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Brände in Italien : Feuer im Nationalpark nahe Rom

Vor den Toren Roms:Am Freitag näherte sich das im Naturreservat Monte Catillo ausgebrochene Feuer auch Wohngebieten, die deshalb evakuiert werden mussten. Bild: EPA

Die Brände in Süditalien haben die Hauptstadtregion Latium erreicht, in Kalabrien haben die Flammen einen Teil eines Nationalparks zerstört. Für ein Großteil der Feuer sind Menschen verantwortlich – darunter auch die Mafia.

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          Die seit gut zwei Wochen zumal in Süditalien lodernden Waldbrände haben in der Nacht zum Freitag die Hauptstadtregion Latium erreicht. Nahe der Stadt Tivoli, etwa 40 Kilometer östlich von Rom gelegen, mussten am frühen Freitagmorgen rund zwei Dutzend Familien aus mehreren Häuserblocks in Sicherheit gebracht werden, weil sich das im Naturreservat Monte Catillo ausgebrochene Feuer bis in die Nähe der Wohngebiete ausgebreitet hatte. Den ganzen Tag über waren in Tivoli sieben Löschzüge und ein Löschflugzeug im Einsatz. Die meisten Wald- und Buschbrände wurden weiterhin aus den süditalienischen Regionen sowie von den Mittelmeerinseln Sardinien und vor allem Sizilien gemeldet.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In Kalabrien an der südlichsten Spitze Italiens kamen bis Freitag vier Menschen im Zusammenhang mit den Waldbränden ums Leben. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, reiste am Freitagmorgen zu Gesprächen mit der kalabrischen Regionalführung in die Hauptstadt Catanzaro und machte sich anschließend im besonders von den Bränden betroffenen Nationalpark Aspromonte ein Bild von der Lage. Ministerpräsident Mario Draghi hatte sich am Donnerstagabend in einem Telefongespräch mit dem Bürgermeister von Reggio Calabria, Giuseppe Falcomatà, über die jüngsten Entwicklungen in dem nahegelegenen Nationalpark berichten lassen.

          Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bisher rund 4000 Hektar Wald und Macchia in dem gut 64.000 Hektar großen Nationalpark von den Flammen vernichtet. Draghi versprach Falcomatà rasche Hilfe für die betroffenen Menschen und Unternehmen in der Region. Die von den Flammen zerstörten Waldflächen sollen wiederaufgeforstet werden. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti rechnet für die Aufforstung der verbrannten Gebiete mit einer Dauer von bis zu 15 Jahren.

          Ende der Hitzewelle am Montag

          Auf Sizilien und Sardinien gab der Zivilschutz für Freitag abermals die höchste Waldbrand-Warnstufe für weite Teile der Inseln heraus. Für das Wochenende wurden auf den Inseln sowie auch auf dem Festland neuerlich Höchsttemperaturen von bis zu 40 Grad erwartet. Das Gesundheitsministerium warnte vor einer Hitzewelle in 15 Städten des Landes und empfahl, sich zwischen elf und 18 Uhr möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Nach Angaben des Zivilschutzes gingen am Donnerstag aus dem ganzen Land 33 Anfragen für den Einsatz von Löschflugzeugen ein, jeweils allein neun aus Sizilien und Kalabrien. Frankreich entsandte abermals Löschflugzeuge, um die Löscharbeiten in Italien zu unterstützen.

          Flammen auf Sardinien: Die Insel wurde von den Waldbränden schwer getroffen.
          Flammen auf Sardinien: Die Insel wurde von den Waldbränden schwer getroffen. : Bild: dpa

          Zivilschutzchef Curcio verlangte Verbesserungen beim System der Prävention von Waldbränden sowie bei der Beobachtung und Überwachung der von Feuern besonders betroffenen Regionen. Curcio äußerte die Hoffnung, dass ein Ende der Hitzewelle von Montag an den Kampf gegen die Feuer erleichtern werde.

          Das organisierte Verbrechen legt Feuer

          Nach Angaben von Umweltminister Roberto Cingolani haben weniger als zwei Prozent der Wald- und Buschbrände in Italien natürliche Ursachen, werden also etwa durch Blitzschlag ausgelöst. Bei 71 Prozent aller Brände sei nachweislich der Mensch unmittelbare Ursache. In gut 57 Prozent der Fälle könne Brandstiftung nachgewiesen werden, bei knapp 14 Prozent der Waldbrände sei Unachtsamkeit die Ursache.

          Auf den täglich von der NASA veröffentlichten Satellitenbildern sind die aktuellen Brandherde markiert (Durchblättern mit den Pfeiltasten unten links).

          Mehr als die Hälfte aller mutwillig oder fahrlässig vom Menschen verursachten Wald- und Buschbrände Italiens entfallen auf vier der 20 Regionen des Landes: Apulien, Kalabrien, Kampanien und Sizilien. Bei den betreffenden Regionen handelt es sich um Hochburgen der Mafia. Das organisierte Verbrechen legt Feuer, um Versicherungszahlungen für zerstörte Nutzflächen zu bekommen und vor allem, um die Eigentümer von Wald-, Viehzucht- und Ackerbauflächen zur Zahlung von Schutzgeld zu zwingen. Auch Feuerwehrleute werden immer wieder als Brandstifter überführt. Meist stehen die Feuerwehrleute in befristeten Anstellungsverhältnissen, die im Falle von fortgesetzten Wald- und Buschbränden entsprechend verlängert werden.

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