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Rekordsturm verwüstet Karibik : Warum „Irma“ kaum an Kraft verliert

  • -Aktualisiert am

Saint-Martin nach dem Hurrikan: Die Insel ist völlig verwüstet Bild: Reuters

Normalerweise verliert ein tropischer Wirbelsturm schnell an Kraft, wenn er Land erreicht. „Irma“ ist aber viel zu groß, als dass ihn die kleinen Inseln, die er gerade verwüstet, deutlich abschwächen könnten. Was passiert, wenn er auf Florida trifft?

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          Auf seinem Weg nach Westen durch die Karibik hat der Hurrikan „Irma“ bisher kaum etwas von seiner außergewöhnlichen Kraft eingebüßt. In seinem Zentralwirbel bliesen die Winde mehr als 24 Stunden lang ununterbrochen mit knapp 300 Kilometern pro Stunde. Nach Angaben französischer Meteorologen ist das ein neuer Rekord, der Irma zum kräftigsten Hurrikan macht, der je im Atlantik gemessen wurde. Das Nationale Hurrikan-Zentrum der Vereinigten Staaten stufte den Wirbelsturm am Freitag zwar auf die zweithöchste Stufe vier herab, nannte ihn aber weiterhin „extrem gefährlich“. Der Sturm zog demnach mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern in Richtung Florida.

          Mindestens 14 Menschen sind wegen des Rekordsturmsturms bereits ums Leben gekommen. Auf den vielen Inseln der nördlichen Kleinen Antillen richtete Irma bereits katastrophale Zerstörungen an – die östlichen Großen Antillen hingegen sind vom Schlimmsten verschont geblieben. In Puerto Rico kam es zwar zu weitreichenden Stromausfällen, die auch Teile der Wasserversorgung unterbrachen. Verheerende Schäden wie auf der französisch-niederländischen Insel St. Martin oder auf Barbuda wurden dagegen weder aus Puerto Rico noch aus dem Südteil der Dominikanischen Republik gemeldet. Im Norden der Insel Hispaniola richtete der Hurrikan allerdings Schäden an, und mehr als 5000 Menschen wurden evakuiert.

          Es wird damit gerechnet, dass der Wirbelsturm in der Nacht zum Sonntag die Südspitze Floridas erreicht. Bis dahin könnte er sich leicht zu einem Hurrikan der Kategorie vier abgeschwächt haben. Normalerweise verliert ein tropischer Wirbelsturm schnell an Kraft, wenn er Land erreicht. Dann wird er nämlich von seiner Energiequelle, dem warmen Meerwasser, abgeschnitten.

          Tropensturm „Irma“: Zur Ansicht der Prognose starten Sie das Video unten links, oder klicken Sie unten auf die Zeitleiste. Per Klick auf die Karte sehen Sie die örtliche Windstärke.

          Vereinfacht gesagt, wird ein Hurrikan von der im Wasserdampf steckenden sogenannten latenten Energie angetrieben. Aufgrund seiner eigenen warmen Temperatur, den Winden und dem im Wirbelsturm herrschenden niedrigen Luftdruck verdunstet Meerwasser in einem Hurrikan besonders schnell. Beim Aufsteigen als Wasserdampf im Inneren eines tropischen Wirbels kondensiert der Dampf dann aber schnell zu Wolken und Regentropfen. Dabei wird die im Wasserdampf steckende Wärmeenergie frei. Diese Energie regt den Wirbelsturm zu immer stärkeren meteorologischen Pirouetten an. Das wiederum lässt noch mehr Wasser verdunsten, das dann beim Kondensieren dem Hurrikan weitere Energie zuführt. Diese positive Rückkoppelung findet aber nur über dem Meer statt. An Land bricht sie zusammen, weil dort das warme Wasser fehlt.

          Diese Faustregel gilt aber nur dann, wenn der Wirbelsturm Landmassen erreicht, die größer sind als seine eigene Ausdehnung. Im Vergleich zu Irmas Durchmesser von mehr als 400 Kilometer sind die Kleinen Antillen aber winzig. Ihre jeweiligen Landmassen sind viel zu klein, um den Fluss des Wasserdampfes in die wirbelnden Wolken zu unterbrechen. Deshalb verlor der Sturm auch kaum an Stärke, als er über die östliche Karibik zog.

          Irma verlor nie den Kontakt zum warmen Karibikwasser

          Nachdem der Hurrikan am Donnerstag und Freitag die Höhe der Großen Antillen erreicht hatte, zog sein Zentrum aber nicht unmittelbar über Puerto Rico und die Insel Hispaniola hinweg. Vielmehr schlängelte sich das Auge mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 Kilometern pro Stunde zwischen diesen beiden größeren Inseln und dem britischen Territorium Turks and Caicos langsam westwärts. Diese Route nördlich der Großen Antillen verhinderte zwar, dass es in Puerto Rico, in der Dominikanischen Republik und in Haiti ähnlich verheerende Schäden gab wie in den Kleinen Antillen. Es führte aber auch dazu, dass Irma nie den Kontakt zum warmen Karibikwasser verlor und deshalb auch nichts an Stärke einbüßte.

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