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Krisenkompetenz : Bund will Ländern das Hochwasser abgraben

  • Aktualisiert am

Alle Jahre wieder: ein „Jahrhunderthochwasser” Bild: dpa

Angesichts der wachsenden Gefahr von Überflutungen will der Bund ein einheitliches Wasserrecht und eine Bundeskompetenz für den Gewässerschutz durchsetzen. Dies könnte zu Konflikten mit den Ländern führen.

          Nach dem Hochwasser am Rhein sorgen jetzt starke Regenfälle an der Nordseeküste in Ostholstein für Land unter. Vor allem die Ostseeinsel Fehmarn hatte nach Polizeiangaben am Samstag mit den Wassermassen zu kämpfen. Innerhalb von 24 Stunden fielen dort nach Angaben der Meteomedia-Unwetterzentrale 175 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Hilfskräfte mussten Verstärkung von der Hamburger Feuerwehr anfordern.

          Heftige Niederschläge wurden auch aus der Lübecker und der Neustädter Bucht gemeldet. Straßen waren überflutet. Nach Angaben der Polizei in Eutin kam die Feuerwehr mit dem Abpumpen kaum nach. „Die Feuerwehr ist völlig überlastet“, sagte ein Sprecher. Allein bis 3.00 Uhr morgens wurden mehr als 500 Einsätze verzeichnet. Besonders schlimm war die Lage auf Fehmarn: Der Ferienort Staberdorf im Südosten der Insel war nach Angaben des Polizeisprecher komplett überflutet. „Selbst am höchsten Punkt des Ortes steht das Wasser einen Meter hoch“, sagte er. Straßen mussten gesperrt werden. Auch in anderen Orten stehen mehrere Campingplätze unter Wasser. Urlauber mussten ihre Zelte und Wohnwagen verlassen.

          Keine akute Gefahr am Rhein

          Am südlichen Oberrhein hingegen wurden nach Angaben des Hochwassermeldedienstes in Mainz fallende Pegel registriert. Ab Mannheim flussabwärts stiegen die Pegel zwar weiter an, allerdings seien keine kritischen Werte mehr zu erwarten. Der Scheitelpunkt der Flutwelle hatte am Mittag Speyer erreicht, mit einem Pegel von rund 7,86 Metern. Für die Schifffahrt blieb der Rhein zwischen Iffezheim und Mannheim vorerst gesperrt. Die Sperrung sollte aber voraussichtlich bis Montag schrittweise aufgehoben werden.

          Hochwasser-Duathlon

          Weiter rheinabwärts sind den Angaben nach indes auch mit Fortschreiten der Flutwelle keine Behinderungen mehr zu erwarten. Der Wasserstand bei Mainz und bei Koblenz werde vermutlich noch die jeweilige Meldehöhe von 5,50 Metern beziehungsweise 5 Metern erreichen.

          Bund will Zuständigkeit beim Hochwasserschutz

          Am Mittag lag der Wasserstand in Höhe der Kölner Altstadt bei 5,05 Meter mit weiter steigender Tendenz, wie die Hochwasserschutzzentrale mitteilte. Eine Überflutungsgefahr für bewohnte Gebiete bestehe jedoch derzeit nicht. Die Hochwasserwelle vom Oberrhein werde Köln voraussichtlich am Sonntag erreichen, hieß es. Sonntagfrüh werde der Pegel dort bei voraussichtlich 6,10 Meter liegen. Auch am Rhein bei Düsseldorf, Wesel, Rees und Emmerich steigt der Pegel weiter.

          Unterdessen strebt der Bund mehr Zuständigkeiten beim Hochwasserschutz an. Im Rahmen des geplanten Umweltgesetzbuches wolle man ein einheitliches Wasserrecht und eine Bundeskompetenz für den Gewässerschutz durchsetzen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). Er räumte ein, dass dies zu Konflikten mit den Ländern führen könnte. Einige setzten noch zu stark auf traditionellen Hochwasserschutz, obwohl angesichts der wachsenden Gefahr von Überflutungen weitergehende Maßnahmen nötig seien.

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