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Interview zu MH370 : „Der Fund ist ein kleines Wunder“

Spült das Meer noch mehr an? Die Küste von La Reúnion steht unter Beobachtung. Bild: Imago

Jean-Paul Troadec war Direktor der französischen Ermittlungsbehörde BEA und zwischenzeitlich an den Ermittlungen zu Flug MH370 beteiligt. Ein Gespräch über die Schlüsse, die sich aus dem Fund eines Wrackteils ziehen lassen.

          2 Min.

          Herr Troadec, hat Sie der Fund des Flügelteils, das vermutlich von der Boeing 777 des Fluges MH 370 stammt, überrascht?

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es ist ein kleines Wunder, dass solch ein Teil noch auf dem Wasser schwamm und nicht gesunken ist. Es bedeutet, dass es in seinem Inneren einen luftdichten Raum gab, der das Treiben an der Wasseroberfläche ermöglichte. Das ist 16 Monate nach dem Absturz ziemlich ungewöhnlich.

          Erwarten Sie, dass weitere Teile gefunden werden?

          Möglich ist es, doch man sollte sich keine großen Hoffnungen machen. Vorsicht ist jetzt auch angebracht. Es könnte zu einer Art Schatzsuche kommen, bei der alle möglichen Teile zunächst für Reste des abgestürzten Flugzeugs gehalten werden. Das könnte die Suche in den kommenden Tagen erschweren.

          Was kann man aus dem Fund lernen?

          Jean-Paul Troadec
          Jean-Paul Troadec : Bild: Reuters

          Erst mal, dass das Flugzeug wahrscheinlich im Indischen Ozean abgestürzt ist. Zweitens kann man wohl herausfinden, ob es eine Explosion oder ein Feuer gab. Wie hart der Aufprall war, lässt sich unter Umständen auch sagen. Wenn es ein sehr harter Aufprall war, dann bleiben in der Regel keine so großen Teile wie das nun gefundene übrig.

          Welche Szenarien kann man ausschließen?

          Es gab ja jede Menge Verschwörungstheorien, etwa dass das Flugzeug entführt wurde und an einem geheimen Ort festgehalten werde. Solche Thesen waren von Anfang an kaum stichhaltig. Auch das Szenario eines Abschusses durch eine Rakete wird sich nun durch die Untersuchung auf Feuer- oder Explosionsspuren erhärten oder verwerfen lassen.

          Was ist über den Ort des Absturzes zu erfahren?

          Ich glaube, nicht so viel. Beim Absturz des Airbus zwischen Rio und Paris hatten wir in dieser Hinsicht wenige Ergebnisse. Heute suchen die Australier im Meer vor der australischen Küste. Es wäre logisch und kohärent, wenn einige Teile von dort bis nach La Réunion getrieben worden sind. Doch es ist sehr schwierig, das zu berechnen. Meeresströmungen und Winde können zum Beispiel in eine entgegengesetzte Richtung wirken. Wie sich das auf Flugzeugteile auswirkt, ist kaum vorauszusagen, es hängt auch davon ab, welche Flächenanteile sich unter und über Wasser befinden. Zwei Teile des gleichen geographischen Ursprungs können sich in ganz andere Richtungen bewegen.

          Was sagen uns die Krustentiere an der Oberfläche des Flugzeugteils?

          Die Dauer, in der das Teil sich im Meereswasser befand, ist eine mögliche Aussage: ein oder zwei Jahre etwa, und nicht erst 15 Tage. Doch ich bin skeptisch, dass sich daraus präzise Angaben ableiten lassen.

          Flug MH370 : Trümmerteil in La Réunion stammt von Flug MH370

          Warum untersuchen jetzt französische Behörden?

          Es gab französische Opfer, daher ermitteln die Franzosen. Außerdem ist das Teil an einer französischen Insel, La Réunion, angeschwemmt worden. Wäre es etwa in Madagaskar entdeckt worden, wäre es wahrscheinlich den Behörden in Malaysia überstellt worden.

          Sie haben an den Ermittlungen im vergangenen Jahr teilgenommen. Welchen Eindruck hatten Sie?

          Die malaysischen Behörden verfügen nicht über eine außergewöhnliche Expertise auf dem Gebiet. Doch sie haben zusammengearbeitet mit den Fachleuten von Boeing sowie mit den Behörden in den Vereinigten Staaten, Australien, Frankreich und Großbritannien. An Expertise hat es nicht gemangelt.

          Handelt es sich um das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte?

          Flugzeuge sind immer wieder verschwunden, doch nie mit so vielen Passagieren. Und seit mehr als einem Jahr hatten wir nicht die geringsten Hinweise. Ja, die Aussage ist richtig.

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