https://www.faz.net/-gum-91m09

„Irma" in Florida : „Das Schlimmste kommt, wenn das Auge durch ist“

  • Aktualisiert am

Sturm und Wasser: „Irma“ überflutet die Straßen von Miami Beach. Bild: Reuters

Mit großer Wucht ist „Irma“ über den Süden Floridas gezogen. Fünf Millionen Menschen sind ohne Strom, Miami steht unter Wasser – es bildeten sich mehrere Tornados. Zum größten Problem könnten nun die Überschwemmungen werden.

          4 Min.

          Mit gewaltiger Zerstörungskraft hat Hurrikan „Irma“ am Sonntag Florida erreicht. Schwerste Schäden drohten fast im gesamten Bundesstaat. Der Sturm brachte weitreichende Überflutungen – Fernsehbilder zeigten Überschwemmungen in der Innenstadt von Miami. Der Wetterdienst meldete mehrere Tornados an der Ostküste. Der gewaltige Hurrikan zog im Laufe des Sonntags über die Inselkette Florida Keys weiter in nördlicher Richtung die Westküste Floridas hinauf.

          Rund fünf Millionen Menschen in Florida waren vom Strom abgeschnitten, das entspricht ungefähr 2,5 Millionen Haushalten. Es werde Wochen dauern, bis die Versorgung wieder hergestellt sei. Da der Sturm über viele Stunden nordwärts ziehen sollte, wurden weitere Schäden erwartet – anders als in Deutschland sind in den Vereinigten Staaten die Leitungen meist überirdisch verlegt.

          Sonntagnachmittag wurde der Hurrikan zwar von der zweithöchsten Kategorie vier auf Kategorie drei herabgestuft, am Abend sogar auf Stufe zwei. Der Hurrikan blieb aber extrem gefährlich. Am Morgen gegen 9.00 Uhr Ortszeit hatte „Irmas“ Auge mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern die Inselkette Florida Keys erreicht. Dort hieß es vielerorts „Land unter“. Später am Tag entwickelten sich an der Ostküste allein binnen einer Stunde sechs Tornados, wie der nationale Wetterdienst berichtete. Mit weiteren Wirbelstürmen müsse gerechnet werden. In Miami brachen mindestens zwei große Baukräne im Sturm zusammen, meldete der „Miami Herald“.  

          Nach jüngsten Prognosen sollte der Hurrikan weiter westlich vor der Küste Floridas nordwärts ziehen, allerdings nicht so weit westlich wie zuletzt angenommen. So stieß das Auge des Sturms am Sonntagnachmittag (Ortszeit) südlich der Stadt Naples aufs Festland. Und wenn sich der Kurs des Hurrikan-Kerns nur wenige Meilen ändert, zieht das große Konsequenzen für umliegende Ortschaften nach sich.

          Das Problem: „Irma“ ist breiter als die Halbinsel Florida. Abgesehen von heftigem Regen führte das gigantische Wettersystem so zu einer kuriosen Situation: Auf seiner „rechten“ Seite, also an der Ostküste, sorgte der riesengroße Wirbel für erste Überflutungen, so in Miami. An seiner „linken“ Seite drückte der Wirbelsturm das Wasser zunächst von der Westküste weg. Bilder zeigten leere Hafenbecken; andernorts hatte sich das Wasser meterweit von der Strandpromenade entfernt.

          Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser in einer Art gewaltigen Schaukelbewegung zurück an die Westküste kommen sollte, während es im Osten dann zurückfließen würde. Von Fort Myers bis hoch nach Tampa bereiteten sich die verbliebenen Menschen auf das Schlimmste und bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor. „Das Schlimmste kommt, wenn das Auge durchgezogen ist – dann kommt das Wasser“, sagte ein Meteorologe bei CNN.

          Großschaden durch „Irma“: Abgesunkenes Boot in Lake Worth, Florida Bilderstrecke

          In Florida waren zuvor mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates – es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Behörden meldeten nach einem Verkehrsunfall im Sturm zwei getötete Polizisten. Unklar sei jedoch, ob der Sturm die Ursache dafür war. Weit über 100.000 Menschen harrten in zum Teil überfüllten Notunterkünften aus. Vor allem die vielen, mitunter hilflosen Senioren in dem als Rentnerparadies bekannten Bundesstaat stellten den Katastrophenschutz vor große Herausforderungen.

          Topmeldungen

          737-Max-Flugzeuge von Boeing stehen auf einem Gelände des Unternehmens in Seattle.

          Krise um 737 Max : Immer mehr schlechte Nachrichten für Boeing

          Es steht nicht gut, um den Flugzeugbauer Boeing: Der politische Druck rund um die Ermittlungen zu den beiden Abstürzen der 737-Max-Maschinen wird immer größer – und nun verliert das Unternehmen auch an der Börse immer mehr an Wert.
          Der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen sich in Sotschi.

          Syrien-Konflikt : Putin und Erdogan beraten über nächste Schritte

          Knapp zwei Wochen nach dem Einmarsch türkischer Truppen im Norden Syriens trifft der russische Präsident Putin seinen türkischen Amtskollegen Erdogan zu Krisengesprächen. Reagieren die beiden auch auf einen Vorschlag aus Deutschland für eine international kontrollierte Sicherheitszone?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.