https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/kanada-nach-schiffsunglueck-trauer-um-21-ertrunkene-fischer-17813229.html

Schiffsunglück vor Kanada : Galicien trauert um 21 ertrunkene Fischer

Ein Hubschrauber und mehrere Schiffe haben das Unglücksgebiet abgesucht. Bild: AFP PHOTO / Royal Canadian Air Force

Bis zuletzt wollten die Angehörigen die Hoffnung nicht aufgeben – doch in der Nacht zum Donnerstag wurde der Rettungseinsatz vor Neufundland nach 36 Stunden angebrochen. Für Galicien ist es das schlimmste Schiffsunglück seit 1978.

          2 Min.

          Ganz Galicien trauert. In den eisigen Fischgründen haben 21 Fischer aus der nordwestspanischen Region den Tod gefunden. Die Angehörigen wollten bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgeben, bis in der Nacht zum Donnerstag traurige Klarheit herrschte: Die kanadischen Rettungskräfte brachen nach 36 Stunden ihre Suche vor Neufundland ab. Nicht nur für Galicien, sondern für ganz Spanien ist es das schlimmste Schiffsunglück seit 1978. Damals war vor der galicischen Küste ein Fischerboot untergegangen; 27 Menschen kamen ums Leben.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Wellen waren bis zu zehn Meter hoch, die Temperaturen frostig, die Sicht minimal. Von Stunde zu Stunde sank die Hoffnung, noch Überlebende aus dem Nordatlantik zu bergen. Zwölf Fischer des spanischen Trawlers „Villa de Pitanxo“ bleiben verschollen. Das stählerne Schiff hatte am frühen Dienstagmorgen 450 Kilometer südöstlich von Neufundland noch zwei automatische Notrufe abgesetzt. Dann war es mit 24 Mann an Bord aus noch ungeklärter Ursache gesunken. Nur der spanische Kapitän sowie zwei Fischer aus Spanien und Ghana wurden lebend gerettet. Zudem bargen die Rettungskräfte, unterstützt von zivilen Schiffen, neun Leichname. Nach spanischen Angaben waren auf dem Tiefkühl-Trawler aus Marín insgesamt 16 Spanier, fünf Peruaner und drei Ghanaer auf Fischfang.

          Den 15. Februar, als die Schreckensnachricht kam, werde man in Marín nie vergessen – wie auch die vielen anderen Schiffsunglücke zuvor, sagte die Bürgermeisterin María Ramallo. Der spanische Landwirtschafts- und Fischereiminister Luis Planas sagte: „Die Menschen am Meer wissen, wie es ist, in Ungewissheit zu leben, es ist Teil unserer DNA, wie das Salzwasser, die Fischerei und die Kultur der Seefahrt.“ Das spanische Parlament gedachte der ertrunkenen Seeleute mit einer Schweigeminute.

          Ein schlecht bezahlter und gefährlicher Job

          Die galicischen Fischer sind überall auf dem Atlantik unterwegs. Von der marokkanischen und mauretanischen Küste bis vor die nordamerikanische Küste. Sie gehört zu den wichtigsten, aber auch gefährlichsten Fischgründen auf der Welt und ist reich an Kabeljau, Heilbutt und Rotbarsch. Fünf Tage lang brauchen die Fischer für den 3000 Kilometer langen Weg aus Galicien dorthin. Rund 5000 Tonnen Fisch bringen die Spanier jedes Jahr von dort nach Hause zurück.

          Früher war es viel mehr: In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhundert fischten dort 120 Schiffe mit 5000 spanischen Seeleuten. Heute sind es nur noch gut zwanzig. Die Überfischung führte dazu, dass Kanada die spanische Flotte aus der 200-Meilen-Zone verwies. In den Neunzigerjahren standen sich beide Länder wegen der Beschlagnahmung eines spanischen Bootes im sogenannten Heilbuttkrieg gegenüber.

          Heute kommen alle Gefriertrawler aus Galicien. Sie bieten Platz für 20 bis 30 Besatzungsmitglieder, die oft monatelang unterwegs sind. Es ist ein schlecht bezahlter und äußerst gefährlicher Knochenjob. Bis zu 18 Stunden dauern die Arbeitstage. Junge Spanier zieht es immer weniger auf die Boote. Ihre Plätze nehmen Migranten aus Afrika und Lateinamerika ein, wie auch auf der gesunkenen „Villa de Pitanxo“.

          Topmeldungen

          Sie kann es nicht fassen: Konstanze Klosterhalfen wird Europameisterin

          Leichtathletik-EM : „Es ist ein Traum“

          Konstanze Klosterhalfen zeigt den Lauf ihres Lebens und gewinnt den Titel über 5000 Meter. Weitspringerin Malaika Mihambo holt ebenso Silber wie Hochspringer Tobias Potye.
          Heimwärts: Ein Wegweiser der Bundeswehr im Feldlager in Gao

          Bundeswehr in Mali : Eine Zumutung an Einsatzbedingungen

          In Mali ist ein Flugzeug gelandet, mit dem die Bundeswehr Truppen ablösen kann. Aber die Zweifel an der Mission bleiben. Immer mehr deutsche Soldaten fühlen sich im Stich gelassen.
          Licht ins Dunkel: Hinterhof eines Wiesbadener Mietshauses

          Scholz senkt Mehrwertsteuer : Nun wird die Gasrechnung kompliziert

          Der Bundeskanzler verspricht, dass die Entlastung für Haushalte dank der sinkenden Mehrwertsteuer höher ausfällt als die Belastung durch die Gasumlage. Wie sieht die Rechnung unterm Strich wirklich aus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.