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Air-Asia-Flug QZ8501 : Indonesien bittet Amerika um Hilfe

  • Aktualisiert am

Bisher wissen die indonesischen Suchtrupps und ihre Helfer nichts vom Verbleib von Flug QZ8501 – Hoffnung setzen sie in die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Bild: Reuters

Noch immer gibt es keine Spur von der verschollenen Maschine der Air Asia. Auch eine Rauchfahne führte nicht zur Absturzstelle. Weil es Indonesien an Ausrüstung mangelt, bittet das Land nun die Vereinigten Staaten um Hilfe.

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          Die Suche nach dem in Indonesien verschwundenen Air-Asia-Flugzeug wird ausgeweitet. Es werde in einem größeren Gebiet als bislang nach dem vermissten Airbus A320 gesucht, teilte der Chef der Such- und Rettungsbehörde, Bambang Sulistyo, am Dienstag mit. Erste Spuren verliefen im Sande: eine vermeintliche Ölspur 100 Seemeilen vor der Insel Belitung konnte nicht als Flugbenzin identifiziert werden, wie Sulistyo sagte. Auch eine Rauchfahne auf Belitung führte nicht zu der Maschine.

          Flug QZ8501 mit 162 Menschen an Bord war am Sonntagmorgen auf dem Weg von Surabaya in Indonesien nach Singapur vom Radar verschwunden. Seitdem fehlt jede Spur.

          Die Ermittler legten Details der letzten Kommunikation mit dem Piloten vor. Danach bat der Kapitän um 06.12 Uhr um eine Kursänderung nach links, um einen Sturm zu umfliegen. Dies wurde genehmigt, und die Maschine sei sieben Meilen nach links geflogen, berichtete die „Jakarta Post“ unter Berufung auf den Sicherheitsdirektor der Flugsicherung „AirNav Indonesia“, Wisnu Darjono. Kurz darauf habe der Pilot um Genehmigung gebeten, höher zu fliegen. Dies wurde wegen hohen Verkehrsaufkommens in der Region nicht sofort genehmigt. Als die Genehmigung zu einer Steigung um 06.14 Uhr übermittelt wurde, habe es keine Antwort mehr gegeben.

          Amerika um Hilfe gebeten

          Die indonesischen Behörden baten die Vereinigten Staaten um Hilfe bei der Suche. Wie der amerikanische Außenamtssprecher Jeffrey Rathke am Montag in Washington sagte, wurde die Anfrage zunächst geprüft, „um herauszufinden, wie wir Indonesiens Bitte um Unterstützung am besten erfüllen können“. Dafür bräuchten die amerikanischen Behörden „ein kleines bisschen Zeit“. Die Botschaft der Vereinigten Staaten in Jakarta stehe in „engem Kontakt“ mit den indonesischen Behörden.

          Der Bitte Indonesiens an die Vereinigten Staaten war eine erfolglose Suche vorausgegangen, die sich über den gesamten Montag erstreckte. Schiffe und Flugzeuge aus Indonesien, Australien, Singapur und Malaysia hatten in der Java-See nach dem malaysischen Passagierflugzeug gesucht. Auch China erklärte sich bereit, Flugzeuge und Schiffe zu entsenden.

          Schleppsonden sollen Signale empfangen

          Die Behörden gehen davon aus, dass die Maschine auf dem Meeresgrund liegt. Zu den im Flugzeug befindlichen Flugschreibern, die technische Messzahlen (Flugdatenschreiber) und Gespräche im Cockpit (Stimmenrekorder) aufzeichnen, gehört auch eine Notfunkbake, der sogenannte Emergency Locator Transmitter (ELT). Er wird bei einem Aufprall oder bei Kontakt mit Wasser aktiviert und sendet Signale aus, die von Satelliten empfangen werden können. Die Notfunkbake funktioniert allerdings nur an der Wasseroberfläche, ihre Lebensdauer beschränkt sich auf 24 Stunden. Bei einem Absturz ins Meer wird versucht, das Wrack mittels der Unterwasser-Notfunkbake (Underwater Locator Beacon) zu orten. Sie nimmt beim ersten Kontakt mit Salzwasser den Betrieb auf und sendet mindestens dreißig Tage lang periodische akustische Signale aus. Einmal pro Sekunde gibt sie mit einer Schalldruckstärke von 160 Dezibel einen Ultraschallimpuls auf der Frequenz 37,5 kHz ab, der zehn Millisekunden dauert. Auf diese Weise soll das Signal aus dem im Meer vorherrschenden Frequenzspektrum zu unterscheiden sein.

          Das Funkfeuer kann, sofern das Wrack nicht tiefer als etwa 4200 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, von einer Schleppsonde mit Ultraschall-Empfänger aufgefangen werden. Die Sonde wird von einem Boot mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Stundenkilometern etwa zweitausend Meter über dem Meeresboden durch das Wasser gezogen. Singapur bot die Entsendung zweier solcher Schleppsonden an. Für eine genaue Ortung muss die Suchmannschaft Signale von mindestens drei Punkten aus empfangen und ausgewertet haben. Die Funkbake ist aber nutzlos, wenn die Suchmannschaften nicht ungefähr wissen, wo sie suchen sollen. Sie richten sich dabei nach Berechnungen auf Grundlage der letzten verfügbaren Ortungsdaten, die das Flugzeug gesendet hat

          „Wir suchen aber auch an Land“, sagte der Chef der Zivilluftfahrt-Behörde, Djoko Murjatmojo. „Wir können nicht ausschließen, dass die Maschine in Westkalimantan (auf Borneo) oder auf Bangka oder Belitung abgestürzt ist.“ Das Suchgebiet umfasst rund 13.000 Quadratkilometer, eine Fläche fast so groß wie Schleswig-Holstein.

          Gewitterfront als Absturzursache unwahrscheinlich

          Lokale Medien berichteten von Fischern, die in der Region am Sonntagmorgen einen lauten Knall gehört haben wollen. Solche Berichte zu verifizieren ist nach Angaben der Such- und Rettungsdienste aber extrem schwierig. In Jakarta traf ein Team von Airbus ein, um bei der Untersuchung der Unglücksursache zu helfen. Ohne Ortung der Maschine und der Blackboxen konnten sie aber wenig tun.

          Air Asia korrigierte erste Angaben zur Erfahrung des Piloten: Kapitän Iriyanto hatte 6100 Flugstunden nur mit Air Asia absolviert, insgesamt aber 20.537 Flugstunden.

          Eine Gewitterfront als Ursache für den Absturz ist laut dem deutschen Luftfahrt-Experten Cord Schellenberg wenig wahrscheinlich. Schlechtwetterfronten seien in der zivilen Luftfahrt alltäglich und die Maschinen dafür ausgerüstet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Rund um den Äquator gibt es viele Gewitter; darauf sind die Piloten einer indonesischen Fluglinie eingestellt“, sagte Schellenberg.

          Die Suche nach dem Wrack könnte Tage, Wochen oder Monate dauern. Schellenberg verwies auf die Air-France-Maschine, die 2009 vor Brasilien abgestürzt war. Da hatte es zwei Jahre gedauert, die Aufzeichnungsgeräte zu finden, zu bergen und auszuwerten. Im Fall des im März verschollenen Flugs MH370 von Malaysian Airlines konnte die Absturzstelle bis heute nicht lokalisiert werden.

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