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Brustkrebs : „Ich will niemanden provozieren“

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Ursprünglich wollte ich ja jeden Tag ein Foto von mir machen. Aber das hat dann doch nicht so geklappt. Es gab Tage, an denen ich so erschöpft und müde von der Therapie war, dass ich nur ein Datum ins Tagebuch geschrieben habe und einen einzelnen Satz. Im Dezember zum Beispiel, wo ja sehr viel passiert war, habe ich so gut wie nichts geschrieben. Im Januar auf der Reha habe ich dann eine Art Rückblick gemacht.

Im Dezember 2011 haben Sie bei einer humangenetischen Untersuchung erfahren, dass Sie die Genmutation BRCA1 in sich tragen, die mit einem extrem hohen Risiko für weitere Krebserkrankungen einhergeht. Daraufhin haben Sie sich entschieden, das Brustgewebe entfernen zu lassen. Im Tagebuch finden sich sogar Bilder aus dem OP-Saal. Wie hat das denn rein praktisch funktioniert?

Erst mal habe ich natürlich gefragt, ob das überhaupt in Ordnung ist. Dann hat mir die Ärztin zwei Tage vor der Operation den Saal gezeigt. Ich hatte mein Stativ dabei, wir haben besprochen, wo ich liegen werde und wo das Stativ hinkommt. Ich habe eine Kamera ohne Automatikmodus; das heißt, man muss so etwas wie Blende, Belichtungszeit und Schärfe immer manuell einstellen. Deswegen habe ich für die OP alles genau notiert. Und die Schwestern haben dann alles aufgestellt und die Bilder mit Fernauslöser gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir so etwas wie meine eigene Operation mal anschauen würde. Aber auch da war ich dann irgendwie neugierig und sachlich interessiert daran, wie so etwas abläuft.

Die Haare verlieren, aber nicht den Kopf.

In Ihren Texten und auf den Fotos wirkt es, als ob Sie sehr stark und nüchtern mit der Diagnose und den Folgen umgegangen wären; vergleichsweise selten kommt so etwas wie Traurigkeit oder Wut hervor. Gab es das nicht?

Ich hatte tatsächlich viel seltener negative Emotionen, als ich es anfangs erwartet hätte. In der Nacht vor der Diagnose hatte ich geträumt, dass ich Brustkrebs habe, aber alles wieder gut wird. Ich hatte natürlich gehofft, dass es nicht so kommt. Aber als ich dann paar Stunden später in die Klinik bin, habe ich so eine bestimmte Sicherheit gefühlt, wie sich alles entwickeln würde. Und daran habe ich mich die ganze Zeit über festgehalten. Als ich von der Genmutation erfahren habe, war das allerdings schon noch einmal ein ordentlicher Schlag für mich. Ich war sehr nervös und angespannt. Und ja, anfangs nach der Krebsdiagnose hatte ich auch eine Zeitlang nichts mehr gegessen. Aber allgemein bin ich an alles mit einer gewissen Zuversicht und Gefsstheit herangegangen.

Sie haben die Fotos und Texte zunächst nur für sich selbst gemacht, sich später aber für eine Veröffentlichung entschieden. Warum?

Ich habe immer mal wieder das Feedback bekommen, dass mein Umgang auch anderen Betroffenen helfen könnte. Auf meiner Reha habe ich den anderen Frauen Bilder gezeigt, die dann zum Beispiel gesagt haben, dass sie so etwas gerne gesehen hätten, bevor es bei Ihnen losgegangen ist. Als Angelina Jolie vor einigen Jahren aufgrund derselben Genmutation wie bei mir in den Medien war, sind einige meiner Fotos in einem Magazin erschienen. Daraufhin habe ich Unmengen an Mails bekommen, die alle sehr bestärkend waren.

Was glauben Sie, was Ihr „Tagebuch einer Genesung“ mit Frauen in einer ähnlichen Situation macht?

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