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157 Menschen an Bord : Keine Überlebenden bei Flugzeugabsturz nahe Addis Abeba

Ein Teil des Flugzeugwracks liegt nahe der Unfallstelle. Bild: Reuters

Am Sonntag ist eine Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines auf der Reise nach Nairobi verunglückt. Zuvor war der Funkkontakt zur Maschine abgebrochen. Alle Passagiere und die Crew kamen bei dem Absturz ums Leben.

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          Am frühen Sonntagmorgen ist über dem äthiopischen Luftraum ein Flugzeug von Ethiopian Airlines abgestürzt. Nach Angaben der Fluglinie hätten sich 149 Passagiere und acht Crew-Mitglieder an Bord der Maschine vom Typ Boeing 737-800 MAX befunden. Die Maschine stürzte in der Nähe von Bishoftu, 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, ab.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Via Twitter bestätigte die Airline am Sonntagmittag, dass alle Insassen bei dem Absturz ums Leben kamen. Bereits zuvor kondolierte der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed ebenfalls auf Twitter „im Namen der Regierung und des äthiopischen Volks“ den „Familien derjenigen, die ihre Liebsten“ an diesem Morgen verloren hätten. Laut dem Staatsfernsehen sollen die Passagiere 33 verschiedenen Nationalitäten angehört haben.

          Der Flug mit der Nummer ET 302 hatte den Flughafen Bole International um 8:38 Uhr verlassen; sechs Minuten später verlor der Tower den Kontakt zu dem Flugzeug, das sich auf dem Weg in die kenianische Hauptstadt Nairobi befand. Das Stockholmer Flugbeobachtungsunternehmen „Flightradar24“ berichtet von einer „instabilen vertikalen Geschwindigkeit“ nach dem Start.

          Unglücksmaschine erst November 2018 ausgeliefert

          Die staatliche äthiopische Airline hat eine Flotte mit 103 Flugzeugen, von denen mehr als 70 von Boeing stammen. Nach Angaben des Unternehmens transportierte es im vergangenen Jahr rund 10,6 Millionen Menschen. Die Fluglinie fliegt mehr als hundert Flughäfen auf fünf Kontinenten an. Laut dem Star-Alliance-Mitglieds soll das durchschnittliche Alter seiner Flugzeuge fünf Jahre betragen. In den vergangenen Jahren habe das durchschnittliche Wachstum bei 25 Prozent gelegen. Die Beratungsfirma InterVistas nennt Ethiopian Airlines „eine der größten und profitabelsten Fluggesellschaften in Afrika“

          Nach Angaben von Boeing hatte der amerikanische Flugzeugbauer im Juli 2018 seine erste 737-800 MAX mit einer Kapazität von 160 Sitzplätzen an Ethiopian Airlines als „Afrikas größte und am schnellsten wachsenden kommerzielle Luftlinie“ ausgeliefert. Ziel sei es, Ethiopian Airlines insgesamt mit 30 Maschinen dieses Typs zu beliefern. Die 737-800 MAX sei, so Boeing, das „sich am schnellsten verkaufenden Flugzeug in der Boeing-Geschichte“.

          Bis zum Juli 2018 seien weltweit 4500 dieser Flugzeuge von 99 Kunden bestellt worden. Im Oktober 2018 stürzte eine zwei Monate alte 737-800 MAX im Dienst der indonesischen Airline „Lion“ kurz nach dem Start ab, 189 Menschen starben. Die Unglücksmaschine von Ethiopian Airlines war erst im November 2018 ausgeliefert worden.

          Der Luftraum über Afrika gilt als gefährlich

          Unter anderem wegen der Sicherheitsmängel bei der Wartung von Flugzeugen und -häfen und der oft desolaten Luftraumüberwachung, die viele Piloten zwingt, auf Sicht zu fliegen, gilt der Luftraum über Afrika als einer der gefährlichsten weltweit. Dennoch ist der dortige Flugverkehr nach Angaben der „International Air Transport Association“ mit einem Wachstum von fast fünf Prozent der am schnellsten wachsende weltweit. Derzeit operierten in Afrika 731 Flughäfen und 419 Fluglinien. Der gesamte Sektor schaffe rund 6,9 Millionen Arbeitsplätze und einen Umsatz von rund 80 Milliarden Dollar jährlich.

          In seiner Geschichte hat die 1945 gegründete Fluggesellschaft nach Informationen der „Aviation Safety Database“ mindestens 60 größere Unfälle erlebt. 1988 starben mehr als dreißig Menschen, nachdem ein Flugzeug über der äthiopischen Stadt Bahir Dar abstürzte; 1996 stürzte eine entführte Ethiopian-Airlines-Maschine vor der Küste einer Komoren-Insel in den Indischen Ozean, nachdem ihr das Kerosin ausgegangen war – dabei kamen 125 Menschen ums Leben. 2010, beim letzten größeren Unglück der Fluggesellschaft, starben alle 90 Menschen, die sich an Bord befunden hatte, nachdem eine Boeing 737-800 von Ethiopian bei schwerem Sturm ins Mittelmeer gestürzt war, nachdem sie die libanesischen Hauptstadt Beirut verlassen hatte.

          Weltweit war die Zahl der Todesopfer durch Flugzeugunglücke zuletzt stark gestiegen. So kamen nach Angaben der holländischen Beratungsfirma To70 und des Aviation Safety Network im Jahr 2018 mehr als 500 Menschen durch Unfälle in der Luftfahrt ums Leben – ein Jahr zuvor hatte diese Zahl noch bei 13 gelegen. Fliegen bleibt dennoch eine der sichersten Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Nach Angaben von To70 kommt auf rund drei Millionen Flüge ein tödlicher Unfall. Vor dem Unfall in Äthiopien zählte das „Aviation Safety Network“ für das Jahr 2019 bislang acht tödliche Flugzeugunfälle mit 38 Toten.

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