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Brustkrebs : „Ich will niemanden provozieren“

  • -Aktualisiert am

Ich denke bisher nicht so viel darüber nach, wie es andere wahrnehmen könnten. Ich hoffe einfach nur, dass es positiv aufgenommen wird und Mut macht.

Bild aus „14/09 Tagebuch einer Genesung“.

Auf den Fotos, auf denen Sie sich Ihre Haare ausreißen, oder auf denen Sie Ihren Körper und kahlen Kopf mit Tiermotiven bemalen lassen, sieht es so aus, als hätten Sie Spaß gehabt. Haben Sie keine Angst, dass das andere Krebskranke vor den Kopf stoßen könnte?

Doch, das kann ich mir schon auch vorstellen. Ich habe in meinem Umfeld bereits gemerkt, dass es tatsächlich irritieren kann, aus so einer Situation so etwas zu machen. Es ist aber sicher nicht meine Absicht, jemanden damit zu provozieren. Viele Fotos, wie die, die Sie angesprochen haben, sind einfach aus der Situation heraus entstanden. Das Buch ist auch in keinster Weise als Rat oder eine Art Vorlage für andere Patientinnen gedacht. Es war bloß mein eigener, ganz individueller Weg.

Inwiefern haben Sie Ihre Unterlagen für das Buch bearbeitet und ausgesucht?

Ich bin ja halb Französin, halb Deutsche. Das Tagebuch war dement- sprechend auch mal auf Französisch geschrieben, mal auf Deutsch. Ich hätte ja nie im Traum daran gedacht, dass es mal in der Öffentlichkeit erscheint. Ich habe also einiges übersetzt und die Texte allgemein so über- arbeitet, dass man auch von außen besser nachvollziehen kann, was ich da so schreibe. Bestimmte Sachen, die mir dann zu privat oder intim waren, habe ich ganz gestrichen, aber das betraf nur sehr wenige Pas- sagen.

Für das Buch haben Sie sich alle Unterlagen Jahre nach der Diagnose noch einmal genau angesehen. Wie war das im Nachhinein?

Teils kamen mir meine Bilder so nahe, als seien sie gestern gewesen, teils schienen sie sehr weit weg. Sehr wenige haben mich so berührt, dass ich emotional geworden bin. Beim Tagebuch, bei den Texten, war das anders. An einer Stelle sind mir jedes Mal wieder die Tränen gekommen: Mein Bruder hat sehr geweint, als wir kurz nach Weihnachten 2011 über die Gendiagnose gesprochen haben. Unser Vater ist 2005 gestorben, unsere Mutter hatte 2008 Brustkrebs und dann ich; also alle Menschen, die ihm so nah sind oder waren. Das Leiden der anderen hat mir eigentlich immer mehr weh getan als mein eigenes. Ich habe mich dafür verantwortlich gefühlt, dass ich durch die Krebsdiagnose andere Menschen verletze, ihnen weh tue.

Sich treiben lassen.

Die Wiedererkrankungsrate bei Brustkrebs ist hoch. Haben Sie Angst vor der Zukunft? 

Ich bin ein optimistischer Mensch, vielleicht auch naiv. Ich habe eine gewisse Leichtigkeit, wie ich mit Dingen umgehe. So eine Diagnose wird einen wohl nie komplett loslassen. Aber ich versuche, ihr nicht zu viel Platz zu geben, auch nicht meinem Gendefekt.

Frauen mit Ihrer Genmutation haben auch ein höheres Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, weswegen neben den Brüsten in vielen Fällen die Eierstöcke vorsorglich entfernt werden.

Ich bin jetzt 37, und der Plan, mit 40 die Eierstöcke entfernt zu bekommen, steht auch bei mir. Vor meiner ersten Chemotherapie wurden mir Eizellen entnommen, und natürlich wünsche ich mir, dass mein Freund und ich vorher noch Kinder bekommen. Aber ich muss auch realistisch sein und akzeptieren, dass daraus vielleicht nichts mehr wird.

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