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Komplizierte Bergungsarbeiten : Zahlreiche Leichen nach Schiffsunglück noch nicht geborgen

Ungarische Suchteams während eines Einsatzes in Booten auf der Donau Bild: dpa

Sechs Tage nach dem Schiffsunglück in Budapest werden 19 Personen weiterhin vermisst. Der hohe Wasserstand und eine starke Strömung erschweren die Suche. Eine Toter wurde 100 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt geborgen.

          Die Leichname von zwei weiteren Opfern des Schiffsunglücks auf der Donau, das sich vergangenen Mittwoch in Budapest ereignet hat, sind am Dienstag identifiziert worden. Es handelt sich um einen 60 Jahre alten Mann sowie eine Frau aus der insgesamt 33 Personen umfassenden südkoreanischen Reisegruppe. Ihr Ausflugsschiff „Hableany“ (Nixe) kenterte nach einer Kollision mit dem Kreuzfahrtschiff „Viking Sigyn“ und sank sekundenschnell .

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Die Frau wurde am Montag durch Taucher aus dem Wrack geborgen, der Mann wurde am Ufer der Donau mehr als 100 Kilometer stromabwärts nahe dem Dorf Harta gefunden. Nach wie vor werden die Bergungsarbeiten durch den hohen Wasserstand und die dadurch erzeugte starke Strömung sowie durch eine Unterwassersicht von nur wenigen Zentimetern erschwert. Wenn der Pegel sinkt, soll ein Spezialkran das Boot, das in neun Metern Tiefe liegt, möglichst in einem Stück heben. Vorerst kann das Kranschiff die Brücken nicht passieren.

          Mithin sind neun Opfer des Unglücks geborgen, sieben der koreanischen Touristen hatten unmittelbar nach dem Zusammenstoß lebend aus dem Wasser gezogen werden können. Unter den 19 noch vermissten Opfern sind ferner die beiden ungarischen Besatzungsmitglieder der „Hableany“. Der Kapitän der „Sigyn“, ein 64 Jahre alter Ukrainer, wurde unter dem Verdacht in Haft genommen, das Unglück fahrlässig verschuldet zu haben.

          Komplikationen bei Tauchgang

          Allerdings erhielt er vom Haftprüfungsgericht die Möglichkeit, bei Hinterlegung einer Kaution von umgerechnet 46.000 Euro mit einer elektronischen Fußfessel das Gefängnis zu verlassen, er muss aber in Budapest bleiben. Die „Sigyn“ hat das Land bereits donauaufwärts in Richtung Deutschland verlassen. Torstein Hagen, der Präsident des in der Schweiz registrierten Unternehmens „Viking River Cruises“, zu dem die „Sigyn“ gehört, sicherte in einer Erklärung den Behörden volle Unterstützung bei den Untersuchungen zu. Sechs Tage nach dem Unglück drückte er zugleich den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

          Bis Montag hatte die Einsatzleitung, geführt durch die Polizei-Spezialeinheit TEK, Tauchgänge in das Wrack aus Sicherheitsgründen untersagt. Das galt auch für die ausländischen Unterstützungsteams aus Südkorea sowie Österreich. Die südkoreanische Botschaft dankte auch im Namen der Angehörigen, von denen viele nach Budapest gereist sind, für den Einsatz, drang aber zugleich auf die Möglichkeit, das Wrack zu betreten. Am Abend wurde dann bekannt, dass ungarische Taucher den Zustand der „Hableany“ zu untersuchen begonnen und einen Leichnam gefunden hätten.

          Die Tote wurde dann von den südkoreanischen Tauchern geborgen. Medienberichten zufolge hätte ein früherer Tauchversuch vergangene Woche beinahe tragisch geendet: Ein Taucher, der in einem Gummianzug mit Luftversorgung über einen Schlauch in das Wasser gestiegen war, soll durch die Strömung gegen eine Leiter gedrückt worden sein, die Luftversorgung sei gekappt und der Mann nur mit Mühe gerettet worden sein. 

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