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Motiv für Anschlag in Kyoto : Mutmaßlicher Täter fühlte sich durch Produktionsfirma betrogen

  • Aktualisiert am

Erschreckende Bilder aus Kyoto: Ein Animationsstudio steht in Flammen. Bild: dpa

Im japanischen Kyoto zündet ein Mann ein Animationsstudio an und tötet 33 Menschen. Medienberichten zufolge wirft der mutaßliche Täter dem Studio vor, es habe seine Idee für ein Werk gestohlen.

          33 Menschen sind im japanischen Kyoto nach einer Brandstiftung in einem Zeichentrickfilmstudio in dem brennenden Gebäude ums Leben gekommen. Der mutmaßliche Brandstifter hat sich Medienberichten zufolge durch die Produktionsfirma betrogen gefühlt. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf Ermittlungskreise berichtete, sagte der Festgenommene der Polizei, das Studio habe seine Idee für ein Werk gestohlen.

           Der Täter hatte nach Augenzeugenberichten am Vortag wahrscheinlich Benzin in dem Gebäude verschüttet und gerufen: „Ihr sollt sterben.“ Dann entzündete er die Flüssigkeit. Mehr als 40 Personen, so hieß es zunächst, wurden verletzt. In dem Gebäude sollen sich mehr als 70 Menschen aufgehalten haben. Noch am Abend stieg die Zahl der Todesopfer weiter.

          Der mutmaßliche Täter, ein 41 Jahre alter Mann, soll das Verbrechen gestanden habe. Er wurde mit Brandverletzungen in ein Krankenhaus gebracht und war vorerst nicht vernehmungsfähig. Über die Motive der Tat herrschte am Donnerstag Unklarheit. Am Tatort fand die Polizei auch mehrere Messer. Der Präsident des Zeichentrickfilmstudios, Hideaki Hatta, berichtete, dass das Unternehmen in der vergangenen Zeit Briefe bekommen habe, in denen den Beschäftigten der Tod angedroht wurde. Das Unternehmen hatte sich darüber mit einem Rechtsanwalt beraten. Dem Täter droht die Todesstrafe. Ein Mann, der 2008 in Osaka durch Brandstiftung 16 Personen getötet hatte, sitzt in der Todeszelle.

          Videoaufnahmen des brennenden Gebäudes zeigten helle Flammen, die aus den Fenstern schlugen. Die gelbe Fassade war an vielen Stellen rußgeschwärzt. Auf dem Flachdach schirmten Feuerwehrmänner und Polizei den Eingang ins Treppenhaus mit blauen Planen vor Fernsehkameras in Hubschraubern ab. Manche der Mitarbeiter des Studios hatten offenbar vergeblich versucht, sich vor dem Feuer noch auf das Dach zu retten.

          Erschütterung in den sozialen Netzwerken

          Die Tat erregte in Japan großes Aufsehen. Nicht nur, weil Gewaltverbrechen dort recht selten sind, sondern auch, weil das Zeichentrickfilmstudio Kyoto Animation bei Manga-Fans bekannt und beliebt ist. Das Studio, das 1981 in Kyoto abseits vom Manga-Zentrum Tokio gegründet wurde, zeichnet für eine Reihe von gerade bei Jüngeren populären Zeichentrickserien und -filmen verantwortlich. Dazu zählen die Serien „K-on“ und „Die Melancholie von Haruhi Suzumiya“ über das tägliche Leben von Schülerinnen. Fans zeigten sich in den sozialen Netzwerken erschüttert. Ministerpräsident Shinzo Abe schrieb auf Twitter, er bete für die Seelen der Opfer.

          Japan gehört mit einer im internationalen Vergleich niedrigen Kriminalitätsrate zu den sichersten Ländern der Welt. Beim bislang größten Amoklauf hatte vor drei Jahren ein junger Mann in einem Behindertenheim in der Nähe von Tokio in einer Nacht 19 wehrlose Personen erstochen.

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