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Japan : Störfall im Atomkraftwerk Tsuruga

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Das Atomkraftwerk Tsuruga auf einem Foto vom 14. März 2010 Bild: REUTERS

Im Atomkraftwerk Tsuruga hat es offenbar Probleme mit den Brennstäben gegeben. Unterdessen stellt die japanische Regierung rund 33 Milliarden Euro zur Finanzierung der Wiederaufbauarbeiten nach dem verheerenden Tsunami bereit.

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          Behörden der japanischen Präfektur Fukui vermuten einen radioaktiven Störfall im Atomkraftwerk Tsuruga im Westen des Landes. Betroffen sind offenbar die Brennstäbe. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. In dieser Region in der Westküste gibt es mehrere Atomkraftwerke.

          Der Betreiber des Atomkraftwerks Tsuruga, Japan Atomic Power Co., will den Reaktor Nummer 2 den Angaben zufolge herunterfahren, um den Fall weiter zu untersuchen. Die Hinweise auf ein Problem mit den Brennstäben stammen aus dem Anstieg bestimmter Substanzen im Kühlwasser des Meilers. Ein Leck habe es nicht gegeben, erklärte Japan Atomic Power Co., sprach aber von technischen Problemen. Ein Sprecher der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien konnte den Zwischenfall am Montag zunächst nicht bestätigen. Bislang ist die Schwere des Vorfalls unklar. Im Jahr 1981 waren aus dem Kraftwerk Tsuruga Eins radioaktive Substanzen entwichen. Später stellte sich heraus, dass der Betreiber dies verschleiert hatte.

          Bereits vor dem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami am 11. März gab es aus der Region Berichte über Probleme. In der Präfektur sind insgesamt 13 Atomkraftwerke in Betrieb. Fukui ist rund 360 Kilometer Luftlinie von Fukushima entfernt und liegt damit außerhalb der Katastrophenzone.

          Japan gibt Milliarden für den Wiederaufbau frei

          Das japanische Parlament hat einen Nachtragshaushalt zur Finanzierung der Wiederaufbauarbeiten nach dem verheerenden Tsunami verabschiedet. Nach dem Unterhaus billigte am Montag auch das weniger einflussreiche Oberhaus einstimmig den Entwurf, der Ausgaben in Höhe von vier Billionen Yen (33 Milliarden Euro) vorsieht. Der Haushalt trat umgehend in Kraft. Die Regierung plant ein weiteres Sonderbudget, das durch die Ausgabe von Staatsanleihen finanziert werden soll.

          Mit dem Geld sollen der Bau neuer Häuser für mehr als 100.000 Menschen, die Räumung von Schutt und Trümmern sowie Unterstützung für in Not geratene Unternehmen finanziert werden. Finanzminister Yoshihiko Noda erklärte, in den kommenden Monaten sei mit weiteren Kosten zu rechnen. Dann muss Ministerpräsident Naoto Kan mit mehr Widerstand aus den Reihen der Opposition rechnen. „Wir unterstützen diesen Haushaltsplan nur wegen der dringenden Notwendigkeit, Wiederaufbauprojekte zu finanzieren“, sagte Mikishi Daimon von der oppositionellen Kommunistischen Partei.

          Die Opposition hat Kan bereits aufgefordert, wegen seines Umgangs mit der Naturkatastrophe und besonders seiner Reaktion auf die Krise im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zurückzutreten. Die Öffentlichkeit traut dem Regierungschef offenbar nicht viel zu. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Zeitung „Asahi“ erklärten 55 Prozent der Befragten, sie hätten angesichts der Krise nur noch geringe Erwartungen an das Kabinett. Nur 27 Prozent gaben an, sie hofften noch auf die Regierung.

          Reaktionen des Atomkraftwerkbetreibers Tepco

          Regierungssprecher Yukio Edano erklärte am Montag, der Atomkraftwerkbetreiber Tepco sei unbegrenzt schadenersatzpflichtig. Das Erdbeben und der Tsunami seien nicht unvorhersehbar gewesen, daher sei nach dem Gesetz eines Ausnahmeregelung nicht möglich. Tepco-Sprecher Takashi Kurita sagte, derzeit werde die Installierung eines Luftreinigungsfilters in Reaktor 1 vorbereitet. Dieser solle die Radioaktivität in den kommenden Tagen um 95 Prozent reduzieren. Damit soll es den Ingenieuren ermöglicht werden, erstmals seit Beginn der Krise den Reaktor wieder zu betreten, um die Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen.

          Der Betreiber des weitgehend zerstörten Atomkraftwerks Fukushima kündigte unterdessen den Bau eines Deichs an, um den Reaktor vor Tsunamis großen Ausmaßes zu schützen. Wie örtliche Medien unter Berufung auf das Unternehmen Tepco berichteten, soll der Deich bis Mitte Juni fertiggestellt werden und eine Höhe von zwei Metern sowie eine Länge von 500 Metern haben. Das Atomkraftwerk befindet sich auf einem Gelände, das zehn Meter über dem Meeresspiegel liegt.

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