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Klimaforscher zu Harvey : „Was da passiert, ist absolut außergewöhnlich“

Komplett überschwemmt: Notunterkunft in Port Arthur Bild: dpa

„Die Folgen des Klimawandels sind von einem bestimmten Punkt an nicht mehr beherrschbar“, sagt Klimaforscher Mojib Latif im Interview. Tropensturm Harvey sei dafür ein gutes Beispiel.

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          Herr Latif, der amerikanische Präsident Donald Trump hat die Hochwasser-Katastrophe in Texas „historisch“ genannt. Hat er recht?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ja, es ist wirklich absolut außergewöhnlich, was dort gerade passiert. Bei diesen tropischen Stürmen sind oft nicht die Winde das Problem, sondern die extremen Regenfälle. Wegen Harvey musste der amerikanische Wetterdienst die Farbskala ändern, mit der die Menge des Niederschlags angezeigt wird. Am oberen Ende mussten drei Stufen ergänzt werden, so viel hat es geregnet. Hinzu kommt, dass der Wind das Wasser vom Meer Richtung Küste drückt. Selbst wenn es mal aufhört zu regnen, kann das Wasser kaum abfließen.

          Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ist einer der führenden deutschen Klimaforscher.
          Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ist einer der führenden deutschen Klimaforscher. : Bild: dpa

          Hat der Klimawandel etwas mit den heftigen Regenfällen zu tun?

          Ja, durch den Klimawandel erwärmen sich die Weltmeere. Auch im Golf von Mexiko verdunstet dadurch mehr Wasser, in der Luft ist mehr Wasserdampf, also regnet es mehr. Und wenn dazu dann ein Tropensturm wie Harvey kommt, kann das solch dramatische Folgen haben. Das Besondere ist, dass der Sturm zwischen zwei riesigen Hochdruckgebieten gefangen ist und sich kaum von der Stelle bewegt. Er kann sich deswegen immer mehr Nachschub aus dem Golf von Mexiko holen, und es hört einfach nicht auf zu regnen. Das ist auch der Unterschied zu Katrina: Der Hurrikan ist 2005 relativ schnell über New Orleans gezogen.

          Hätte man Houston auf den Sturm besser vorbereiten können?

          Houston ist auf einem Untergrund gebaut, der recht schlecht Wasser durchlässt. Deswegen hat man dort Kanäle gebaut, durch die das Wasser abfließen kann. Damals hätte man aber nie mit solchen Wassermengen gerechnet. Es gibt Grenzen der Anpassungsfähigkeit. Der Bürgermeister hatte dort doch nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Evakuiert er die Stadt, gibt es eine Massenpanik. Macht er es nicht, wird ihm das ebenso vorgeworfen.

          Hätte man die Kanäle nicht rechtzeitig vergrößern können?

          Wahrscheinlich wird man das jetzt machen. Wenn innerhalb so kurzer Zeit so viel Wasser vom Himmel kommt, ist man aber einfach machtlos. Das hat man im Kleinen ja 2016 in Baden-Württemberg gesehen, als Braunsbach quasi untergegangen ist. Was wollen Sie da machen? Es gibt den Trend, dass die Niederschläge zwar nicht häufiger werden, aber immer heftiger. Die Folgen des Klimawandels sind von einem bestimmten Punkt an nicht mehr beherrschbar. Das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens ist vielen ja zu ambitioniert. Aber jetzt ist es erst ein Grad wärmer als zu Beginn der Industrialisierung. Und schon jetzt gibt es extreme Änderungen.

          Die Vereinigten Staaten haben ihren Austritt aus dem Pariser Klimavertrag erklärt. Haben Sie die Hoffnung, dass die Katastrophe in Texas Trump zum Umdenken bringen wird?

          Nein, seine Reaktion war ja bisher vollkommen lächerlich. „What a crowd“, hat er den Hochwasseropfern zugerufen und dann eine Fahne geschwenkt, als wäre er auf einer Wahlkampfveranstaltung. Trump ist immer nur auf sich bezogen und absolut beratungsresistent. Ich fürchte, daran wird auch Harvey leider nichts ändern.

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