https://www.faz.net/-gum-870pu

Johann Westhauser : Rettung aus der Riesending-Höhle kostete eine Million

  • Aktualisiert am

Kostspieliges Gerät: der Freistaat Bayern kommt unter anderem auch für die Hubschraubereinsätze der Polizei auf. Bild: AP

Das bayerische Innenministerium hat die Kosten für die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser im vergangenen Jahr veröffentlicht. Den größten Teil der Summe übernimmt der Freistaat.

          Die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden im vergangenen Jahr hat fast eine Million Euro gekostet. Das bayerische Innenministerium bezifferte die Summe jetzt auf 960.000 Euro. Davon trage der Freistaat einen Großteil, unter anderem für Hubschraubereinsätze der Bayerischen Polizei, Material der Bergwacht sowie Lohnzahlungen für die Ehrenamtlichen.Westhauser selbst übernehme „einen nicht unerheblichen Beitrag“, teilte das Ministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. „Der Anteil entspricht seinen Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Es wäre unverhältnismäßig, Westhauser vollumfänglich in Regress zu nehmen.“

          Westhauser hatte an Pfingsten 2014 bei einem Steinschlag in der tiefsten Höhle Deutschlands ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. In einer elftägigen Aktion wurde er aus 1000 Metern Tiefe gerettet. Mehr als 700 Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien waren beteiligt. Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und die Stiftung Höhlenrettung hatten laut Mitgliederzeitung bereits 15.000 Euro als Beitrag für die Bergwacht Bayern und in- und ausländische Rettungsorganisationen überwiesen. Der Großteil stammte aus Spenden.

          Höhlenforscher Westhauser

          Höhlenforscher treffen sich am Königssee

          Rund 200 Höhlenforscher aus ganz Deutschland kommen vom 3. bis 6. September zur 55. Jahrestagung des Verbandes nach Schönau am Königssee. Sie wollen unter anderem über Unfälle, Rettungsstrategien und Versicherungsfragen diskutieren. Auch Westhauser wird erwartet. Während der Tagung wollen Kollegen Westhausers in die Höhle steigen. Sie planen jedoch zunächst keine Forschungsmission. Vielmehr wollen sie bei dem eintägigen Einsatz Material aus dem Riesending holen. Dies sagte die für Anträge zur Begehung der Höhle zuständige Mitarbeiterin der Gemeinde Bischofswiesen der Deutschen Presse-Agentur.

          Nach Westhausers Rettung wurde die Höhle mit einem massiven Stahlgitter verschlossen, um Ungeübte am Einstieg zu hindern. Wer nun in die Höhle will, muss dies bei der Gemeinde Bischofswiesen beantragen. Schon im vergangenen Herbst hatten Bergwacht, Höhlenretter und Forscher die Höhle aufgeräumt und säckeweise Material nach oben geholt. Jetzt sollen unter anderem noch Seile aus dem oberen Höhlenbereich geborgen werden, die dort ein Jahr lang Regen und Schnee ausgesetzt waren. Wann wieder in der Höhle geforscht wird, ist offen.

          Ein weiterer Unfall überschattet die Tagung. Erst im Juli wurde eine Kollegin Westhausers bei der Erstbegehung einer Höhle am Salzburger Untersberg bei einem Steinschlag getötet. Die 45 Jahre alte Österreicherin hatte bei seiner Rettung geholfen und den Schwerverletzten aus 1000 Metern Tiefe tagelang ans Licht begleitet.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Topmeldungen

          Umstrittenes Projekt: Künftig sollen Autofahrer zur Kasse gebeten werden.

          Neue Prognosen : Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

          Interne Zahlen aus dem Verkehrsministerium zeigen: Aus den erhofften 500 Millionen Euro wird wohl nichts – schuld sind Veränderungen in der Fahrzeugflotte. Die Grünen geißeln das Lieblingsvorhaben von Verkehrsminister Scheuer als „ teures und sinnloses Stammtischprojekt“.
          Die Große Koalition erzielt in der Nacht auf Montag einen Kompromiss bei der Grundsteuer (Archivbild von Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD)).

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Schon beim ersten Koalitionsausschuss mit neuer Besetzung erzielt die Bundesregierung einen Kompromiss. Ist das Ausdruck einer neuen Handlungsfähigkeit? Etliche Streitpunkte können jedenfalls nicht gelöst werden.
          Suchen nach Kraft und Mut: Anne Will diskutiert mit ihren Gästen (hier Franziska Giffey und Volker Bouffier) den Zustand der Großen Koalition.

          TV-Kritik „Anne Will“ : Kein Mut in Sicht

          Deutschland driftet auseinander: Im Westen wird das Land grün, im Osten blau. Bei Anne Will geht es darum, ob die Bundesregierung noch den Willen und die Kraft hat, mit überzeugender Politik zu antworten. Das Ergebnis der Debatte ist ernüchternd.

          Rückkehr nach Dortmund? : Hummels passt ins BVB-Konzept

          Es wäre ein wahrer Transfercoup: Gleich aus zwei Gründen aber würde ein Wechsel von Mats Hummels zur Borussia Sinn ergeben. Und eigentlich spräche einer dagegen – oder nicht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.