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Japan nach dem Erdbeben : 80-Jährige und Schüler aus Trümmern gerettet

  • Aktualisiert am

Neun Tage nach dem schweren Erdbeben wird eine 80 Jahre alte Frau lebend gefunden Bild: AFP

Neun Tage nach Erdbeben und Tsunami wird die Opferzahl abermals nach oben korrigiert. Dennoch gibt es auch die überraschende Rettung zweier Verschütteter. Das nach dem Beben entsandte THW-Team kehrte nach Deutschland zurück. Weiterhin kritisch bleibt die Lage im Kernkraftwerk Fukushima.

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          Die japanischen Rettungskräfte haben am Sonntag im Katastrophengebiet eine 80-jährige Frau und einen 16 Jahre alten Jungen aus Trümmern gerettet. Beide waren geschwächt, hätten jedoch auf Rufe der Polizei reagiert. Die beiden wurden in Ishinomaki, in der mit am schwersten betroffenen Provinz Miyagi gefunden und ins Krankenhaus gebracht.

          Der verblüffenden Rettung zweier Menschen steht jedoch gegenüber, dass die Zahl der Toten und Vermissten nach der Naturkatastrophe in Japan auf mehr als 20.000 gestiegen ist. Laut Polizeiführung wurden bislang 8133 Leichen geborgen, die dem Erdbeben der Stärke 9 und dem davon ausgelösten Tsunami zum Opfer fielen. 12. 272 Menschen gelten offiziell als vermisst. Es wird erwartet, dass die Zahlen weiter steigen werden.

          Bergungsspezialisten des Technischen Hilfswerks (THW) kehrten unterdessen aus Japan nach Deutschland zurück. Die 41 Frauen und Männer landeten am Samstagabend mit einer Sondermaschine auf dem Flughafen Frankfurt. Messungen vor der Abreise wie nach der Landung hätten keine radioaktive Belastung der Helfer ergeben, sagte der Nuklearexperte des THW-Teams, Mario König. Die Gruppe habe sich dem Unglücksreaktor nicht mehr als 80 Kilometer genähert.

          In Ishinomaki, in der Provinz Myagi wurde sie gefunden. Auch ein 16jähriger Schüler soll überlebt haben

          Die Lage im Atomkraftwerk Fukushima bleibt weiter kritisch: In dem besonders gefährlichen Reaktorblock 3 sei der Druck am Sonntag gestiegen, teilte der Sprecher der Reaktorsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama, im Fernsehsender NHK mit. „Wir müssen Maßnahmen ergreifen um den Druck im Reaktorbehälter zu verringern.“ Dies bedeute, dass Luft mit radioaktiven Substanzen aus dem Reaktor abgelassen werden müsse. Die in Block 3 verwendeten Brennelemente sind gefährlich, weil es sich dabei um Plutonium-Uran-Mischoxide (MOX) handelt.

          Block 3 stand bis Sonntag früh 13 Stunden lang unter dem Beschuss von Wasserwerfern. „Das war eine sehr gefährliche und schwierige Aufgabe“, sagte einer der beteiligten Feuerwehrmänner, Toyohiko Tomioka, auf einer Pressekonferenz. „Überall lagen Trümmer herum. Den Mitgliedern des Teams war die Gefahr der Verstrahlung sehr bewusst.“

          Auch Block 4 wurde für zunächst etwa eine Stunde mit Wasser bespritzt. Eingesetzt wurden zehn Wasserwerfer der japanischen Streitkräfte und ein Fahrzeug der amerikanischen Streitkräfte. Dort ist es ebenfalls das Ziel, den Wasserstand des Abklingbeckens mit abgebrannten Kernbrennstäben zu erhöhen. Der Reaktor 4 war wegen Wartungsarbeiten schon vor dem Erdbeben abgeschaltet.

          Kühlsystem in Reaktion 6 arbeitet wieder

          Nach dem Einsatz von Wasserwerfern ging die Strahlung am Rand der Anlage um rund 25 Prozent auf 2,625 Millisievert pro Stunde zurück, wie der Rundfunksender NHK am Sonntagmittag (Ortszeit) berichtete.
          Das Kühlsystem im Reaktor 6 wurde wieder in Gang gesetzt, nachdem dort die Stromversorgung wiederhergestellt worden war. Anschließend sei die Temperatur in einem überhitzen Kühlbecken deutlich gesunken, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Kraftwerksbetreiber Tepco berichtete.

          Die Stromversorgung für die zentralen Kontrollräume der Reaktorblöcke 1 und 2 soll am Sonntag wiederhergestellt werden - mit dem Ziel, zunächst die Beleuchtung und dann möglicherweise auch die Kühlung der dortigen Abklingbecken in Gang zu setzen.

          Belastung von Nahrungsmitteln

          Die von Fukushima ausgehende Strahlung belastet zunehmend Trinkwasser und Lebensmittel. In der Stadt Kawamata, die zur Präfektur Fukushima gehört, wurde verstrahlte Milch festgestellt. Die Belastung mit radioaktivem Jod übersteige den zugelassenen Grenzwert, teilte am Samstag das Gesundheitsministerium nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Kawamata liegt 45 Kilometer nordwestlich des Atomkraftwerks.

          In der Präfektur Fukushima wie in den angrenzenden Verwaltungsregionen wurde eine geringe Belastung des Trinkwassers mit radioaktivem Jod festgestellt. Die Werte liegen zwischen 0,27 und 77 Becquerel pro Kilogramm bei einem Grenzwert von 300 Becquerel. Eine Messung des Leitungswassers in Tokio ergab eine Jod-Belastung von 1,5 Becquerel. Die Verstrahlung mit Cäsium erreichte Werte von 0,22 bis 1,6 Becquerel pro Kilogramm bei einem zulässigen Grenzwert von 200 Becquerel. Das Gesundheitsministerium erklärte, im Moment gehe von dem Leitungswasser keine Gefahr für die menschliche Gesundheit aus.

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