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Schweres Jahr 2018 : Indonesiens Jahr der Katastrophen

Wieder hat ein Tsunami Indonesien getroffen, dieser Mann identifiziert tote Verwandte: Die Menschen in Indonesien haben ein schweres Jahr hinter sich. Bild: dpa

Indonesien blickt auf ein schweres Jahr zurück: Erdbeben, Tsunamis, Flugzeugabstürze – Südostasiens größtes Land wurde immer wieder hart getroffen. Doch es gilt auch, Fragen zu stellen.

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          Das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung, die der Tsunami am Wochenende hinterlassen hat, lässt sich derzeit noch nicht überblicken. Klar ist aber jetzt schon, dass ein an Katastrophen und Unglücken nicht armes Jahr in Indonesien nun auch noch mit einem Desaster größerer Ordnung zu Ende geht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ausgelöst wurde diese Katastrophe offenbar durch einen Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau, der schon seit Monaten erhöhte Aktivität gezeigt hatte. Die Riesenwelle, die am Samstagabend über Küstengebiete entlang der Meerenge zwischen Java und Sumatra hinwegging, soll der jüngsten, aber immer noch vorübergehenden Zahl von 281 Menschen das Leben gekostet haben. Die mittlerweile routinierten indonesischen Rettungskräfte kämpfen sich durch Berge von Trümmern, um noch Überlebende zu finden, und um die Toten zu bergen.

          Begonnen hatte die außergewöhnliche Serie von Katastrophen spätestens im August mit dem Erdbeben auf der Ferieninsel Lombok. Das Beben der Stärke 6,9 zerstörte ganze Dorfgemeinschaften im Norden der Insel. Hunderte Urlauber mussten von den benachbarten Gili-Inseln evakuiert werden. Rund 480 Menschen wurden getötet und etwa 7800 verletzt. Auf das Beben auf Lombok folgte schon im September das große Erdbeben auf der Insel Sulawesi. Die Erschütterungen der Stärke 7,5 lösten einen Tsunami aus, der den Küstenstreifen in der Stadt Palu fast komplett verwüstete. Ganze Siedlungen wurden außerdem von der Erde verschluckt, als sich durch ein ungewöhnliches Naturphänomen der Boden verflüssigte. Die Bilanz: mehr als 2000 Tote sowie zahlreiche Opfer, die noch immer in den Erdmassen vermisst werden.

          Der Tsunami erreichte die Inseln Sumatra und Java am Samstagabend. Bilderstrecke

          Dies alles waren Naturkatastrophen, die sich wie der Tsunami am Samstag durch Indonesiens Lage auf dem pazifischen Feuerring erklären lassen, einer der geologisch aktivsten Regionen der Erde. Aber auch an menschengemachten Katastrophen mangelt es dem Land mit 250 Millionen Einwohnern nicht. Auf dem Archipel mit 17.000 Inseln kommt es zum Beispiel immer wieder zu Fährunglücken. Zudem ist die rasant wachsende Luftfahrt anfällig für Unfälle.

          So gehörte der Absturz eines Passagierflugzeug der Billigairline Lion Air im Oktober auch zu den schwersten Unglücken des Jahres. Dabei waren alle 189 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Der Absturz war ungewöhnlich, da es sich um ein nagelneues Flugzeug des Typs Boeing 737 Max handelte. Ursache waren wahrscheinlich fehlerhafte Messdaten, die von einem Sensor an die Bordinstrumente gesendet worden waren.

          Wie auf alle Unglücke reagieren die Indonesier mit viel Mitgefühl und Solidarität. So präsent sind die Katastrophenberichte in diesem Jahr, dass es der Sprecher des Katastrophenschutzes, Sutopo Purwo Nugroho, sogar zu einiger Prominenz gebracht hat. Bisweilen hielt der an Lungenkrebs erkrankte Indonesier seine Landsleute sogar vom Krankenbett aus auf dem Laufenden. Dafür wird er von vielen bewundert.

          Aber bei jedem Unglück gilt es auch, sich unangenehmen Fragen zu stellen. Wie bei dem Flugzeugunglück, das vermutlich durch technische Fehler und eine Überforderung der Piloten ausgelöst wurde. Oder wie bei der Riesenwelle von Palu, bei der das Tsunami-Warnsystem offensichtlich versagt hatte. Und auch jetzt wird hinterfragt, warum das System nicht vor dem Tsunami warnte.

          Nun herrscht in Indonesien Angst, dass es auch wieder zu einer Mega-Katastrophe wie am zweiten Weihnachtstag des Jahres 2004 kommen könnte, als ein Tsunami im Indischen Ozean mehr als 200.000 Menschen in den Tod gerissen hatte. Die meisten der mehrheitlich muslimischen Indonesier haben mit Weihnachten nichts am Hut. Aber die Erinnerung an das Unglück, das allein in Indonesien rund 160.000 Menschen das Leben gekostet hatte, ist vor allem in diesen Tagen präsent. Als der muslimische Präsident Joko Widodo am Sonntag auf Sulawesi der christlichen Minderheit des Landes auf das Fest einstimmte, sprach er auch den Opfern des Tsunami sein Beileid aus. „Wir sind alle Brüder und Schwestern einer Nation und eines Vaterlands. Frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2019!“ , wünschte der Präsident.

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