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Rettungsgassen-Blockade : Die Egoisten der Straße

  • -Aktualisiert am

Ruhig geht es auf der A3 im Landkreis Offenbach zu. Auf der A5 war das in den vergangenen Tagen anders. Bild: dpa

Sie sind nicht dazu bereit, eine Rettungsgasse zu bilden. Andere nutzen sie, um schneller voran zu kommen. Deutschlands Autofahrer werden immer dreister. Dagegen gibt es nur eine Lösung. Ein Kommentar.

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          Da kamen sie wieder zusammen, die Helden der Autobahn. Bei einem Auffahrunfall bei Mainz wurden im Feierabendverkehr am vergangenen Donnerstag zwei Menschen schwer verletzt. Polizei und Feuerwehr waren schnell zur Stelle, oder besser: Sie wollten schnell zur Stelle. Denn was die Rettungskräfte auf dem Weg zum Unfallort erlebten, spottet jeder Beschreibung. Einige Autofahrer waren nicht bereit, eine Rettungsgasse zu bilden, weil sie sich in ihrem Vorwärtsdrang zurückgesetzt fühlten. Andere nutzten die Gelegenheit, indem sie sich direkt hinter die Rettungsfahrzeuge setzten – damit verbauten sie weiteren Rettern den Weg.

          Erst am Tag zuvor war es auf der Autobahn5 aus den gleichen Gründen zu einer verzögerten Rettung gekommen, als ein Arbeiter von einem Gerüst auf die Autobahn gestürzt war. Und als ob das noch nicht genug wäre, beschimpften die Blockierer auch noch die Rettungskräfte. Was für eine Unverschämtheit!

          Gemengelage aus Ehrgeiz, Übermotorisierung, Leichtsinn

          Man kann Freunden aus anderen Ländern schwer erklären, was auf deutschen Autobahnen los ist. Die Gemengelage aus fahrerischem Ehrgeiz, wachsender Übermotorisierung und blühendem Leichtsinn treibt Ausländern – aber nicht nur denen – den Schweiß auf die Stirn. Niemand will dem Volk der Technikfreunde die Freude am Fahren vermiesen. Tempolimits drosseln schon oft genug die Geschwindigkeit. Und was auch stimmt: Die Zahl der Verkehrstoten ist so gering wie nie zuvor; das allerdings liegt vor allem an Assistenz- und Sicherheitssystemen.

          Aber die Aggressionen in der Autonation sind geradezu körperlich spürbar. 1960 waren nur 4,5 Millionen Autos in Deutschland zugelassen, heute sind es zehn Mal so viele. Es wird also enger, und die Autobahnen sehen oft aus wie 1960. Psychologisch wirken sich auch die SUV-Panzer verheerend aus: Man fühlt sich besser und stärker darin, die anderen fühlen sich schlechter und schwächer.

          Technische Überlegenheit und erhöhter Adrenalinspiegel züchten den Egoismus heran. Das Gaffen ist mit der Handy-Fotografie schlimmer geworden. Kaum jemand weiß, dass Rettungsgassen in der Straßenverkehrsordnung schon dann vorgeschrieben sind, wenn der Verkehr nur stockt. Bisher ist das Blockieren einer Rettungsgasse nur eine Ordnungswidrigkeit. Geldbuße: 20 Euro. Man wird es so halten müssen wie mit dem Telefonieren am Steuer: Mehr Bußgeld wird nicht alle abhalten, aber viele. Den Spaß am Auto wird es uns nicht vermiesen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

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