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Erdbeben im Grenzgebiet : Weshalb mussten so viele Menschen sterben?

Ort der Zerstörung: Die Kleinstadt Sarpol-e Zahab in der iranischen Provinz Kermanshah wurde von dem Beben schwer getroffen. Bild: TAHERKE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In der iranisch-irakischen Grenzregion fordert ein schweres Erdbeben über 350 Tote – mehr als 6.000 Menschen werden verletzt. Die Häuser hielten dem Beben nicht stand.

          Bei dem schlimmsten Erdbeben in diesem Jahr sind im iranisch-irakischen Gebirgsland Hunderte Menschen getötet worden. Das Beben am Sonntagabend um 21:48 Uhr iranischer Ortszeit (19:18 Uhr mitteleuropäischer Zeit) hatte die Stärke 7,3 und dauerte eine Minute. Durch einstürzende Häuser kamen nach Angaben des iranischen Nachrichtensenders Press TV mehr als 350 Menschen ums Leben, davon elf auf irakischer Seite. Iranische Medien gaben die Zahl der Verletzten mit mindestens 6.000 an, betroffen waren vor allem die Städte Qasr-e Shirin und Azgaleh.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Das Gebirgsland im iranisch-irakischen Grenzgebiet, in dem sich das Erdbeben ereignete, ist zwar nur dünn besiedelt. Die meisten Häuser sind aber einfach und lediglich aus Lehmziegeln gebaut, so dass sie einem starken Erdbeben nicht standhalten. Das Epizentrum des Bebens lag nach Angaben der amerikanischen Erdbebenwarte 30 Kilometer südlich der irakischen Stadt Halabdscha auf iranischer Seite und nur 23 Kilometer unter der Erdoberfläche. Es wirkte daher in der unmittelbaren Nähe des Epizentrums besonders zerstörerisch. Zu spüren war das Beben bis nach Kuweit und in die Türkei, auch in den iranischen Großstädten Täbriz und Isfahan gingen Menschen aus Panik auf die Straße. Opfer wurden jedoch nur nahe am Epizentrum gemeldet. In den Stunden nach dem Hauptbeben wurden mehr als 135 Nachbeben mit einer Stärke bis zu 5 registriert.

          In Iran war besonders die Kleinstadt Sarpol-e Zahab betroffen, die 15 Kilometer östlich der Grenze in der Provinz Kermanshah liegt. Ganze Straßenzüge stürzten ein, auch das Krankenhaus der Stadt wurde zerstört. Acht Dörfer nahe Sarpol-e Zahab sind ebenfalls zerstört. Viele Städte und Dörfer wurden von Strom- und Telefonverbindungen abgeschnitten. Neben Kermanshah bebte die Erde in zehn weiteren iranischen Provinzen. Auf irakischer Seite wurde die Stadt Darbandikhan am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. Dort wurden mehr als 30 Menschen verletzt, sagte Rekaut Hama Rasheed, der Gesundheitsminister der kurdischen Regionalregierung.

          Iran entsandte umgehend mehr als 100 Ärzte in die betroffene Region. Die iranische Luftwaffe stellte Hubschrauber bereit, um Verletzte in nahe gelegene Krankenhäuser und selbst bis nach Teheran zu fliegen. Im Teheraner Flughafen wurde eine Notaufnahme für die Verletzten eingerichtet. Erdrutsche, die das Beben ausgelöst hat, behinderten die Rettungseinsätze, sagte der Leiter des iranischen Katastrophendienstes, Pir Hossein Koolivand. Die iranischen Minister für Inneres und für Gesundheit flogen in das Katastrophengebiet, um die Hilfseinsätze zu koordinieren. Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei hat die iranischen Streitkräfte aufgefordert, rasch für den Transport der Verwundeten und das Abtragen des Schutts zu sogen. Auch der Kommandeur der iranischen Armee, General Abdolrahim Mousavi, und der Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Ali Dschafari, reisten in das Erdbebengebiet. Präsident Hassan Rohani will an diesem Dienstag dorthin fliegen.

          Nach Angaben iranischer Hilfsagenturen sind 70.000 Menschen auf provisorische Unterkünfte angewiesen. Die Türkei hat als erster Drittstaat einen Hilfskonvoi in das Erdbebengebiet geschickt. Ein Konvoi mit Medizin und Lebensmitteln sei auf den Weg gebracht worden, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim. Zudem bringt der türkische Rote Halbmond Zelte und Decken in die Region, und ein Frachtflugzeug der türkischen Armee ist mit einem Hilfsteam aus Bergungsexperten und medizinischem Personal in die irakische Stadt Suleimanije, die nahe am Epizentrum liegt, gestartet.

          In diesem Jahr hat es zwar zwei Erdbeben mit einer höheren Stärke gegeben – am 22. Januar 2017 in Papua Neuguinea und am 8. September in Mexiko. Bei dem Erdbeben vom Sonntag sind jedoch mehr Todesopfer zu beklagen als bei jedem anderen Beben in diesem Jahr. Iran wird oft von schweren Erdbeben heimgesucht, da von Süden her die Arabische Platte auf die Eurasische Platte im Norden drückt. Entlang der Verwerfungslinie entladen sich Verschiebungen in Erdbeben. Im Dezember 2003 wurden in Bam bei einem Erdbeben 31.000 Menschen getötet, im Juni 1990 bei einem Beben in den Provinzen Gilan and Zandschan 37.000 Menschen. Auch die Hauptstadt Teheran liegt auf einer Verwerfungslinie.

          Am Sonntagabend (Ortszeit) erschütterte ein starkes Erdbeben auch die Pazifikküste von Costa Rica. Das Zentrum des Bebens der Stärke 6,4 lag südöstlich des Badeorts Jacó im Pazifik, vor der Westküste des mittelamerikanischen Landes, wie die nationale seismologische Beobachtungsstelle mitteilte. Zwei Menschen starben an einem Herzinfarkt, wie die örtliche Zeitung „La Nación“ schrieb.

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