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Wiederaufbau von Notre-Dame : „Er weiß, wie man Leute anbrüllt“

  • -Aktualisiert am

Arbeiten an der Kathedrale in Paris: In fünf Jahren sollen sie abgeschlossen sein. Bild: AP

Jean-Louis Georgelin soll die Arbeiten zur Wiederherstellung der Kathedrale Notre-Dame de Paris leiten. Seine Mission vergleicht der Fünf-Sterne-General mit einer „Schlacht“ – das Kultusministerium versteht das als Kriegserklärung.

          Seine Mission in den nächsten fünf Jahren vergleicht Jean-Louis Georgelin mit einer „Schlacht“. Der 70 Jahre alte Fünf-Sterne-General soll die Arbeiten zur Wiederherstellung der Kathedrale Notre-Dame de Paris leiten. Präsident Emmanuel Macron hat den verdienten General aus dem Ruhestand gerufen, damit er als eine Art Generalstabschef für die Kathedrale den Wiederaufbau koordiniert. „Ich werde alle Teilnehmer für die Schlacht mobilisieren“, sagte Georgelin der französischen Nachrichtenagentur AFP.

          Das französische Kulturministerium hat die Ankündigung aus dem Elysée-Palast als Kriegserklärung aufgenommen. Denn bislang war es das Privileg des Kulturministers, denkmalgeschützte Wahrzeichen wie Kathedralen und andere Monumente zu restaurieren. Es heißt, die Denkmalschutzarchitekten und Dombaumeister seien entsetzt darüber, dass sie einen General vorgesetzt bekommen haben. Georgelin wirkt nicht so, als könne ihm das Kompetenzgerangel etwas anhaben. Er verkörpert ein antimodernes Frankreich mit Werten wie Autorität, Verdienst und Glauben, nach dem sich viele seiner Landsleute zurücksehnen.

          Verkörpert ein antimodernes Frankreich: Jean-Louis Georgelin

          Der Sohn einer Offiziersfamilie kam 1948 in Aspet, südlich von Toulouse, zur Welt. Frühzeitig entschied er sich, dem Vorbild des Vaters zu folgen und eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Er bestand auf Anhieb die Aufnahmeprüfung zur Eliteschmiede Saint-Cyr. Bei Einsätzen in der Elfenbeinküste, in Afghanistan, im Libanon und auf dem Balkan zeichnete sich der kinderlose Junggeselle aus. 2002 ernannte Präsident Jacques Chirac ihn zu seinem persönlichen Stabschef im Elysée-Palast.

          Schon damals stand Georgelin im Ruf, „direkt und willensstark“ zu sein. „Er weiß, wie man Leute anbrüllt“, sagte ein Armeeangehöriger über ihn. Von 2006 bis 2010 hatte Georgelin als Generalstabschef der französischen Streitkräfte den militärischen Oberbefehl. Zwischen 2010 und 2016 leitete er als Großkanzler der französischen Ehrenlegion die von Napoleon begründete Institution. Er verteidigte die Ehrenlegion gegen Kritik und sagte, es gebe eine Unzahl kleiner Leute, die davon träumten, für ihre Verdienste in die Ehrenlegion aufgenommen zu werden.

          Über seinen katholischen Glauben hat er sich nicht öffentlich ausgelassen. Es ist aber bekannt, dass er als Laienbruder in einer Benediktinerabtei wirkt und der Katholischen Akademie Frankreichs angehört. Sein Verhältnis zu Präsident Macron galt als zerrüttet. Der Fünf-Sterne-General hatte heftig die Entscheidung des jungen Präsidenten kritisiert, den Generalstabschef Pierre de Villiers im Juli 2017 öffentlich zu rügen. „Das ist ein Kommandofehler“, sagte er damals. Macron habe diesen Streit bei ihrem ersten Gespräch ausgeräumt. „Vergessen wir das“, soll er gesagt haben. Georgelin sei ein „Mann des Glaubens und der Autorität“ und bestens geeignet, die Großbaustelle Notre-Dame zu leiten. Er habe die Mission „sofort“ angenommen, sagte Georgelin.

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