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Marmolata : Gletscherunglück in Italien war „ein unvorhersehbares Ereignis“

Der Gletscherabbruch in den italienischen Dolomiten. Bild: dpa

Die Suche nach Verschütteten auf der Marmolata geht weiter. Währenddessen stellt sich die Frage, wie solche Unglücke in Zukunft zu verhindern sind. Denn in den Bergen wird es immer gefährlicher.

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          Während die Einsatzkräfte am Mittwoch die Suche nach den Verschütteten des Gletscherbruchs vom Sonntag auf der Marmolata fortsetzten, schlossen die Ermittlungsbehörden Fahrlässigkeit als Ursache der Katastrophe mit sieben Todesopfern, fünf Vermissten und acht teils schwer Verletzten aus. Der zuständige Oberstaatsanwalt von Trient, Sandro Raimondi, bezeichnete den Gletscherbruch als „unvorhersehbares Ereignis“. Ähnlich äußerte sich der Trientiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti, der von einem „außergewöhnlichen, sogar einzigartigen Vorkommnis“ sprach. „Auf dem Gletscher befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks auch Bergführer und damit Leute, die den Berg bestens kannten“, sagte Fugatti. Wegen der Gefahr weiterer Gletscherbrüche verfügten die Behörden in Canazei, wo das Lagezentrum der Einsatzkräfte eingerichtet wurde, die Sperrung der gesamten Marmolatagruppe bis zum Ende des Sommers. Am Dienstag waren trotz der Sperrung Bergwanderer in der Nähe des Unglücksorts unterwegs.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wegen der auch für die Bergungsmannschaften bestehenden Gefahr wurden bei der Suche nach den Vermissten Drohnen sowie Hubschrauber eingesetzt. Zum Einsatz kam auch ein Helikopter der Finanzpolizei mit der Fähigkeit zur Ortung von Handysignalen. Hoffnung für die fünf Vermissten, die alle aus der norditalienischen Region Venetien stammen, besteht nach Angaben der Bergretter nicht mehr. Sollten sterbliche Überreste der Vermissten gesichtet werden, könnten diese vorerst nur aus der Luft geborgen werden. Für Mittwochabend wurden heftige Regenfälle vorausgesagt. Das Regenwasser, so die Hoffnung der Einsatzkräfte, könnte loses Geröll wegschwemmen und die Suche am Boden von Donnerstag an wieder ermöglichen. Angehörige der Vermissten hatten mit Entsetzen auf die Aussagen von Bergrettern reagiert, wonach die sterblichen Überreste der Vermissten möglicherweise für immer von den Eis- und Geröllmassen eingeschlossen bleiben könnten. Die Gesteins-, Eis- und Wasserlawine war mit einer Geschwindigkeit von rund 300 Stundenkilometern zu Tal gegangen.

          Unterdessen planen die autonome Provinz Trient und die Region Venetien die Einrichtung von Warn- und Alarmsystemen auf den Gletschern. In einem ersten Schritt wurden auf der Marmolata-Hütte auf dem Gletscher Überwachungsgeräte installiert, mit denen die kleinsten Veränderungen der Gletscherfront, sowohl der abgebrochenen wie auch der intakten, erfasst werden können. Die Daten werden zur Analyse und Verarbeitung an ein Kontrollzentrum übermittelt. Erwogen wird auch das Anbringen von roten Flaggen auf instabilen Gletschern, um Alpinisten vor potentiellen Gefahren zu warnen.

          Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich am Montag in Canazei ein Bild von der Lage gemacht hatte, sagte am Dienstag in Bozen, die Bergwelt müsse trotz des tragischen Ereignisses auf der Marmolata für alle zugänglich bleiben. Da die Gefahren am Berg in den vergangenen Jahren aber zugenommen hätten, müssten Erholungssuchende und Alpinisten mehr Eigenverantwortung zeigen. „Es ist leider vorhersehbar, dass noch mehr solche Ereignisse eintreten werden. Nicht vorhersehbar ist dagegen der Zeitpunkt und Ort dieser Einzelereignisse“, sagte Kompatscher: „Wir alle sind gefordert, die steigende Gefahr zu erkennen und einzuschätzen.“

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