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Kanada, USA, Russland : Die Hitze lässt nach – die Brände wüten weiter

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Bei allmählich sinkenden Temperaturen kämpfen Rettungskräfte im Westen Kanadas weiterhin gegen mehr als 130 Waldbrände. Auch Soldaten sind im Einsatz. Im Norden Kaliforniens brennen ebenfalls drei größere Feuer.

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          Die Extremhitze im Westen Kanadas hat nachgelassen, doch anhaltende Trockenheit und weiterhin hohe Temperaturen begünstigen Dutzende Waldbrände. Allein in der Provinz British Columbia wurden 136 Feuer verzeichnet, wie Cliff Chapman vom Wildfire Service am Freitag (Ortszeit) mitteilte. Innerhalb eines Tages habe es 12.000 Blitzschläge gegeben. Die meisten Waldbrände seien dadurch ausgelöst worden. Die Temperaturen seien nach der Rekordhitze von circa 45 Grad Celsius inzwischen gesunken, aber immer noch überdurchschnittlich hoch, sagte Chapman.

          Der kanadische Verteidigungsminister Harjitt Sajjan kündigte an, eine Eingreiftruppe von 350 Soldaten sowie ein Transportflugzeug und zwei Hubschrauber vom Typ Chinook in die Region zu verlegen, um die Einsätze der Feuerwehr bei Bedarf zu unterstützen. Die Hubschrauber könnten Feuerwehrleute transportieren, schweres Gerät verlegen oder bei Evakuierungen von Ortschaften helfen, schrieb er auf Twitter. Zuvor hatte der Krisenstab der Regierung in Ottawa getagt. Das Büro von Premierminister Justin Trudeau erklärte, die Regierung werde die Provinz British Columbia dabei unterstützen, die Lage unter Kontrolle zu bringen und die Sicherheit der Menschen zu gewähren.

          Vegetation bereits so trocken wie sonst erst Ende August

          Dort war vor einigen Tagen die kleine Ortschaft Lytton durch ein schnell um sich greifendes Feuer fast komplett zerstört worden. Unmittelbar zuvor war dort eine Rekordtemperatur von 49,6 Grad Celsius gemessen worden. Mehr als 1000 Menschen mussten in der Nacht zum Donnerstag in aller Eile flüchten. Die Behörden gehen davon aus, dass dort zwei Menschen ums Leben gekommen sind. Noch sei es aber zu gefährlich, Ermittler an den Ort der Feuerkatastrophe zu schicken, teilte die Gerichtsmedizin am Freitag mit.

          Auch im US-Bundesstaat Kalifornien verschärfte heißes und trockenes Wetter die Feuerlage. Im Norden brannten drei größere Feuer, die Tausende Menschen zeitweise in die Flucht schlugen. Am Freitag konnten viele Bewohner in ihre Häuser zurückkehren. Mehrere Gebäude in der ländlichen Region seien aber zerstört worden, berichtete der „San Francisco Chronicle“. Die Vegetation sei bereits so ausgetrocknet, wie man es gewöhnlich erst Ende August sehe, sagte eine Forstbehörden-Sprecherin vom Shasta Trinity National Forest.

          In British Columbia trug die gefährliche Hitzewelle nach Angaben der Behörden zu Hunderten Todesfällen bei. Innerhalb einer Woche seien in der Provinz 719 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet worden, teilte die Gerichtsmedizin am Freitag mit. Das sei dreimal mehr als üblich. Die Behörde geht davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt.

          Auch in Russland kämpfen derzeit Tausende Menschen gegen heftige Wald- und Flächenbrände mit Schwerpunkt im Osten Sibiriens. Allein in der russischen Teilrepublik Jakutien (Sacha) gebe es 196 Feuer in den Wäldern, dort sei eine Fläche von 288.460 Hektar betroffen, teilten die Behörden am Samstag mit. Das ist mehr als die Größe Luxemburgs. In der dünn besiedelten Region gilt der Ausnahmezustand.

          Feuer in Russland dieses Jahr „schneller und gefährlicher“

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schickte freiwillige Helfer in das Gebiet –- auch zum Schutz des Nationalparks mit den berühmten Lenafelsen, der seit 2012 zum Welterbe der Unesco gehört. In der schwer zugänglichen Region sei die Lage in diesem Jahr besonders schlimm, hieß es.

          Landesweit listete die Forstschutzbehörde 264 Waldbrände und eine betroffene Fläche von 325.526 Hektar auf. Mehr als 4700 Menschen, Hunderte Fahrzeuge, 25 Flugzeuge und Hubschrauber seien im Einsatz, um die Feuer zu löschen. Vielerorts seien die Arbeiten allerdings eingestellt worden, weil keine Menschenleben bedroht seien. Zudem seien die Kosten des Löschens höher als der durch das Feuer verursachte Schaden, hieß es.

          Das russische Staatsfernsehen zeigte zuletzt, wie die Feuer auf riesigen Waldflächen wüteten und Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpften. Durch die Brände breitete sich auch in der Stadt Jakutsk Rauch aus, wie die Behörden mitteilten. Es seien Hubschrauber vom Typ MI-8 im Einsatz, um die Feuer in der Umgebung zu löschen, sagte der Forstverantwortliche Wladimir Iwanow einer Mitteilung zufolge.

          Waldexperten von Greenpeace beklagen, dass sich die Situation in Russland wegen des Klimawandels verschärft habe. Jedes Jahr stehen im flächenmäßig größten Land der Erde mit seinem für das Klima wichtigen Taiga-Waldgürtel riesige Baumbestände in Flammen.

          In Jakutien seien die Feuer in diesem Jahr früher als sonst ausgebrochen, teilte Greenpeace am Samstag mit. „Sie entwickeln sich schneller und sind gefährlicher als in vorherigen Jahren.“ Gründe seien ungewöhnliche Hitzewellen und lange Dürre. Allerdings breche nur ein Teil der Feuer etwa wegen Blitzeinschlägen aus. Das Gros der Brände werde von Menschen verursacht, hieß es.

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