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Interview mit Günter Lubitz : „Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch“

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Ein Gedenkstein in den französischen Alpen erinnert an den Flugzeugabsturz vor zwei Jahren. Der Kopilot hatte ihn absichtlich herbeigeführt. Bild: AP

Bereits vor der umstrittenen Pressekonferenz am Freitag gibt der Vater von Andreas Lubitz ein Interview. Es gebe keinen belastbaren Beleg, dass sein Sohn die 149 Passagiere vorsätzlich getötet habe.

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          Der Vater des Germanwings-Kopiloten sieht keinen Beweis dafür, dass sein Sohn Andreas Lubitz das Flugzeug vor zwei Jahren absichtlich zum Absturz gebracht hat. Es gebe „keinen einzigen wirklich stichhaltigen und belastbaren Beleg“, dass sein Sohn sich und die 149 anderen Passagiere und Besatzungsmitglieder „vorsätzlich und geplant“ in den Tod geflogen habe, sagte Günter Lubitz in einem am Mittwoch vorab verbreiteten Zitat aus einem Interview der „Zeit“.

          „Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen“, sagte Lubitz. „Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit.“  Sein Sohn sei nicht der Mensch gewesen, den die Boulevardpresse aus ihm gemacht habe.

          Der Vater des verstorbenen Piloten stützt sich dabei auf ein Gutachten des Fachjournalisten und Luftfahrtexperten Tim van Beveren, der die 16.000 Seiten umfassenden Ermittlungsakten der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und der „Sonderkommission Alpen" ausgewertet habe. Als Ergebnis behauptet van Beveren: „Die These eines vorsätzlichen Massenmordes ist nicht haltbar.“

          „Die Behörden haben die Absturzursache aufgeklärt“

          Die Germanwings-Maschine war am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Im Abschlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA vom März 2016 hieß es dazu: „Die Kollision mit dem Boden wurde durch eine bewusste und geplante Handlung des Copiloten verursacht, der entschieden hatte Suizid zu begehen, während er alleine im Cockpit war.“ Auch Staatsanwalt Christoph Kumpa hatte erst am Dienstag gegenüber FAZ.NET gesagt: „Für uns gibt es keinen Zweifel daran, dass ausschließlich der Kopilot für den Absturz verantwortlich ist und ihn bewusst herbeigeführt hat.“

          Bei der Konzernmutter Lufthansa hieß es: „Die Behörden haben die Absturzursache aufgeklärt, es gibt keinen Grund an den Ergebnissen zu zweifeln.“ Für Empörung auf Seiten der Hinterbliebenen sorgte jüngst die Ankündigung von Günter Lubitz, am Freitag und damit genau zwei Jahre nach dem Unglück, in Berlin vor die Presse zu treten. „Aus unserer Sicht ist solch eine Veranstaltung an diesem Datum völlig deplaziert“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Günter Lubitz kritisierte die Ermittlungen. „Es gab ganz offensichtlich Dinge, die man gar nicht erst ermittelt hat, vielleicht weil man sie nicht ermitteln wollte“, sagte er der Zeitung.

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