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Ein Jahr nach dem Tsunami über Japan : Ein Geisterschiff vor der Küste Kanadas

  • -Aktualisiert am

Herrenlos: Mehr als 8000 Kilometer weit trieb dieser Fischkutter von Japan nach Kanada Bild: Reuters

Mit der Geschwindigkeit von etwa einem Stundenkilometer hat ein japanischer Tintenfischkutter nach der Tsunami-Katastrophe von Japan eine mehrere tausend Kilometer lange Strecke zurückgelegt. In einem Monat könnte er an der kanadischen Küste stranden.

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          Ziellos treibt es dahin. Stürme und Wellenbrecher haben das Schiff zerzaust. Die Seiten sind braun von Rost. Als die Besatzung eines Flugzeugs der kanadischen Küstenwache das einsame Schiff vor kurzem bei einem Überwachungsflug erspähte, glaubte man zunächst, an Bord habe sich ein Unfall ereignet und die Seeleute hätten den Kutter in Rettungsbooten verlassen.

          Aber das rostige Geisterschiff im Nordostpazifik hat eine andere Geschichte. Der 54 Meter lange Fischkutter, der herrenlos und ohne Besatzung etwa 200 Kilometer vor den Queen-Charlotte-Inseln, die zur Provinz Britisch-Kolumbien gehören, im Wasser dümpelt, ist mutterseelenallein von der anderen Seite des Ozeans gekommen.

          8000 Kilometer auf hoher See

          Das Schiff ist im Hafenort Hachinohe in der Präfektur Aomori im Nordosten der japanischen Hauptinsel registriert. Eine Nachfrage bei japanischen Behörden erbrachte den überraschende Beginn der Geschichte. Das Schiff gehört einem Unternehmen, das sich ausschließlich auf den Fang von Tintenfischen für den japanischen Sushi-Markt spezialisiert hat. Der Kutter hatte am 11. März 2011, dem Tag des schweren Erdbebens in Japan, fest vertäut am Kai von Hachinohe gelegen. Als der riesige Tsunami, der auf das Beben folgte, die Hafenstadt erreichte, wurde das Schiff losgerissen und auf See gespült. Seitdem fehlte von dem Kutter jede Spur.

          In den vergangenen zwölf Monaten hat das Schiff also ohne Antrieb und Steuerung eine Seereise von mehr als 8000 Kilometern zurückgelegt. Es war demnach im Durchschnitt mit einer Geschwindigkeit von rund einem Kilometer pro Stunde unterwegs. In etwas mehr als 30 Tagen, so ein Sprecher der Küstenwache, könnte der Kutter das kanadische Festland erreichen.

          25 Millionen Tonnen Gerümpel schwimmen umher

          Das Schiff ist Teil einer riesigen Menge von Trümmern, die nach dem Erdbeben vom Tsunami auf See gespült wurden. Nach Schätzungen japanischer Wissenschaftler treiben zur Zeit mehr als 25 Millionen Tonnen Gerümpel aller Art - Haushaltsgeräte, Müll, Autos, Boote, Fischkutter - im nördlichen Pazifik. Das Trümmerfeld, das angeblich größer ist als Deutschland, wird vom Nordpazifik-Strom langsam, aber unaufhaltsam nach Osten getrieben.

          Forscher der Universität von Hawaii und der amerikanischen Meeresbehörde NOAA haben ausgerechnet, dass der größte Teil des Trümmerfeldes im kommenden Jahr die Westküste Nordamerikas erreicht. Kleinere Trümmer wie Flaschen oder Bojen mit japanischen Schriftzeichen wurden schon an den Stränden auf Hawaii und entlang der Alaska-Halbinsel angespült.

          Noch ist nicht klar, was mit dem Geisterschiff geschehen wird. Auf offener See stellt es keine direkte Gefahr für die Schifffahrt dar. Sobald es sich aber der kanadischen Küste nähert, wird die Küstenwache den Trawler aus Sicherheitsgründen wohl in einen Hafen schleppen lassen.

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