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Kalifornien : Und wieder brennt es im Paradies

  • -Aktualisiert am

Auch viele Tiere müssen in Sicherheit gebracht werden Bild: AFP

Seit drei Tagen wüten im Süden Kaliforniens Feuer. Eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht. Unter ihnen auch die Reichen und Schönen aus dem luxuriösen Malibu. Gouverneur Schwarzenegger sprach von einer „tragischen Zeit für Kalifornien“.

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          Keine Bewohnerin Malibus hätte es besser sagen können als Lilly Lawrence, deren 17 Millionen Dollar teures Anwesen das erste war, das Sonntagmorgen in Rauch aufging: "Ich lasse nicht zu, dass meine Besitztümer mich belasten. Vielleicht baue ich einfach wieder auf." In Bademantel, Hausschuhen und mit der in diesen Breiten obligatorischen riesigen Sonnenbrille stand die 67 Jahre alte Society Lady ein paar Stunden nach ihrer Rettung vor den qualmenden Resten ihres Heims, dem Schloss Kashan, und freute sich des Lebens. Keine Träne über die verbrannten Erinnerungen an ihren verstorbenen Vater, der unter dem Schah von Persien als Ölminister gedient hatte. Keine verzweifelte Suche nach Resten der Elvis-Memorabilia, die sie jahrzehntelang gesammelt hatte: "Ich nehme es, wie es kommt."

          Während ganz Amerika seit Tagen gespannt die Brände in Malibu und anderen Teilen Südkaliforniens verfolgt, haben Lilly Lawrence und die meisten anderen Bewohner der Luxusenklave ihr Gleichgewicht längst wiedergefunden. Verheerende Feuerstürme, die in der Vergangenheit oft Menschenleben gefordert und Hunderte von Häusern zerstört haben, gehören zu Malibu wie seine Filmstars, Strände und luxuriösen Entziehungskliniken. Nur für wenige sind sie ein Grund, dem idyllischen Küstenort westlich von Los Angeles den Rücken zu kehren. "Die Leute hier sind zäh", sagt eine Anwohnerin des malerischen Carbon Canyon, während sie ihre Hunde in den Range Rover trägt. "Den Preis, alle paar Jahre von einem Feuer heimgesucht zu werden, zahle ich gerne dafür, im Paradies leben zu dürfen."

          Selbst für die Pferde ist gesorgt

          Ein paar Nächte im "Four Seasons", dem edlen "Beverly Wilshire Hotel" oder den Notunterkünften des Roten Kreuzes im benachbarten Pacific Palisades werden dabei wie selbstverständlich in Kauf genommen. Auch andere Beschwernisse, wie Stromausfälle, geschlossene Schulen und Straßensperrungen, sind den etwa 17 000 Einwohnern Malibus bestens vertraut. Selbst für die Pferde der Gegend ist gesorgt. Innerhalb weniger Stunden werden sie bei den immer wiederkehrenden Herbstfeuern auf Tiertransporter verladen und in sichere Stallungen gefahren. Das Einzige, was den Bewohnern bei den aktuellen Bränden wirklich etwas abzuverlangen scheint, ist das Warten. Nachdem die Flammen am Montag fast unkontrolliert von Canyon zu Canyon sprangen, hat die Feuerwehr von Los Angeles County weite Teile des Küstenorts evakuieren lassen. Da für Dienstag starke Winde vorhergesagt wurden, die die Brände in den Santa Monica Mountains erneut zu entfachen drohten, konnten die Einsatzkräfte den Anwohnern kein festes Rückkehrdatum nennen.

          Auch viele Tiere müssen in Sicherheit gebracht werden Bilderstrecke

          Angesichts der Ausmaße, die das Feuer mittlerweile angenommen hat, scheint das ein geringer Preis. Drei Tage nach den ersten Brandmeldungen in Malibu sind zwischen Santa Barbara County nördlich von Los Angeles und der mexikanischen Grenze mehr als eine halbe Million Menschen auf der Flucht vor den Flammen. Fast 900 Häuser sind in Rauch aufgegangen. Nahezu 1000 Quadratkilometer Fläche, ein Gebiet von der Größe Berlins, ist entlang der Pazifikküste verbrannt. Wie die Feuerwehr mitteilt, sind für die Brände vermutlich nicht nur Trockenheit und starke Winde verantwortlich. In einigen Gegenden wird inzwischen von Brandstiftung ausgegangen. Polizei und Feuerwehr haben Telefonnummern geschaltet, unter denen Bürger Hinweise auf Verdächtige abgeben können.

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