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Indonesien : Revolte in überfüllten Zellen

Bild: REUTERS

Viele Gefängnisse in Indonesien sind völlig überfüllt - auch wegen der strikten Rauschgift-Gesetze. Auf Sumatra sind nun gut 200 Häftlinge geflohen. Fünf Menschen kamen bei der Revolte ums Leben.

          In Diskotheken ist ein Stempel das Zeichen für den Einlass - im Salemba-Gefängnis in der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat er jedoch auch die gegenteilige Bedeutung. Wer das Glück hat, einen Stempel mit dem Symbol des Gefängnisses auf die Hand zu bekommen, hat größere Chancen, auch wieder herauszukommen. Dabei ist es ohnehin ungewöhnlich, dass ausländische Besucher in eine indonesische Haftanstalt gelassen werden. Die Gefängnisse in dem Land haben den Ruf, besonders abscheulich zu sein. Doch Salemba ist mittlerweile wohl eine Art Vorzeigeeinrichtung. Im Eingangsbereich riecht es nach frischer Farbe. Die modern aussehenden Gefängnismauern und -zäune scheinen sich nicht von derartigen Einrichtungen im Westen zu unterscheiden. Die Besucher bekommen eine Krankenstation gezeigt, in der die Patienten frisch gewaschene blaue Krankenhauskleidung tragen. Augenscheinlich werden sie gut versorgt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Allerdings sind das alles nur Äußerlichkeiten, und bis zu den Zellen wird niemand vorgelassen. Denn wie die Zahlen der Gefängnisverwaltung belegen, sind die Zustände in Salemba alles andere als himmlisch. So habe die Justizvollzugsanstalt Platz für 572 Insassen. Tatsächlich seien aber 1885 Menschen in den Zellen untergebracht. Das ist eine Überbelegung um mehr als 200 Prozent. Erschreckend, aber für indonesische Verhältnisse keine Ausnahme.

          Auf der Insel Sumatra haben die schlechten Bedingungen in einem Gefängnis in der Provinzhauptstadt Medan nun zu einer Revolte geführt. „Die Unruhen wurden durch einen Mangel an Strom und Wasser ausgelöst“, sagte der stellvertretende indonesische Justizminister Denny Indrayana laut Nachrichtenagentur dpa. Anfänglich sollen ein- bis zweihundert Häftlinge entkommen sein, unter ihnen offenbar auch mehrere Terroristen. Mehrere Dutzend waren am Freitag wieder eingefangen worden.

          Hohe Raten von Tuberkulose und HIV

          Insgesamt fünf Menschen fanden bei dem Massenausbruch aus der Haftanstalt Tanjung Gusta den Tod, davon zwei Wächter und drei Gefangene. Die Aufständischen hatten am Donnerstagabend mutmaßlich Feuer in dem Gefängnis gelegt. Mehr als 2500 Personen waren in der Haftanstalt zur Zeit des Aufstands untergebracht. Nach Angaben des Vize-Justizministers lag die Überbelegung bei 247 Prozent. Der Menschenüberschuss in den Gefängnissen ist auch eine Folge der strengen Anti-Rauschgift-Gesetze in Indonesien, die rigoros durchgesetzt werden. Berühmt und berüchtigt ist vor allem das Kerobokan-Gefängnis auf der Ferieninsel Bali, in dem auch immer wieder Ausländer wegen Rauschgiftdelikten einsitzen. Es wird deshalb auch ironisch als „Hotel Kerobokan“ bezeichnet. Berichte beschreiben die Enge und Hitze in den überfüllten Zellen, in denen es nur einen Eimer zum Waschen gibt und nicht genug Betten für alle Insassen.

          Insbesondere die Raten von Tuberkulose und HIV sind in den indonesischen Gefängnissen sehr hoch. Mit Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat Indonesien bei der Bekämpfung der HIV-Epidemie in den Gefängnissen aber Fortschritte gemacht. Im Salemba-Gefängnis sitzen 997 der Insassen wegen Rauschgiftdelikten, das sind in etwa die Hälfte aller Insassen. 106 sind HIV-positiv. Trotz der Zustände gab es vor ein paar Jahren aber auch einen Bericht, der die Sonderbehandlung einiger Häftlinge anprangerte. Demnach sollen im „Block K“ des Salemba-Gefängnisses einige der Häftlinge in komfortabel eingerichteten Einzelzellen mit Privatbad und Kochecke untergebracht gewesen sein. Ein ehemaliger Insasse hatte Videoaufzeichnungen von den Luxuszellen hinausgeschmuggelt. Nach einem Aufschrei versprach die Regierung, die Ungleichbehandlung zu beenden. Im notorisch korrupten Indonesien ist es für Häftlinge aber nach wie vor kein Problem, sich Privilegien zu erkaufen, wenn sie es sich leisten können.

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