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Kampf gegen die Flammen : Eine schrecklich heiße Woche in Kalifornien

  • -Aktualisiert am

Ein 84 Jahre alter Kalifornier versucht, sein Haus vor den Flammen in Vacaville zu retten. Bild: dpa

In Kalifornien kämpfen mehr als 10.000 Feuerwehrleute gegen zwei Dutzend Großbrände an. Die Flammen haben schon Tausende Menschen aus ihren Häusern getrieben.

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          Ein Grauschleier liegt über ganz Kalifornien – abgesehen von der Pazifikküste im äußersten Nordwesten. Auf den Satellitenbildern hebt er sich als rötlich-grauer Dunst deutlich von den weißen Wolken über dem Meer ab. Hinter den Schwaden verschwindet die Sonne als fahl orange leuchtende Scheibe. Die Luft riecht nach Qualm und Rauch, manchmal regnet es sogar Asche.

          Die Ursache sind Hunderte Buschbrände. Die Feuerwehren im bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaat sind schon jetzt überfordert. Inzwischen sind mindestens 1500 Quadratkilometer verbrannt. Fast 500 Gebäude wurden in den betroffenen Bezirken – darunter Napa County, Solano County, Lake County und Sonoma County – zerstört. 30000 weitere Häuser sind bedroht. Vier Personen kamen ums Leben, drei von ihnen in der Weinanbauregion Napa County, ein weiterer im benachbarten Solano County. Tausende mussten vor den Flammen fliehen. In vielen Notunterkünften herrscht Panik. Sie sind so dicht belegt, dass die wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

          Die brennenden Flächen sind so groß und die Flammen breiten sich so schnell aus, dass es die staatliche Brandschutzbehörde (Cal Fire) aufgegeben hat, jedem einzelnen Brand einen Namen zu geben. Allein im Großraum San Francisco wüten drei große Brandkomplexe.

          Die Brände sind die Kulmination einer außergewöhnlichen Woche in den südwestlichen amerikanischen Bundesstaaten. Sie begann am vergangenen Donnerstag, als ein stabiles Hochdruckgebiet über den Wüsten eine der schlimmsten Hitzewellen seit Menschengedenken hervorrief. Fast fünf Tage lang wurden in Kalifornien tagsüber Hitzerekorde gemessen. Im Death Valley wurde es 54 Grad heiß, selbst in den Hügeln oberhalb der an der sonst recht kühlen Bucht von San Francisco gelegenen Universitätsstadt Berkeley erreichte das Thermometer mehrmals den Rekordwert von 41 Grad.

          Wegen der Hitze ließen die meisten Einwohner Kaliforniens die Klimaanlagen in ihren Häusern auf Hochtouren laufen. Weil genau in dieser Zeit zwei mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraftwerke wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet waren und auch der Wind kaum noch wehte, rief die Netzagentur, die das Stromnetz betreibt, den Notstand aus. Anstatt auf einen chaotischen Kollaps der Stromversorgung zu warten, ordnete sie „rolling black-outs“ an. Die Stromversorger schalteten den Strom in zufällig ausgewählten Bezirken jeweils für einige Stunden ab. Diese ersten Zwangsabschaltungen im „Golden State“ seit 19Jahren führten zwar zu einem verringerten Stromverbrauch, der das Netz entlastete. Aber gleichzeitig kochten die Gemüter über. Kritisiert wurde vor allem, dass es keine ausreichende Warnung vor den Abschaltungen gegeben hatte.

          Anfang dieser Woche kam es dann zur Wetterwende – allerdings zum Schlechteren. Zu der Hitze gesellte sich tropisch feuchte Luft, die von den Ausläufern zweier Wirbelstürme vor der mexikanischen Pazifikküste nach Norden geweht wurde. Die trockene Hitze wurde dadurch zu einer heißen Schwüle, in deren Folge zahlreiche Gewitter entstanden. Es gab kaum Niederschlag, denn der Regen verdampfte auf dem Weg zur Erdoberfläche. Dafür schlugen aber Tausende von Blitzen in die ausgetrocknete Hügellandschaft ein. Sie entfachten so viele Gras- und Buschbrände, dass die Feuerwehren nicht mehr alle Brände bekämpfen konnten.

          Vor allem in den Landkreisen nordöstlich von San Francisco um das Weinanbaugebiet im Napa Valley und in der Nähe der Städte Vacaville und Fairfield loderten die Brände nahezu unkontrolliert. Nachdem die Feuerwalze die zwölfspurige Autobahn I80 übersprungen hatte, die als „unüberwindliche Brandschneise“ galt, bedrohte sie sogar den Fliegerhorst Travis, auf dem mehrere Transportgeschwader der amerikanischen Luftwaffe stationiert sind. Auch in den Santa-Cruz-Bergen westlich des Silicon Valley sowie in der Diablo Range im Osten von San José wüteten die Flammen.

          Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom rief den Notstand aus. Die Bekämpfung der Wald- und Buschbrände in diesem Jahr wird durch eine außergewöhnliche Verordnung des Gouverneurs erschwert. Weil in den zum großen Teil überbelegten Staatsgefängnissen das Coronavirus besonders schwer zu kontrollieren war, wurden viele Gefangene vorzeitig entlassen, vor allem wenn sie ohnehin kurz vor dem Ende ihrer Strafe standen. Unter ihnen waren Insassen, die sonst im Sommer als Feuerwehrleute dienten. Weil diese Wehren daher in diesem Jahr nicht zur Verfügung stehen, bat Newsom die Nachbarstaaten Nevada und Arizona um Amtshilfe bei der Brandbekämpfung. Mittlerweile ist die Hitzewelle abgeklungen, aber der Qualm und der Rauch der vielen Brände erschweren weiter das Atmen.

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