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Indien : Durch den Monsun

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Rishikesh: Der Ganges steht so hoch, dass eine Statue des indischen Gottes Shiva droht unterzugehen Bild: AP

Im indischen Bundesstaat Uttarakhand wird befürchtet, dass die Zahl der Toten nach den extremen Regenfällen noch auf 1.000 ansteigen könnte. Zehntausende Menschen werden noch vermisst.

          Nach den verheerenden Überschwemmungen im Norden Indiens ist die Zahl der Toten am Sonntag auf 680 gestiegen. Doch schon kurz nach Bekanntgabe der Zahl wurden nahe dem berühmten Hindu-Tempel Kedarnath im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand bereits weitere hundert Leichen entdeckt. Der Ministerpräsident von Uttarakhand, Vijay Bahuguna, sagte, er befürchte, dass es bis zu 1.000 Tote geben könnte.

          Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Zuvor hatte schon Indiens Premierminister Manmohan Singh gewarnt, dass die Zahl der Todesopfer viel höher ausfallen könnte. Innenminister Sushil Kumar Shinde sprach von einer „nationalen Krise“. Behördenangaben zufolge handelt es sich um den heftigsten Monsunregen in Nordindien seit 60 Jahren.

          Mehr als 10.000 indische Soldaten und Rettungskräfte sind seit Tagen im Einsatz. Mit Hubschraubern versuchen sie in Dörfer und Städte zu gelangen, die durch Überschwemmungen und Erdrutsche abgeschnitten sind. Allein aus Uttarakhand konnten bislang mehr als 80.000 Menschen gerettet werden. Im benachbarten Bundesstaat Himachal Pradesh wurden 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Tagelang mussten die Überlebenden im Freien ausharren, ohne Strom, Wasser oder Essen.

          Viele Dörfer und Städte sind zerstört: durch den heftigsten Monsunregen in Nordindien seit 60 Jahren Bilderstrecke

          Auch am Sonntag gestalteten sich die Rettungseinsätze aufgrund andauernder Regenfälle weiter schwierig. Noch immer sind etwa 20.000 Menschen in der Region abgeschnitten von der Außenwelt. Bei den meisten handelt es sich um Gläubige und Touristen, die sich auf der Pilgerreise „Char Dham Yatra“ befanden. Sie besuchen zwischen Mai und November eine der vier heiligsten Hindustätten im Norden Indiens. 2010 reisten 30 Millionen Touristen zu den Tempeln nach Uttarakhand, 2001 waren es noch zehn Millionen.

          Dieses Jahr wurden die Pilger von den unerwartet früh einsetzenden Monsun-Regenfällen überrascht. Viele machen allerdings auch die Regierung für die Katastrophe verantwortlich. Es handele sich um eine ökologisch sehr fragile Region, sagt der indischen Umweltaktivist Ashish Kothari. „Allerlei hydro-elektronische Projekte werden errichtet. Doch die Konstruktionen sind ohne Rücksicht auf die Umgebung, teilweise völlig planlos gebaut worden.“ Man habe dabei immer nur den steigenden Touristenandrang im Blick gehabt.

          Auf den Vorwurf, man habe zu spät auf die Unwetter reagiert, sagte Bahuguna am Sonntag: „Das Ausmaß dieser Katastrophe ist derart groß, dass selbst die indische Zentralregierung nicht über die nötigen Kapazitäten verfügt.“ Es werde alles unternommen, um die Menschen zu retten. „Doch die Rettungsaktionen könnten noch bis zu zwei Wochen andauern.“ Für Anfang der Woche rechnen die Meteorologen mit schon wieder schweren Regenfällen in der Region.

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