteigung mit nicht abschätzbaren Gefahren verbunden. Bisher hat aber noch keiner der 334 Bergsteiger, die derzeit im Basislager auf der Südseite des Everest warten, um den höchsten Berg der Welt besteigen, den Nachhauseweg angetreten.

          Im Andenken an die bei dem Lawinenunglück getöteten Nepali werden, abgesehen von der Rettungsmannschaft, die 334 Bergsteiger und rund 500 Nepali, die sich derzeit im Basislager aufhalten, dort bleiben. Die Lawine hat auch Leitern und Fixseile mitgerissen, die den Durchstieg durch den Khumbu-Eisbruch erleichtern. Die Vorbereitung der Route, die vom Basislager bis hinauf zum Gipfel fast durchgehend mit einem Fixseil versichert wird, wurde damit um mindestens eine Woche verzögert.

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